Jahrgang 
1897
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II. Schulnachrichten.

A. Kuratorium.

1. Oberbürgermeister Dr. H. Gassner, Vorsitzender. 2. Geh. Commerzienrat St. K. Michel.

3. Professor Dr. J. Stigell.

4. J. Schlenger.

5. Dr. F. Roemheld, Direktor.

Sitzungen fanden statt:

1. am 11. Juni, ¹ 2. 12. September,] 1896. 3. 19. Januar 1897.

B. Zur Geschichte der Schule.

Aus dem vorigen Schuljahre ist an dieser Stelle die Abberufung des Herrn Jakob Dieterich nach- träglich zu erwähnen, der durch höchstes Dekret vom 29. Februar 1896 zum Lehrer an dem Gross- herzoglichen Schullehrerseminar zu Alzey ernannt wurde. Die Anhänglichkeit seiner Schülerinnen sowie die Achtung seiner Kollegen und Kolleginnen verstand er sich während seiner mehrjährigen Wirksamkeit an unserer Anstalt in hohem Grade zu erwerben, weshalb er stets bei uns in gutem Andenken bleiben wird.

Während der Osterferien hatten wir den Verlust einer lieben Schülerin zu beklagen, der Anna Mayer aus Klasse 2, welche am 29. März durch einen sanften Tod von schwerem, beinahe ein- jährigem Leiden erlöst wurde. Ihre Mitschülerinnen unter Leitung ihres Klassenführers sowie der Unterzeichnete mit einigen Lehrern erwiesen am 31. März v. J. der Entschlafenen die letzte Ehre; ein Kranz, auf dem Sarge niedergelegt, zeugte von der grossen Beliebtheit, deren sie sich bei ihren Altersgenossinnen erfreute.

Mit Beginn des neuen Schuljahrs traten an Stelle der ausgeschiedenen zunächst zwei neue Lehrkräfte bei uns ein, Frl. Klara Birnbaum und Frl. Karoline Lips.

Klara Birnbaum, Tochter des verstorbenen Grossherzoglichen Professors Dr. med. Friedrich Birnbaum, geb. zu Giessen am 12. Juni 1869, bestand nach Besuch der höheren Mädchenschule ihrer Vaterstadt sowie des Instituts Marienwerth bei Aachen ſim Oktober 1887 in Coblenz das höhere Lehrerinnenexamen. Dann unter- richtete sie ein Jahr lang an einer höheren Mädchenschule in Köln und nach Ablauf desselben bis Ostern 1892 in Giessen am Institut der Frl. Dickoré, worauf sie sich zur Vervollkommnung ihrer Sprachkenntnisse zuerst ein halbes Jahr in Belgien, dann ein Jahr lang in England aufhielt, bis sie im Herbst 1893 die Stelle einer Erzieherin in Frankreich annahm. Infolge ministerieller Verfügung vom 10. März 1896 gab sie diese Stelle auf, um in unserer Schule provisorisch verwandt zu werden.

Karoline Lips, Tochter des verstorbenen Grossherzoglichen Gymnasialprofessors Konrad Lips, zuletzt in Darmstadt, geb. zu Giessen am 18. Dezember 1862, erhielt nach Besuch der InstituteReineck undLanz zu Darmstadt ihre Vorbildung in dem dortigen Lehrerinnenseminar, an dem sie im März 1881 die Prüfung für das höhere Lehrfach ablegte. Von Oktober 1881 bis April 1884 war sie am Institut der Frl. Kirschbaum zu Darmstadt thätig; von da an bekleidete sie in Süd-Wales die Stelle einer Erzieherin, aus der sie erst kurz vor ihrer provisorischen Verwendung in Mainz(Verfügung vom 7. April 1896) ausschied.