wendung an dem Gymnasium. Von seinen mehr als vierzig Dienstjahren war fast ein Vierteljahrhundert dem Gymnasium in Nainz gewidmet. Sein stets gründlicher, vorzüglicher Unterricht erstreckte sich auf die alten Sprachen, auf deutsche Literatur, Geschichte und Staatsbürgerkunde. Seine Beschäftigung gerade in diesen Fächern ermöglichte ihm einen außerordentlichen und richtunggebenden Einfluß auf die geistige Haltung der heranwachsenden jungen Menschen kurz vor ihrem Ubergang zur Universität, zur technischen Hochschule oder zu einer sonstigen wichtigeren Stellung in Beruf und Leben. Sein unermüdlicher Arbeitseifer, sein streng wissenschaftliches Streben, seine ungewöhnliche Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue machten auf seine Schüler den nachhaltigsten, auch in den späteren Jahren nie verwischten Eindruck. Seine außerordentliche Arbeits- kraft und Arbeitsfreudigkeit gestatteten Prof. Schrohe, neben der Last seiner unterrichtlichen Tätigkeit und der damit verbundenen fachlichen Weiterbildung, sich auch noch Spezialstudien auf dem Gebiete der heimat- lichen Geschichte und Kunst zu widmen. Ehrenvoll war seine Berufung in die Kommission für die Veröffent- lichung des Kunstdenkmälerwerkes des Volksstaates Hessen. Wurde er doch zum Zwecke der Mitarbeit daran von dem hessischen Ministerium des Innern über vier Jahre lang beurlaubt. Ehrenvoll desgleichen war die auf Antrag der Stadt Mainz erfolgte erneute Beurlaubung auf nochmals eineinhalb Jahre zur Bearbeitung der Veröffentlichung der Mainzer Stadtaufnahmen. Ungemein zahlreich sind die Aufsätze und Abhand- lungen zur Mainzer Geschichte, die Prof. Schrohe in den letzten Jahrzehnten seiner wissenchaftlichen Tätig- keit bei den verschiedensten Gelegenheiten herausgegeben hat. Auch die mannigfachen Beigaben zum Jahres- bericht des Mainzer Gymnasiums, die seiner fleißigen Feder entstammen und die die Geschichte der Stadt NMainz zum Gegenstand haben, auch die diesjährige verdanken wir nochmals seiner anerkannten Forscher- tätigkeit— sind ebenso würdige Zeugen seines wissenschaftlichen Eifers, wie seiner Liebe zur Heimat und deren Geschichte. So erwarb sich Prof. Schrohe bei den Schülern uneingeschränkte Zuneigung und Ver- ehrung, bei den Kollegen unbeschränkte Hochachtung und Wertschätzung. Nur ungern sieht das Gymnasium die durch das Gesetz bedingte zwangsweise Beendigung der amtlichen Tätigkeit dieses trefflichen Mannes.
Seine ungeschwächte geistige und körperliche Kraft berechtigen uns aber dazu, noch auf manches wert- volle Ergebnis seiner privaten Forschungen zu hoffen. Möchten dem hochgeschätzten Kollegen noch viele Jahre voll Frische des Geistes und Gesundheit des Körpers beschieden sein!
Für Herrn Oberstudienrat Prof. Dr. Schrohe übernahm Herr Studienrat Dr. Heinrich Klenk von dem Realgymnasium Mainz 12 Wochenstunden Latein und Griechisch an unserer Anstalt. Bis zum Eintritt des Herrn Dr. Klenk in unseren Lehrkörper versah Herr Prof. Dr. Schrohe in liebenswürdigem Entgegenkommen seinen Dienst bis zum 17. August weiter.
Eine weitere Veränderung in unserer Lehrerschaft trat während der Herbstferien ein. Herr Studienrat Prof. Dr. Ludiwig Lambinet wurde mit Wirkung vom 14. Oktober auf sein Nachsuchen an die Oberrealschule dahier versetzt.
An seiner Stelle wurde uns durch Ernennung vom gleichen Tage Herr Studienrat Johannes Hoops von der Studienanstalt in Mainz überwiesen.
Auf Grund eines Beschlusses des Gesamtministeriums vom 7. Januar 1930 wurde dem Studienassessor Dr. Johannes IIlert die Amtsbezeichnung„Studienrat“ verliehen.
Mit Ablauf der Osterferien dieses Jahres zwingt die Erreichung der gesetzlichen Altersgrenze auch den Hausmeister unserer Anstalt, Herrn Ludwig Schäfer, dazu, aus seinem langversehenen Dienste zu scheiden.
Seit dem 1. Oktober 1898, beinahe zweiunddreißiig Jahre hindurch, hat er mit großer Arbeitsfreude, Ge- schicklichkeit und Gewandtheit seinen besonders in den Wintermonaten nicht leichten Posten verschen. Hlat doch unsere große Schule, in drei den Hof umschließende Gebäude getrennt, keine Sammelheizung, sondern ist mit Einzelöfen ausgestattet, von denen sechsundzwanzig täglich um 5 Uhr in der Frühe bedient und bis zum späten Abend überwacht werden müssen! Herr Schäfer war in der langen Zeit seiner Hausverwaltertätigkeit mit der Anstalt so verwachsen, daß es schwer sein wird, sich das Mainzer Gymnasium vorzustellen, ohne zu- gleich seines Hausmeisters Schäfer zu gedenken.— Am letzten Ferientag überreichte der Direktor im Namen des Lehrkörpers dem Scheidenden zum Zeichen der Anerkennung eine Radierung des Gymnasialerkers von Schwenzer und einige andere Gaben und sprach ihm die besten Wünsche für ein ferneres Wohlergehen aus.
Der Landesjugendtag wurde, da eine gemeinsame Feier sämtlicher Schulen unter den gegenwärtigen Ver- hältnissen im besetzten Mainz nicht möglich ist, von unserer Anstalt am 24. Juni 1929 auf dem Sportplat⸗z des Turnvereins 1817 abgehalten..
Auf dem gleichen Platze wurde von uns am 24. August 1929 der Verfassungstag gefeiert. Die Ansprache hielt der Direktor.
Bei dieser Gelegenheit wurde auch das von der Reichsregierung anläßlich des zehnjährigen Verfassungs- tages für einen besonders würdigen Schüler als Geschenkbuch gestiftete Werk„Deutsche Einheit, deutsche Freiheit“ dem Oberprimaner Ferdinand Lorch von dem Direktor öffentlich übergeben. Ebenso wurde zur Feier des Tages jedem Schüler unserer Anstalt je ein Stück der Festschrift„Reiber-Stock, 10 Jahre deutsche Ver- fassung“ überreicht. 3
Bei der öffentlichen Verfassungsfeier in der Stadthalle(Festredner Herr Rabbiner Dr. Levi) war als Vertreter des Gymnasiums der Direktor anwesend.
Auf Grund einer Einladung des Herrn Reichsminister des Innern zur Teilnahme an den Veranstaltungen, die aus Anlaß der Wiederkehr des 10. Verfassungstages in Berlin stattfanden, konnte auf unseren Vorschlag der Oberprimaner Walter Hasenzahl an den Festlichkeiten in der Reichshauptstadt teilnehmen.
Der Gedenhtag der Gefallenen des Welthrieges wurde am 23. November 1929 in den Räumen der Schule in der üblichen Weise begangen. Die Ansprache hielt Herr Professor Sartorius.
Bei der am 14. Dezember in der Stadthalle abgehaltenen Weihnachtsfeier des Veteranenvereins war als Vertreter der Anstalt Herr Studienrat Dr. Schmid anwesend.
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