Jahrgang 
1913
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Indessen schritt sein Geist gewaltig fort ins Ewige des Wahren, Guten, Schönen, und hinter ihm, in wesenlosem Scheine, lag, was uns alle bändigt, das Gemeine. Neben der ihm reichlich zugemessenen Berufstätigkeit fand der Entschlafene doch noch Zeit zu rastloser Arbeit an seiner wissenschaftlichen, sittlichen und religiösen Weiterbildung. Das Studium philosophischer Werke und theologischer Fragen bildete nächst der Erholung, die er im Schosse seiner Familie fand, seine Lieblingsbeschäftigung. Wir aber, die wir seine unausgesetzte Arbeit an sich selbst, seine Entwicklung zu immer grösserer geistigen Reife teilnahmsvoll verfolgen durften wir freuten uns des wackeren Mannes und seines Werdegangs; wir schätzten in ihm den gründlichen, sachkundigen, vom reinsten Idealismus beseelten Gelehrten, den zuvorkommenden, liebenswürdigen Rollegen, vor allem aber den offenen, graden, treuherzigen den durch und durch vornehmen und ehrenhaften Charakter. So bleibt er uns! So wird er uns und seinen vielen Schülerinnen, wo und so oft man sich seiner nur immer erinnern wird, stets lebhaft vor die Seele treten. Alsanima candida, jacandidissima wird er in aller Erinnerung weiterleben. Zahlreiche Kranzspenden, darunter die des Kollegiums, des Seminars, der Frauenschule und einzelner Schulklassen, legten ein beredtes Zeugnis ab für die Beliebtheit und die Verehrung,

deren sich Herr Dr. Wimmenauer allenthalben erfreute.

Die wissenschaftliche Prüfung der SI fand am 18. Februar mit dem mündlichen Examen unter dem Vorsitz des Herrn Geh. Oberschulrat Block ihren Abschluss. Die Herren Superintendent Euler sowie Prälat Domdekan Dr. Selbst wohnten den Religionsprüfungen bei. Von den Mit- gliedern des Kuratoriums beehrte Herr Professor Uebel die Prüfung vorübergehend mit seiner Anwesenheit. Sämtliche junge Damen haben ihr Ziel erreicht; 8 von ihnen konnten auf Grund ihrer gediegenen Jahresleistungen und ihrer guten schriftlichen Arbeiten von der Teilnahme an der mündlichen Prüfung befreit werden. Die Lehrproben der P-Klasse wurden am 20. Februar abgehalten; ihnen schloss sich am folgenden Tag die mündliche Prüfung in Pädagogik und in der Methodik der einzelnen Unterrichtsfächer an. An beiden Tagen führte abermals Herr Geh. Oberschulrat Block den Vorsitz. Mit dem Bestehen dieser Fachprüfung haben die 15 Semi- naristinnen, die sich ihr unterzogen haben, die Lehrbefähigung für Höhere Mädchenschulen erlangt; bei 2 von ihnen war Befreiung von der mündlichen Prüfung eingetreten.

Wegen ernstlicherer Erkrankung mussten Herr Reallehrer Degreif sowie die Lehrerinnen Frl. Nauheimer, H. Klein, Bommes und Frau Mayr im Laufe des Schuljahres einmal längere Zeit ihren Unterricht aussetzen; im übrigen war der Gesundheitszustand des Kollegiums zufriedenstellend.

Der Schluss des Schuljahres fällt auf den 15. März.