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Entschlafenen einen Kranz niederlegen liess, wohnte ausser dem Unterzeichneten nur noch Herr Rektor Heess der Trauerfeier bei. Eine Würdigung des seiner Gemeinde und also auch den evangelischen Schülerinnen unsrer Anstalt leider so frühe entrissenen Geistlichen kann nicht Aufgabe unseres Jahres- berichts sein, zumal da eine solche von berufenerer Seite an anderer Stelle bereits erfolgt ist. Wer den warmherzigen Lehrer und treuen Freund unsrer Jugend gekannt, der wird ihm gewiss ein ehrendes Andenken bewahren.— Seinen Unterricht hat mit Genehmigung Grossherzoglichen Ministeriums vom 9. Januar Herr Divisionspfarrer Haepp bis auf weiteres zu übernehmen die Güte gehabt.
Die Klasse Sa hatte am 31. Januar den Tod einer ihrer Schülerinnen zu beklagen. Nach vier- wöchiger schwerer Krankheit starb Frieda Günther im 10. Lebensjahre. Auch in diesem Falle mussten die Mitschülerinnen von einer Begleitung der Leiche zur letzten Ruhestätte absehen und sich mit einer Kranzspende begügen.
Auf Befehl Sr. Königlichen Hoheit des Grossherzogs fiel am 2. Februar aus Anlass der Aller- höchsten Vermählungsfeier der Unterricht aus.
Die Zulassung zur diesjährigen Entlassungsprüfung wurde von der obersten Schulbehörde sämtlichen Schülerinnen der I. Seminarklasse— 10 an der Zahl— auf ihr Nachsuchen hin gewährt. Die schriftlichen Arbeiten wurden zwischen dem 27. Februar und 2. März angefertigt; die Turn- und Zeichenprüfung fand am 23. März statt. Für die mündliche Prüfung ist der 28. März in Aussicht ge- nommen. Das Endergebnis können wir erst im nächsten Jahresberichte veröffentlichen.
Der Gesundheitszustand des Kollegiums liess im abgelaufenen Schuljahre viel zu wünschen übrig. Zunächst war Frl. Goertz von Ostern bis Pfingsten durch Krankheit ihrer Berufstätigkeit entzogen. Dann musste Herr Pfarrer Vogt vom 13. Juli bis zum 6. August aus Gesundheitsrücksichten beurlaubt werden. Seine Stelle vertrat während dieser Zeit in dankenswerter Weise Herr Pfarrassistent Schuster. Bald nach den Herbstferien erkrankte Fräulein Walther und konnte erst am 28. November ihre volle Stundenzahl wieder übernehmen.— Am empfindlichsten machte sich die infolge hochgradiger Nervosität zur Notwendigkeit gewordene Beurlaubung des Herrn Oberlehrer Reuter bemerkbar. Sie begann am 29. Oktober und erstreckte sich bis zum Schlusse des Schuljahres. Da eine so lange andauernde Vertretung von dem Kollegium allein unmöglich geleistet werden konnte, so mussten wir uns nach einem geeigneten Ersatze umsehen. Diesen fanden wir in den dem hiesigen Gymnasial- bez. Realgymnasialkollegium angehörigen Herrn Professoren Dr. Jung, Klassert, Dr. Reeb, Dr. Jäger und Dr. Beck, welche mit Genehmigung der obersten Schulbehörde durch Übernahme von je 2—3 Stunden im Seminar und in den beiden ersten Schulklassen uns aus der Verlegenheit zu helfen die Güte hatten. Im übrigen hatte die Vertretung des Herrn Oberlehrer Reuter noch einige Verschiebungen in der Unterrichtsverteilung im Gefolge, die wir jedoch auf S. 14 unseres Jahresberichts nicht weiter berücksichtigt haben.
Auch im abgelaufenen Schuljahre wurden unserer Anstalt wieder mancherlei Geschenke zu teil, für die wir uns den gütigen Spendern gegenüber zu aufrichtigem Danke verpflichtet fühlen. Insbesondere schulden wir solchen der Schulabteilung Grossherzoglichen Ministeriums für gütige Zuwendung von 10 Exemplaren der Festschrift zur Erinnerung an den Höchstseligen Grossherzog Ludwig IV., sowie ferner für Verleihung des Werkes„Bemerkenswerte Bäume im Grossherzogtum Hessen in Wort und Bild“.— Dass unsere Kasse für unterstützungsbedürftige Schülerinnen auch in diesem Berichtsjahre wieder 200 Mark vereinnehmen durfte, ist das Verdienst der hiesigen Loge„Die Freunde zur Eintracht“; auch ihr sei an dieser Stelle nochmals besonders Dank gesagt.
Nach der durch Anordnung der obersten Schulbehörde geregelten Ferienordnung haben die Ferien des Schuljahres 1905/06 folgende Lage:
Pfingstferien: vom 11. bis 19. Juni;
Herbstferien: vom 13. August bis zum 18. September; Weihnachtsferien: vom 21. Dezember bis zum 4. Januar 1906; Osterferien: vom 1. bis 22. April 1906.


