Jahrgang 
1913
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Schulnachrichten.

I. Zur Geschichte der Schule.

Das Schuljahr 1912/13 begann am 15. April mit einer Sitzung des Lehrerrats; im An- schluss daran fanden die Aufnahmeprüfungen statt.

Fräulein Nina Klein, seit etwa 14 Tagen vor Ablauf des vorigen Schuljahrs krank- heitshalber beurlaubt, konnte auch nach den Osterferien ihren Dienst noch nicht wieder auf- nehmen; mehrere Mitglieder des Kollegiums teilten sich in ihre Unterrichtsstunden. Auch Fräulein Mathilde Weiffenbach, seit dem 9. März d. J. aufs neue schwer erkrankt, mußte noch weiterhin beurlaubt werden; auf Antrag des Kuratoriums wurde die Lehramtsaspirantin Fräulein Antonie Thesing aus Darmstadt(vergl. S. 5 des Jahresberichts 1911/12) von Großh. Ministerium mit ihrer Stellvertretung betraut.

Zu Beginn des Berichtsjahres erhielt das Seminar seinen Abschluss durch Errichtung der P-Klasse, und dem Unterkurs der Frauenschule wurde ein Oberkurs(Fl) aufgesetzt. Im Zusammen- hange damit stand die Anstellung von zwei weiteren Oberlehrern: der Herren Professor Dr. Hans Reis aus Mainz und Oberlehrer Philipp Rupp aus Alsfeld.

Hans Reis, geboren am 27. September 1867 zu Mainz, besuchte zuerst drei Jahre das Schar- vogelsche Institut und alsdann das Gymnasium zu Mainz; hier erhielt er Ostern 1886 das Reifezeugnis. Er widmete sich dann dem Studium der Germanistik, der Geschichte und der Erdkunde an den Uni- versitäten zu Heidelberg, Freiburg(Baden), Berlin und Giessen, bestand im Frühjahr 1891 die Staats- prüfung an der Landesuniversität und erwarb sich im September desselben Jahres daselbst auch die Doktorwürde. Den pädagogischen Norbereitungsdienst erledigte er am Pädagogischen Seminar des Grossherzoglichen Neuen Gymnasiums zu Darmstadt. Nach Hblauf des Seminarjahrs war er an einer Privatschule in Darmstadt beschäftigt, und von Ostern 1894 bis zum Sommer 1897 verwaltete er eine Lehrerstelle an der Höheren Bürgerschule zu Dieburg. Kuf seine Veranlassung hin wurde er dann beurlaubt, um sich wissenschaftlichen Studien auf dem Gebiete der Germanistik zu widmen. Im September 18900 wurde ihm eine Lehrerstelle an dem Gymnasium zu Mainz übertragen, und am 7. Dezember 18900 wurde er daselbst zum Oberlehrer ernannt. Bei der Trennung des Mainzer Gym- nasiums am 1. Oktober 1900 in ein Herbst- und ein Ostergymnasium wurde er dem Ostergymnasium zugewiesen. Am 1. Dezember 1908 erhielt er den Charakter als Professor. Durch Allerhöchste Ent- schliessung wurde er mit Wirkung vom 1. HKpril 1912 zum Oberlehrer an der Höheren Mädchenschule und dem Lehrerinnenseminar zu Mainz ernannt.

Philipp Rupp, geboren am 29. Oktober 1878 in Worms, trat Ostern 1885 in die Vorschule, Ostern 1880 aber in die Sexta des Grossherzoglichen Gymnasiums zu Worms ein und verliess diese Anstalt Ostern 1800 mit dem Zeugnis der Reiſe für den Universitätsbesuch. Nunmehr widmete er sich dem Studium der Chemie, der beschreibenden Naturwissenschaften und der Physik, um im Februar 1905 an der Landesuniversität Giessen die Prüfung für das höhere Lehramt zu bestehen. Von Ostern 19005 1904 war er als Lehramtsreferendar und Mitglied des pädagogischen Seminars am Neuen Gymnasium zu Darmstadt beschäftigt. Die erste Hälfte des zweiten Vorbereitungsdienstjahres verbrachte