Jahrgang 
1913
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er am Gymnasium und der Oberrealschule zu Worms, war aber vom 1. Kugust bis 24. September mit der Verwaltung einer Lehrerstelle daselbst beauftragt. Nachdem er vom 1. Oktober 1904 1905 seiner Militärpflicht genügt hatte, wurde er an der Realschule zu Gernsheim verwandt. Dort wurde er am 1. April 1906 zum Lehramtsassessor und am 1. Oktober des gleichen Jahres zum Oberlehrer befördert. Mit Wirkung vom 1. Januar 1907 wurde er durch Allerhöchstes Dekret an die Realschule, spätere Oberrealschule zu Alsfeld berufen, wo er bis zum 16. Kpril 1912 verblieb, an welchem Tage er an die Höhere Mädchenschule und das Lehrerinnenseminar zu Mainz versetzt wurde.

In der Nacht vom 1. auf den 2. Mai war im Befinden von Fräulein N. Klein unerwartet eine Wendung zum Schlimmeren eingetreten, und der Morgen des 3. Mai brachte uns die Trauerbotschaft, dass unsere dienstälteste Lehrerin gegen 9 ½ Uhr vormittags verschieden sei. Am 4. Mai, morgens um 10 Uhr der Unterricht fiel an diesem Tage aus fand die Be- erdigung statt; sämtliche Lehrer und Lehrerinnen der Anstalt beteiligten sich daran, ebenso die Klassen 1b, 5 b und 6 b, in denen die Verstorbene im Jahre zuvor unterrichtet hatte, sowie viele Schülerinnen aus anderen Klassen und die Seminaristinnen. Auf dem Friedhofe legte der Unter- zeichnete im Namen des trauernden Kollegiums am Sarge einen Kranz nieder, wobei er eine kurze Ansprache hielt, der hier folgendes entnommen sei:

Geboren am 8. Oktober 1852 zu Mainz als Kind einer Lehrerfamilie ihr Vater war der durch seine Mainzer Lokalgeschichtsforschung auch in weiteren Kreisen bekannte Gymnasialprofessor Karl Klein und vorgebildet in den ehemaligen hiesigen Instituten Lemmens und Brecher, hatte Fräulein N. RKlein auf der Ecole normale zu Visé in Belgien sich die erforderliche Berufsbildung erworben und hierauf am 21. Hpril 1875 in Darmstadt die Staatsprülung für Lehrerinnen an höheren Schulen abgelegt. Alsdann war sie 16 Jahre lang in dem Privatinstitut ihrer Schwester Eva tätig, und als dieses 1880 gleichzeitig mit der Gründung der Höheren Mädchenschule einging, traten beide Schwestern in den Dienst dieser Instalt über. Damit begann der letzte Abschnitt der reichgesegneten Wirksamkeit unserer Entschlafenen. Ein weites Arbeitsfeld tat sich nun vor ihr auf, und meisterhaft gelang es ihr, es zu bebauen. Selbst ausgerüstet mit einem umfangreichen Wissen, verstand sie es, die Schülerinnen der Oberklassen, in denen sie seit 1900 vorzugsweise beschäftigt war, für alles Schöne, Wahre und Gute zu begeistern und in ihnen einen sicheren Grund zu legen, auf dem sie später, nach der Schulzeit, mit Erfolg weiterbauen konnten. Hervorragend war dabei ihr erziehlicher Einfluss auf die ihr anvertraute weibliche Jugend. Ihre tiefe Religiosität, ein Grundzug ihres Wesens, ihr sicherer Takt auch in den schwierigsten Lagen des Schullebens, ihr echt mütterlicher Sinn ihren Schülerinnen gegenüber, ihre vornehme Denkungsart, ihr durch nichts zu erschütterndes Wohlwollen und nicht zum mindesten ihr ruhiges, stets sich gleichbleibendes, abgeklärtes Verhalten im Verkehr mit den zu Jungfrauen heranwachsenden Mädchen alle diese Eigenschaften befähigten sie in hohem Grade für den Beruf einer Lehrerin, einer Erzieherin und sicherten ihren Bemühungen die schönsten Erfolge. Im Verkehr mit ihren RKollegen und Kolleginnen stets liebenswürdig und entgegenkommend, war Fräulein Nina Klein zugleich ein hochgeschätztes Mitglied unseres Lehrkörpers, der den Verlust, von dem er mit ihrem Tode betroffen wurde, nur schwer verschmerzen wird. Der Dank und die Anhänglichkeit ihrer ehemaligen Schülerinnen sowie die Verehrung und Hochachtung ihrer trauernden Berufsgenossen und-genossinnen folgen ihr über das Grab hinaus nach.

Herr Geh. Oberschulrat Block beehrte am 5. Mai sowie am 26. und 29. Juni die Anstalt mit seinem Besuche, wobei er dem Unterricht in der P-Klasse und in FI sowie dem neu ein- geführten Werkunterricht in der 10. Klasse seine besondere Aufmerksamkeit zuwandte.

Am 14. Mai fand der allgemeine Schulausflug statt. Seminar und Frauenschule besuchten Königstein im Taunus und dessen herrliche Umgebung; für die Klassen labc bildete der Grosse Feldberg, für 2abc und 3abc die Bergstrasse(Jugenheim, Melibokus, Auerbach) das Ziel der Tagesfahrt. Die übrigen Klassen machten nur einen Morgenspaziergang in der näheren und weiteren Umgegend von Mainz, zum Teil mit Benutzung der Eisenbahn.

Mit Rücksicht auf seine etwas angegriffene Gesundheit liess sich der Unterzeichnete vom 19. 25. Mai sowie vom 4.17. Juli beurlauben; während dieser Zeit- besorgte Herr Professor Dr. Ledroit die laufenden Dienstgeschäfte.