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Im ersten Vierteljahr des Krieges wurde den Herren Prof. Dr. Ledroit, Oberlehrer Rupp, und Lehramtsassessor Dr. Schier das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen; außerdem erhielten die Herren Prof. Dr. Ledroit und Oberlehrer Rupp auch noch die Hessische Tapferkeits-— medaille. Die Herren Rupp, Dr. Schier, Dr. Waas und Petersohn wurden im Laufe des Krieges zu Offizieren befördert.
Durch Verfügung Großh. Ministeriums vom 18. September und vom 9. Oktober wurden die Lehramtsassessoren Zerbes und Dr. Ritter mit der Vertretung der im Felde befindlichen Kollegen Dr. Ledroit und Rupp beauftragt, während Frl. Waltzinger schon gleich nach den Sommerferien in unsrer Hospitantin, Frl. Köhm, einen Ersatz gefunden hatte.
Zu großem Danke sind wir dem ehemaligen Oberlehrer am hiesigen Realgymnasium, Herrn Prof. Dr. August Nies, verpflichtet, der die Liebenswürdigkeit hatte, schon bald nach Ausbruch des Krieges bis zu seiner Erkrankung mehrere Wochen vor Schluß des Schuljahrs seine Dienste in uneigennützigster Weise unsrer Anstalt zur Verfügung zu stellen. In wöchentlich 6 Stunden erteilte er im Seminar und in der Studienanstalt den chemisch-biologischen Unterricht.
Mit Genehmigung Großh. Ministeriums wurde zwischen den Sommer- und den Herbst- ferien der Lehramtsreferendar Dr. Lukas Schwahn in wöchentlich 15 Stunden an unsrer Schule beschäftigt.
Am 30. September konnte die Höhere Mädchenschule auf die ersten 25 Jahre ihres Bestehens zurückblicken. Um der Kriegsnot willen mußte jedoch von jeder festlichen Veran- staltung Abstand genommen werden. Nur der Lehrkörper der Schule versammelte sich bereits am 29. September nach Schluß des Vormittagsunterrichts zu einer kurzen Sitzung, worin der Unter- zeichnete unter Hinweis auf die Bedeutung des folgenden Tages vor allem derer gedachte, die nun schon 25 Jahre lang im Dienste der Mainzer Höheren Mädchenschule tätig sind— es sind dies die Herren Dr. Ledroit, Heeß, Müller sowie die Damen Frl. Binder, Nauheimer und Frau Mayr— und ihnen nicht nur in seinem eignen und in der Schule Namen, sondern auch im Auftrage Grofßh. Ministeriums sowie des Kuratoriums und der städtischen Verwaltung für ihre 25 jährige treue und ersprießliche Arbeit an der weiblichen Jugend unsrer Vaterstadt herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung widmete. Am 30. September fiel dann der Unterricht aus. Die auf Wunsch des Kuratoriums von dem Unterzeichneten abgefaßte Denkschrift konnte infolge des Krieges nicht rechtzeitig fertiggestellt werden; nunmehr wird sie gleichzeitig mit diesem Jahresbericht der Oeffentlichkeit übergeben.
Mit Beginn des Winterhalbjahrs trat eine neue Unterrichtsverteilung in Kraft, die zwischen S. 6 und S. 7 unsres Berichtes abgedruckt ist. Die Mehrzahl der Unterrichtsstunden des Herrn Reallehrers Gleiser übernahm während dessen Einberufung und späterer Erkrankung bis zum Beginne der Weihnachtsferien Frl. Margarete Fleck.
Die Schulfeier am 25. November fand diesmal ebenso wie die am 27. Januar im engsten Kreise statt. Festredner waren die Herren Prof. Dr. Seitz und Lehramtsassessor Dr. Ritter. Ersterer sprach über„Deutschlands Opferwilligkeit im Kriege von 1914“, letzterer über„Kaiser Wilhelm II. als Vorbild eines festen Willens und treuer Pflichterfüllung“. — Am 13. Januar beehrte Herr Geh. Oberschulrat Block die Schule mit seinem Besuche.
Die schriftliche Prüfung der SI fand am 26. 28. 29. und 30. Januar statt, die mündliche am 26. Februar unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Oberschulrats Block, der auch am 24. Februar zu den Lehrproben sowie Tags darauf zu der mündlichen Prüfung der P-Klasse erschienen war. Die Religionsprüfungen der SI beehrten die Herren Prälat Euler und Domkapitular May mit ihrer Anwesenheit. Befreit von der mündlichen Prüfung waren 4 Schülerinnen der P-Klasse und 7 von SI. Sämtliche junge Damen konnten am Schluß beider Prüfungen für bestanden erklärt werden.


