Jahrgang 
1915
Einzelbild herunterladen

13

Wir geben nunmehr einen kurzen Ueberblick über die wichtigsten Ereignisse aus dem Schulleben des Berichtsjahres.

Eröffnet wurde dieses am 20. April mit einer Sitzung des Gesamtlehrerrats.

Herr Reallehrer Hoffmann(vergl. S. 17 des vorigen Jahresberichtes) mußte aus Gesund- heitsrücksichten noch weiterhin bis zum Anfang der Sommerferien beurlaubt werden; zwischen letzteren und den Herbstferien gab er wöchentlich nur einige Stunden, um dann mit Beginn des Winterhalbjahrs seinen Unterricht wieder vollständig aufzunehmen.

Durch Dekret vom 9. April wurden die Schulverwalterinnen Frl. Maria Nover und Frl. Emmy Tugend, mit Wirkung vom Tage ihrer Ernennung, an unsrer Schufe als Lehrerinnen endgültig angestellt.

Mit Genehmigung Großh. Ministeriums traten am 20. April Herr Lehramtsassessor Ludwig Zerbes als Volontär und Frl. Elisabeth Köhm als Hospitantin in den Lehrkörper der Schule ein.

Der von der städtischen Verwaltung am 29. April in der Mainzer Liedertafel veranstaltete Vortrag der Frau von Nettelbladt über Gasverbrauch wurde auch diesmal wieder von den Frauenschülerinnen sowie von den Klassen lhab und 3c besucht.

Am 14. Mai hatten wir die Ehre, Herrn Geh. Oberschulrat Block bei uns zu sehen; sein Besuch galt hauptsächlich der Studienanstalt, in der er mehreren Unterrichtsstunden beiwohnte.

Infolge einer für den Mai außergewöhnlichen Hitze kam es in diesem Monat leider nicht zu dem üblichen Schulausflug; er wurde zunächst verschoben, bis dann die durch den Krieg geschaffenen Verhältnisse seine Ausführung unmöglich machten. Die vorgeschriebenen Klassen- ausflüge dagegen konnten fast sämtlich unternommen werden, während von den freiwilligen Turnfahrten in diesem Jahre Abstand genommen werden mußte.

Außer in den lehrplanmäßigen Turnstunden wurde vom 4. Mai bis zum Ausbruch des Krieges den Klassen 7 abc lab regelmäßig wöchentlich einmal nachmittags zu freiwilligem Bewegungsspiel von 1 ½ stündiger Dauer im Schulhofe Gelegenheit gegeben. In der Regel wurden die Parallelklassen zu einer oder auch zwei Spielgruppen vereinigt. Der Besuch war in den einzelnen Klassen verschieden; im ganzen haben 40% der in Betracht kommenden Schülerinnen an der Spielstunde teilgenommen.

Die Wiederimpfung der 1902 geborenen Schülerinnen fand am 17. Juni statt; ihr schloß sich am 24. Juni die amtlich vorgeschriebene Nachschau an.

Durch Allerhöchstes Dekret vom 20. Juni wurde Herrn Lehramtsassessor Friedrich Obermann die Stelle eines Großherzoglichen Oberlehrers an unserer Schule übertragen.

Zur Kräftigung seiner Gesundheit sah sich der Unterzeichnete genötigt, sich bereits 3 Wochen vor Beginn der Sommerferien beurlauben zu lassen; seine Vertretung für die Dauer seiner Abwesenheit hatte mit Genehmigung Großh. Ministeriums Herr Prof. Dr. Ledroit zu übernehmen die Güte.

Der Hitze wegen mußte den bestehenden Vorschriften gemäß der Unterricht am 23. Mai, 30. Juni, 1., 2., 3., 13. und 14. Juli sowie auch noch einmal am 13. August nach der vierten Unterrichtsstunde ausfallen.

Die glänzenden Waffentaten unsrer ruhmreichen Truppen gaben am 24.(Lunéville) und 28.(Maubeuge) August, am 18. Dezember(Hindenburgs Sieg in Polen) und am 17. Februar (Winterschlacht in Masuren) zum Aussetzen des Unterrichts Anlaß; ihrem Jubel über die Siegesnachrichten verliehen die Schülerinnen jedesmal im Gesang vaterländischer Lieder Ausdruck, nachdem der Unterzeichnete sie zuvor in kurzer Ansprache auf die großen Geschehnisse und deren Folgen aufmerksam gemacht hatte.

Am 25. August wohnte der Direktor, einer Einladung des Bischöflichen Domkapitels folgend, in der hiesigen Domkirche dem Trauergottesdienst für den am 20. August verstorbenen Papst Pius X. bei.