— 7—
Die schriftlichen Prüfungen im Lehrerinnenseminar und in der Studienanstalt dauerten vom 18.— 23. Januar. Von der mündlichen Prüfung wurden die Abiturientinnen der Studienanstalt(3) auf Grund ihrer Jahresleistungen und des guten Ausfalls der Prüfungsarbeiten sämtlich befreit.— Die Fach- prüfung sowie die mündliche Wissenschaftliche Prüfung der Seminaristinnen fanden am 9. Februar unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Oberschulrats Block in den Mieträumen der Schule statt, ebenso die evangelische und katholische Religionsprüfung— letztere in Anwesenheit des Herrn Domkapitulars May— der Klasse Sla. Da das Schulhaus nicht geheizt war(vergl. oben), so mußten die Unterrichtsproben der P-Klasse ausfallen.
Leider wurde das Kollegium gegen Ende des Schuljahrs von einem schweren Ver- luste betroffen. Infolge eines Herzschlags starb nämlich am Abend des 22. Februar unser dienst- ältester Reallehrer, Herr August Hoffmann. Zwar hatte der Entschlafene über sein Befinden in den letzten Jahren mehrfach zu klagen gehabt; allein der wiederholte Gebrauch der Nauheimer Bäder— zum letztenmal vom 1. September bis zum 12. Oktober 1916 hatte ihm immer wieder die gewünschte Besserung gebracht, und er selbst wie wir alle hofften, er könne wenigstens noch bis zum Friedensschluß auf dem ihm lieb gewordenen Posten ausharren. Dann sollte ihm die Ver- setzung in den Ruhestand die wohlverdiente Ablösung bringen. Doch anders sollte es kommen: zum ewigen Frieden ging er ein, ohne daß es ihm vergönnt gewesen, noch vor seinem Abscheiden die Friedensglocken läuten zu hören.— Seit Ostern 1909 gehörte Herr Reallehrer Hoffmann dem Lehrkörper unsrer Schule an, und seit dieser Zeit hatten wir reichlich Gelegenheit, ihn immer besser kennen, immer höher schätzen zu lernen. Wir verehrten in ihm einen vortrefflichen, vornehm denkenden Charakter, einen erfahrenen, pflichttreuen Lehrer, einen aufrichtigen, warm- herzigen Freund der ihm anvertrauten Jugend, einen liebenswürdigen, jederzeit hilfsbereiten Berufsgenossen. So steht sein Bild lebhaft vor unsrer Seele, und so wird es immerdar dort haften bleiben, solange wir uns des Dahingeschiedenen erinnern.
Am Nachmittag des 26. Februar fand in aller Stille die Einäscherung des Verstorbenen statt. Doch hatten die Lehrer der Anstalt es sich nicht nehmen lassen, ihm die letzte Ehre zu erweisen; von einer Beteiligung der Schülerinnen mußte der Kohlenferien wegen leider abgesehen werden. Im Namen des Kollegiums legte der Unterzeichnete an des Entschlafenen Bahre einen Kranz nieder und widmete ihm dabei zugleich einige Worte dankbaren Angedenkens.
Dem Unterzeichneten wurde zum Allerhöchsten Regierungsjubiläum am 13. März von Sr. Königlichen Hoheit dem Großherzog die Krone zum Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.— Herr Reallehrer Müller wurde bei der gleichen Veran- lassung mit dem Ritterkreuz II. Klasse von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog ausgezeichnet.
II. Das Schulleben unter dem Einfluß des Krieges. Unsere Hoffnung, wir könnten den Jahresbericht diesmal mit der Beschreibung einer Friedensfeier schließen, hat sich leider nicht verwirklicht. Auch das abgelaufene Schuljahr war noch einmal vom Anfang bis zum Ende ein Kriegsjahr und hatte als solches wiederum sein besonderes Gepräge. Der Unter- richt konnte zwar, abgesehen von nur wenigen geringfügigen Ausnahmen, lehrplanmäfig erteilt werden; die durch kriegerische Ereignisse zeitweise hervorgerufene Aufregung der jugendlichen Gemüter, der Schmerz über den Verlust teurer Anverwandten, das Fehlen der väterlichen Zucht und Leitung, die außergewöhnlichen Ernährungsverhältnisse und andere ungünstige Umstände brachten es jedoch mit sich, daß sein Erfolg bei gar mancher Schülerin in Frage gestellt wurde, bei der dies sonst wohl nicht der Fall gewesen wäre.
Nachrichten vom Kriegsschauplatz boten nur an zwei Tagen— beide Male von 10 Uhr vormittags an— Anlaß zum Aussetzen des Unterrichts: am 3. Juni, als die Meldung vom Seesieg am Skagerrak hierher gelangt war, und am 7. Dezember, als feierliches Glockengeläute die Einnahme von Bukarest verkündigte.
Die Goldsammlung, auch im abgelaufenen Schuljahre unter Leitung von Herrn Degreif und Frl. Cahn in anerkennenswerter Ausdauer fortgesetzt, lieferte noch manchen


