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Den Grundstock unseres umfangreichen Schulorganismus wird nach wie vor die zehn- stufige Höhere Mädchenschule bilden Die Schule ist eine Doppelanstalt, d. h. neben den A-Klassen laufen ebensoviele parallele Jahreskurse als B-Klassen her. Beide Klassensysteme werden nach demselben Lehrplan unterrichtet.— Ausserdem besitzt die Schule noch die C-Klassen (c— 3°), auch einsprachige Parallelklassen genannt. Sie werden auch in Zukunft nach einem auf nur achtjährigen Schulbesuch berechneten und durch ministerielle Verfügung vom 4. XII. 1997 genehmigten Lehrplan unterrichtet werden. Die Vorzüge dieser Einrichtung liegen darin, dass in den C-Klassen die schon mit dem 14. Lebensjahr austretenden Mädchen eine abgeschlossenere Ausbildung erhalten, als in den A- und B-Klassen, weil hier auf das achte noch zwei weitere Schuljahre folgen, während dort mit der erfüllten Schulpflicht auch die Schulzeit schon zu Ende ist. W9egfall des Englischen und der im Reformplan vorgesehenen Geometrie und Algebra einer- seits, dafür aber eine durch die Bedürfnisse des praktischen Lebens gebotene stärkere Betonung des Französischen und des Rechnens andrerseits sind neben einem etwas herabgesetzten Schul- geldbetrag die wesentlichsten Unterscheidungsmerkmale der C-Klassen.— Die Vorschule(Kl. 10, 9 und 8) bildet den gemeinsamen Unterbau Schülerinnen, welche die Anstalt nur bis zum 14. Lebensjahr besuchen sollen, treten mit Beginn des vierten Schuljahres am besten in das acht- stufige Klassensystem(= Kl. 7) über.
Angegliedert ist der zehnstufigen Anstalt ein Seminar für zukünftige Lehrerinnen an Höheren Mädchenschulen. Es umfasst vier Jahreskurse, von denen, wie schon der vorige Jahres- bericht besagt, die drei ersten der allgemeinen Bildung, der vierte aber wesentlich der theoretischen und praktischen Pädagogik und Didaktik und der Vorbereitung für das Lehramt gewidmet sind.
Mit Genehmigung Grossherzoglichen Ministeriums soll bereits zu Beginn des nächsten Schuljahres ein wahlfreier Lateinkurs an unserer Anstalt eingerichtet werden. Er wird den Eintritt in die OIl des Realgymnasiums ermöglichen, der indes von dem Ausfall einer Aufnahme- prüfung abhängig gemacht werden soll. Der Besuch dieses Lateinkurses ist zunächst solchen Mädchen zu empfehlen, die sich später einem akademischen Studium widmen wollen; sodann aber auch den zukünftigen Seminaristinnen bezw. Lehrerinnen, wie endlich allen den Schülerinnen, denen das Lernen leicht fällt, und die, ohne eine bestimmte Berufsbildung im Auge zu haben, gern die Gelegenheit ergreifen, auf einem Gebiete sich umzusehen, das auch der gebildeten Frau und Jungfrau nicht länger mehr völlig unbekannt bleiben sollte.
Auch die Angliederung einer Frauenschule wurde von uns bereits in Erwägung ge- zogen. Doch sind darüber noch keine endgiltigen Beschlüsse gefasst. Sie würde an Stelle der bisherigen Selekta treten, die als eine nicht mehr zeitgemässe Einrichtung mit dem Schlusse dieses Schuljahres eingehen wird
Soviel über die Organisation der Schule; bezüglich der Lehrpläne, denen wir uns nun- mehr zuwenden, können wir heute etwa folgendes mitteilen:
In der zehnstufigen Höheren Mädchenschule wurde der Unterricht bisher nach dem durch ministerielle Verfügung vom 19 März 1900 genehmigten Lehrplan erteilt Dieser liegt im Drucke vor und darf daher als bekannt vorausgesetzt werden Auch fernerhin würde er wohl ziemlich unverändert beibehalten worden sein, wenn nicht durch die allgemeine Reformbewegung dem gesamten höheren Mädchenschulwesen bedeutend höhere Ziele gesteckt worden wären. Unsere Reformpläne können nun gewissermassen als eine neue, allerdings bedeutend umgearbeitete Auflage der Lehrpläne vom 19. März 1900 angesehen werden Die verhältnismässig gering- fügigsten Aenderungen haben die Pläne für Religion, Deutsch und die beiden fremden Sprachen erfahren, nächstdem die für Geographie und Gesang. Neu dagegen ist die Ein- führung der Mathematik in den Klassen 4—1 Damit aber auch das Rechnen nicht zu kurz komme, soll dieses in den Klassen 7—5 fortan mit je 5 Wochenstunden bedacht werden, und


