Jahrgang 
1895
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ausgesprochen für den erfolgreichen Unterricht und die geistigen und künstlerischen Anregungen, die er

während der Zeit seiner Wirksamkeit an ihr den Schülerinnen in reichem Masse zu bieten verstanden hatte.

Anton Pleyer, geboren zu München am 7. Oktober 1864, besuchte anfangs die Volksschule, dann die

Realschule, zuletzt die Kunstgewerbeschule seiner Vaterstadt. Nach Beendigung seiner Studien war er von

1884 1888 im Dienste der Mainzer FirmaGasapparat und Gusswerk als Zeichner thätig, worauf er in

München als Einjährig-Freiwilliger seiner Militärpflicht genügte. Am 1. December 1889 trat er an der hiesigen Kunstgewerbeschule als Hilfslehrer ein, an der er 1891 cine definitive Anstellung erhielt.

Infolge übermässiger Anstrengung im Dienste der Schule liess der Gesundheitszustand des Direktors diesem es als wünschenswert erscheinen, sich bis zur völligen Wiederherstellung seiner Kräfte einen längeren Urlaub zu erbitten. Durch Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums vom 8. November wurde dieser ihm auch gewährt. Mit der Stellvertretung des Direktors ist bis zu dessen Genesung der Grossherzogliche Gymnasiallehrer Professor Dr. Friedrich Roemheld betraut; seine Einführung durch Herrn Geh. Ober- schulrat Soldan in Gegenwart des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Gassner fand am 16. November statt.

Die Schulfeier zu Ehren des Allerhöchsten Geburtsfestes des Grossherzoglichen Paares wurde dies- mal schon am 24. November abgehalten; die Festrede hielt Kollege Bonin; die Herren Oberbürgermeister Dr. Gassner und Beigeordneter Dr. Schmitt beehrten die Feier mit ihrer Anwesenheit.

Am 3. December erlag eine Schülerin der Kl. 4 b, Anna Kalkhof, einem längeren, zuletzt äusserst qualvollen Leiden. Die trauernden Mitschülerinnen, unter Aufsicht ihrer Klassenführerin, erwiesen der allzufrüh Heimgegangenen, die sich einer allgemeinen Beliebtheit erfreute und zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, die letzte Ehre; auch sämtliche Herren des Kollegiums beteiligten sich an der Beerdigung. Schon früher hatte die Anstalt den Verlust zweier durch Fleiss und musterhaftes Betragen sich auszeichnenden Schülerinnen zu beklagen: der Mary Grünert aus Kl. 8a und der Elisabeth Hillebrand aus 5a, von denen erstere am 25. April, letztere am 12. Juli der Diphtherie zum Opfer fiel.

Seit dem 7. Januar erteilt der Kaplan zu St. Emmeran, Herr Eduard Hellmeister, katholischen Religionsunterricht, in wöchentlich 6 Stunden, die bis dahin von Herrn Dr. Seitz gegeben wurden; letzterer hat demnach nur noch 6 Wochenstunden behalten.

Eduard Hellmeister, geboren zu Gau-Algesheim am 20. Juli 1864, besuchte das Gymnasium zu Mainz, worauf er seine theologischen Studien auf den Seminarien zu Eichstätt und Mainz absolvierte. Am 11. August 1889 zum Priester geweiht war er zunächst als Kaplan in Worms thätig, dann als Subrektor am bischöflichen Knabenkonvikt in Bensheim, darauf wieder als Kaplan in Ober-Olm, bis er am 1. März 1894 zum Kaplan zu St. Emmeran in Mainz ernannt wurde.

Am 18. Januar feierte der israelitische Religionslehrer, Herr Dr. Salfeld, sein 25jähriges Dienst- jubiläum, bei welcher Gelegenheit ihm seitens der Direktion die Glückwünsche des Lehrkörpers übermittelt wurden; eine besondere Deputation seiner Schülerinnen gratulierte ihm persönlich in seiner Wohnung.

Die Festrede zu Ehren des Allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Kaisers wurde gelegentlich der bereits für den 26. Januar anberaumten Schulfeier vom Kollegen Kempf gehalten; von den Mitgliedern des Kuratoriums erfreute Herr Prof. Dr. Stigell bei dieser Gelegenheit die Schule mit seiner Gegenwart. Derselbe wohnte am 11. Februar auch dem Unterrichte in mehreren Stunden bei, ebenso Herr Professor Schlenger am 18. Februar.

Das Schuljahr schloss am 30. März.

Das Lehrpersonal wie auch die Schülerinnen erfreuten sich während des letzten Schuljahrs im ganzen eines guten Gesundheitszustandes.

Die Zahl der abgehaltenen Konferenzen belief sich auf 13; ausserdem wurden in einer Anzahl von Klassenkonferenzen die Massregeln zur Verhütung einer Uberbürdung der Schülerinnen festgestellt.

An dem vom Mainzer Gartenbauverein ins Leben gerufenen Schülerinnen-Kursus behufs praktischer Anleitung in der Pflanzenkunde und Pflanzenpflege beteiligte sich auch eine grosse Anzahl von Mädchen unsrer Schule.

Auch im vergangenen Schuljahre wurden der Anstalt wieder mehrere Geschenke zur Vermehrung der Lehrmittelsammlung überwiesen; den gütigen Gebern sei hiermit bestens Dank gesagt.