Jahrgang 
1897
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Die Teilung der 2. Klasse machte die Berufung einer dritten Lehrkraft, des Herrn Becker, zur Notwendigkeit.

Ernst Becker, geb. am 29. Juli 1869 zu Rossdorf, besuchte erst die Volksschule seines Heimatsortes, dann die Realschule zu Darmstadt, die er nach Erlangung des Einjährigen-Zeugnisses verliess, um von Ostern 1888 ab dem Grossherzoglichen Lehrerseminar zu Alzey anzugehören, von wo aus er nach bestandener Prüfung im Frühjahre 1891 nach Pfungstadt ging, um daselbst die Stelle eines Schulverwalters zu übernehmen. Die Definitorialprüfung bestand er am 17. April 1893; seiner Militärpflicht genügte er mit einigen mehrwöchigen Uebungen. Seit dem 7. April 1896 ist er infolge ministerieller Verfügung bei uns mit der provisorischen Verwaltung einer Lehrerstelle betraut.

Zur Frinnerung an den Abschluss des Frankfurter Friedens vor 25 Jahren unternahmen am 13. Mai sämtliche Klassen Ausflüge, bei welcher Gelegenheit auf die Segnungen des Friedens sowie auf die Bemühungen derer, denen wir sie verdanken, in geeigneter Weise hingewiesen wurde. Von den oberen Klassen, die eine Tagestour machten, fuhr die eine Hälfte(Iab, 2a und 3a) mit der Bahn nach Kreuznach, von wo aus man den Weg nach dem Rheingrafenstein und von da nach der Ebern- burg zu Fuss zurücklegte; die andere Hälfte benutzte die Bahn bis Rüdesheim, ging dann über den Niederwald nach dem Kammerforst und von da, nach Besuch desTeufelskadrich, zurück nach Rüdesheim. Gegen 7 Uhr langten beide Abteilungen mit der Bahn wohlbehalten wieder hier an. Die halbtägigen Spaziergänge der mittleren und unteren Klassen hatten die weitere und nähere Umgebung von Mainz zum Ziele.

Am 13. Juni erfolgte die Impfung der 1882 geborenen Schülerinnen; im Anschluss daran fand die Nachschau am 20. Juni statt.

Wegen allzugrosser Hitze fiel am 15. und 16. Juni sowie am 9, 10. und 21. Juli der Nach- mittagsunterricht aus.

Von den Mitgliedern des Kuratoriums beehrten im Verlaufe des verflossenen Schuljahres einzelne Unterrichtstunden mit ihrem Besuche die Herren: Oberbürgermeister Dr. Gassner(am 24. Juli), Professor Dr. Stigell und Professor Schlenger(am 28. Juli) Am 17. und 18. Dezember sowie am 19., 21. und 22. Januar erfuhr unsere Anstalt eine eingehende Visitation seitens des Herrn Geh. Oberschulrats Soldan; auch Herr Oberschulrat Dr. Eisenhuth wohnte am 22. Januar in mehreren Klassen dem fremdsprachlichen Unterrichte bei. Das Ergebnis der Inspektion, bei der. sämtliche Klassen und beinahe alle Lehrfächer Berücksichtigung fanden, konnte von den genannten Herrn als durchaus befriedigend bezeichnet werden.

Die Feier des Allerhöchsten Geburtsfestes der Grossherzoglichen Herrschaften am 25. November, bei der Herr Schader die Festrede hielt und Herr Professor Dr. Stigell uns mit seiner Gegenwart erfreuté, verlief in hergebrachter Weise. Unsere Kaiserfeier veranstalteten wir mit Genehmigung Grossherzoglichen Ministeriums, weil wir ihr eine etwas grössere Ausdehnung zu geben wünschten, bereits am 26. Januar, nachmittags von 3 Uhr ab. Wir hatten die Ehre, die Herren Oberbürger- meister Dr. Gassner, Geh. Kommerzienrat Michel und Professor Dr. Stigell bei dieser Gelegenheit in unserer Mitte zu sehen Nach dem Vortrage einzelner Gedichte durch Schülerinnen der mittleren Klassen, an den sich die Festrede des Herrn Becker anschloss, führten Mädchen der Oberklassen das FestspielGruss der Städte von Johanna siedler auf, eingeleitet von einem schwungvollen Prologe des Herrn Dr. Ledroit. Für Aufstellung einer Bühne hatte Herr Theatermeister Pricken, für deren Ausschmückung sowie für Beschaffung von Schärpen und Wappenschildern Herr Ludwig Kaiser in uneigennützigster Weise Sorge getragen. Beiden sprechen wir auch an dieser Stelle hierfür unseren verbindlichsten Dank aus. Bei der Einladung zu einer Wiederholung der Deklamationen und des Festspiels am Nachmittage des 30. Januar sahen wir uns durch den Mangel einer Aula leider genötigt, uns auf die Eltern und Angehörigen derjenigen Schülerinnen zu beschränken, die aktiv an der Kaiserfeier beteiligt gewesen.

Zur Erinnerung an den hundertjährigen Geburtstag Kaiser Wilhelms I. wurde am 22. März ein Festaktus abgehalten, wobei der Direktor den unvergesslichen Herrscher und seine Verdienste in kurzen Zügen charakterisierte.

Während des ganzen Schuljahres musste Frl. Erdmann um ihrer geschwächten Gesundheit, willen von einem Teile des Handarbeitsunterrichtes befreit werden; ihre Stellvertreterin war auch diesmal