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Die Impfung der 1883 geborenen Schülerinnen fand am 24. Juni, die Nachschau am 1. Juli statt.
Am 23. Juni verschied, wohl infolge eines Schlaganfalls, im Seebade Norderney, wohin sie sich mit ihren Eltern begeben hatte, eine gleichfalls zu den schönsten Hoffnungen berechtigende Schülerin, Pauline Oppenheimer aus Kl. 8a. Obwohl die Leiche hier bestattet wurde, war auch in diesem Falle das Kollegium, infolge zu später Benachrichtigung, nicht in der Lage, durch persönliche Be- teiligung an der Begräbnisfeier den tiefbetrübten Eltern sein Beileid kundzugeben; nur ein Kranz von den Mitschülerinnen konnte noch rechtzeitig auf dem Sarge niedergelegt werden.
Durch Höchstes Dekret vom 24. Juni wurde die bis dahin provisorische Anstellung von Herrn Schader und Frl. Eva Klein zur definitiven.
Am 30. Juni, 19. und 26. Juli sahen wir uns wegen allzugrosser Hitze zum Aussetzen des Nach- mittagsunterrichts genötigt.
Mit Beginn des Winterhalbjahrs verliess die Hospitantin Frl. Elisabeth Gerlach unsre Anstalt wieder, um in einem hiesigen Privatinstitut Beschäftigung zu finden, nachdem sie von der ihr am 22. Januar 1895 gewordenen Erlaubnis zu hospitieren während des Sommers Gebrauch gemacht hatte. An ihre Stelle ist seit dem 15. November Frl. Marie Schöppler getreten.
Durch ministerielle Verfügung vom 17. September wurde der Pfarrverwalter von Mainz, Herr Karl. Vogt, mit der Erteilung von wöchentlich 4 Stunden evangelischen Religionsunterrichts betraut, für welche seit dem Weggange des Pfarrers Kissinger eine Vertretung eingerichtet war. Seine Einführung erfolgte am 2. Oktober.
Karl Wilhelm Vogt, geb. am 15. Oktober 1864 zu Darmstadt, besuchte 1877— 1884 das Gymnasium zu Giessen, 1884— 1890 die Universitäten Erlangen, Giessen und Greifswald sowie das Predigerseminar zu Friedberg. Nach seiner Ordination auf zwei Jahre beurlaubt war er 1890— 1892 Prediger an der deutschen Stadt- und See- manns-Mission zu London und an der Königl. Grossbritannischen Hofkapelle von St. James Westminster. Nachdem er dann kurze Zeit die Garnisonspfarrei zu Darmstadt verwaltet hatte, war er 1893—1895 Pfarrverwalter zu Beerfelden i. O. und dann in Langen, bis er am 1. Juli 1895 in gleicher Eigenschaft nach Mainz versetzt wurde.
An dem Leichenbegängnis des Herrn Oberbürgermeisters i. P. Dr. Oechsner am 28. September beteiligten sich die Herren des Kollegiums.
Durch Allerhöchstes Dekret vom 5. Oktober wurde der Unterzeichnete zum Direktor der Schule ernannt; am 9. Oktober wurde er von Herrn Geh. Oberschulrat Soldan in sein Amt eingeführt.
Dr. Friedrich Roemheld, geb. zu Gross-Gerau am 24. März 1855, widmete sich, nach dreijährigem Besuche des Ludwig-Georg-Gymnasiums zu Daristadt(1869— 1872), auf der Grossherzoglichen Landesuniversität zu Giessen dem Studium der klassischen Philologie, deutschen Sprache und Geschichte, um dann, nach seinem Staatsexamen (2. März 1877), als Einjährig-Freiwilliger zunächst seiner Militärpflicht zu genügen. Nach achtjähriger Wirksamkeit an dem Gymnasium Fridericianum zu Laubach(1878— 1886) wurde ihm durch Allerhöchstes Dekret vom 5. Mai 1886 eine Lehrerstelle an dem Mainzer Gymnasium übertragen. Am 27. Juni 1894 warde ihm der Professor-Titel verliehen. Den vorgeschriebenen militärischen Dienstleistungen unterzog er sich, wie dies der Schulberuf in den einzelnen Fällen jedesmal gestattete, bis er am 1. April 1894 als Premier-Lieutenant der Landwehr-Infanterie seinen Abschied einreichte. Seit dem 16. November 1894 war ihm, bis zu seiner definitiven Ernennung, die provisorische Leitung der höheren Mädchenschule übertragen.
Durch Allerhöchstes Dekret vom 22. Februar d. J. wurde Kollege Lade als Lehrer an die Gross- herzogliche Realschule zu Darmstadt versetzt; seit dem ersten Tage ihres Bestehens hat er mit grosser Pfliichttreue an unsrer Anstalt gewirkt, die ihm stets ein freundliches Andenken bewahren wird.
Der Gesundheitszustand des Kollegiums sowie der Schülerinnen während des abgelaufenen Schuljahres war im allgemeinen befriedigend; nur musste sich auf ärztliche Anordnung hin die Handarbeitslehrerin Frl. Emilie Erdmann für den grössten Teil des Jahres beurlauben lassen. Ihre Vertretung übernahm Frl. Elise Greifzu. Auch die andre Handarbeitslehrerin, Frau Mayr, sah sich infolge von Scharlach- erkrankung eines ihrer Kinder zu sechswöchigem Aussetzen des Unterrichts genötigt; ihre Stelle versah während dieser Zeit die Hospitantin Frl. Marie Cantor. Durch die achtwöchige Einberufung des Herrn Dr. Ledroit erlitt der Unterricht keine besondere Störung, da sie zum grossen Teil mit den Herbstferien zusammenfel.
Das Allerhöchste Geburtsfest des Grossherzoglichen Paares sowie das Sr. Majestät des Kaisers wurde in herkömmlicher Weise gefeiert. Die Festreden hielten die Kollegen Müller(am 25. Nov.) und Heess


