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IV. Zur Geschichte der Schule.
Der weitaus größere Teil des abgelaufenen Schuljahrs stand unter dem Zeichen des dem deutschen Volke von seinen Feinden aufgezwungenen Krieges. Wie überall, so machten seine Folgen sich auch an unsrer Anstalt von Anfang an empfindlich bemerkbar, zunächst durch die Einberufung von 6 unsrer Berufsgenossen(Ledroit, Waas, Rupp, Petersohn, Obermann, Schiey), denen sich nach den Herbstferien noch als 7. Herr Reallehrer Gleiser zugesellte. Doch mußte dieser aus Gesundheitsrücksichten schon am 1. Dezember den Müüitärdienst wieder aufgeben. Auch der Schuldiener und der Hilfsschuldiener folgten schon in den ersten Kriegswochen dem Rufe zur Fahne. Von unsren Lehrerinnen wurde Fräulein Elisabeth Waltzinger von Großh. Ministerium zum Zwecke der Verwundetenpflege im Dienste des Roten Kreuzes für die Dauer des Krieges von vornherein beurlaubt, die übrigen beteiligten sich mit regem Eifer an den verschiedenen vaterländischen Unternehmungen, wie sie zur Steuerung der durch den Krieg verursachten Not auch in unsrer Stadt rasch ins Leben getreten waren; und auch von den Schülerinnen der Oberklassen, von den Seminaristinnen, Frauenschülerinnen und den Schülerinnen der Studienanstalt stellte ein großer Teil voll jugendlicher Begeisterung dem Vaterlande seine Kräfte zur Verfügung. Namentlich kam das bisher leider nur oft mit einer gewissen Geringschätzung behandelte Stricken bei unsren Mädchen wieder zu Ehren, indem von ihnen nicht nur im Handarbeitsunterricht, sondern auch in der schulfreien Zeit die meist vom Roten Kreuz gelieferte Wolle zu Nutz und Frommen unsrer im Felde stehenden Soldaten verarbeitet wurde.— Daß unter solchen Umständen in den ersten Wochen nach Ausbruch des Krieges namentlich im Oberbau der Schule, wo der Mangel an akademisch gebildeten Lehrern besonders störend empfunden wurde, von einem geordneten Unterrichtsbetrieb keine Rede sein konnte, liegt auf der Hand. Erst allmählich wurde für die einberufenen Lehrkräfte der geeignete Ersatz gefunden, der es ermöglichte, wenigstens vom Beginn des Winterhalbjahrs an den Unterricht— abgesehen von einigen unbedeutenden Abweichungen— wieder lehrplanmäßig zu gestalten. Aber auch in der zweiten Hälfte des Schuljahrs beschäftigten neben gewissenhafter Berufsarbeit der Gedanke an die Not des Vaterlandes sowie der Wunsch, zu deren Linderung auch etwas beizutragen, unausgesetzt nicht nur die Mitglieder des Kollegiums, sondern auch die Schülerinnen sämtlicher Altersstufen. Die umfangreiche Weihnachtssendung an unsre im Felde befindlichen Berufs- genossen, die Geldsammlung für den Ankauf von Sanitätshunden, der Vertrieb des „Weltkriegs““, einer vom Hilfsverein deutscher Frauen herausgegebenen, zeitlich geordneten Zusammenstellung der wichtigsten Kriegsereignisse, die Spende zur Unterstützung des Roten Halbmonds, die Verteilung eines vom Verein Mainzer Lehrerinnen uns zugestellten, die Schülerinnen zur Sparsamkeit, Genügsamkeit und Pflichttreue mahnenden Merkblatts, die Anleitung unsrer Schülerinnen, durch Beeinflussung ihrer Eltern und sonstigen Angehörigen zur Vergrößerung des Goldbestandes der Reichsbank beizutragen— alles dies möge als Beweis dienen für die Richtigkeit unsrer Behauptung.
Inzwischen sind wir am Ende des Schuljahrs angelangt, und noch ist der Kampf um Sein oder Nichtsein unsres Volkes nicht beendigt. Groß sind die Opfer, die das gewaltige Völkerringen bereits von uns gefordert hat und noch fast täglich fordert. Um so dankbarer empfinden wir es, daß unser Lehrkörper bis dahin noch keine Verluste zu beklagen hat. Möge er auch fernerhin vor solchen gnädig bewahrt bleiben, und möge unsren wackeren Amtsgenossen, die draußen für uns streiten, fröhliche Heimkehr und freudige Wiederaufnahme ihrer Berufs- tätigkeit recht bald beschieden sein!


