Jahrgang 
1928
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IV. Zur Geschichte der Austalt.

as neue Schuljahr begann Montag, den 19. April 1927, mit den Aufnahmeprüfungen. Das Kreis-

D oder Stadtschulamt hatte auf Antrag der Eltern 13 Schüler nach nur dreijährigem Besuch

der Grundschule zur Aufnahme in unsere Anstalt zugelassen. Sie konnten, da sie die vor- geschriebene Prüfung alle mitgut oderSehr gut bestanden, in die Sexta eintreten.

Herr Oberstudienrat Prof. Dr. Schrohe, der auf Antrag der Stadtverwaltung bereits seit einem Jahre zu Forschungen auf dem Gebiete der Mainzer Stadtgeschichte beurlaubt worden war, wurde auf Wunsch des Herrn Oberbürgermeisters zu gleicher Beschäftigung für ein weiteres Halbjahr mit Beurlaubung ausgezeichnet.

Als sein Vertreter verblieb uns für den Unterricht Herr Studienassessor Dr. Hugo Holzapfel; als Oberstudienrat vertrat ihn Herr Prof. Dr. Faust.

Die Gesundheit des seit 28. Juni 1926 erkrankten und beurlaubten Studienrats Herrn Prof. Dr. Schwarz war zu Beginn des neuen Schuljahres noch nicht so gefestigt, daß er seinen Dienst wieder hätte aufnehmen können. Da es den Anschein hatte, als werde er nach einiger weiterer Schonung im Laufe des Sommers dazu imstande sein, gewährte die vorgesetzte Behörde in ent- gegenkommendster Weise eine Urlaubsverlängerung bis zum Ende der Sommerferien. Da sich die Hoffnungen auf gesundheitliche Besserung aber nicht verwirklichten, beantragte Herr Prof. Dr. Schwarz seine Versetzung in den Ruhestand. Durch Verfügung des Landesbildungsamtes vom 23. August wurde er mit Wirkung vom 1. September 1927 in den Ruhestand überführt.

Am Abend des gleichen 1. September aber verstarb er im Alter von 60 Jahren an den Folgen eines schweren Schlaganfalls, der ihn wenige Tage vorher getroffen.

Das Gymnasium betrauert in seinem Heimgang den Verlust einer sehr schätzenswerten Lehr- kraft. Fünfunddreißig Jahre lang hat er seine ganze Kraft unserer Anstalt gewidmet.

Ausgestattet mit großen Gaben des Geistes, mit eindringendem Verstand und rascher Auf- fassungsgabe, stellte er seine ganze praktische Schultätigkeit stets unter die Belichtung philo- sophischer und pädagogischer Wissenschaft. Mit diesem großen wissenschaftlichen Interesse ver- band er peinliche Pünktlichkeit und Gewissenhaftigkeit in seiner Amtsführung. Er gehörte damit zu den zahlreichen Zierden, die unser Stand aufzuweisen hat. Er besaß zeit seines Lebens eine sehr empfindliche Gesundheit, und mehr als einmal im Laufe der Jahre drohte sie seiner dienst- lichen Tätigkeit ein frühzeitiges Ende zu setzen. Aber immer wieder wurde er durch seinen festen Willen und durch sein strenges Pflichtbewußtsein dieser Hemmungen Herr.

Wie Schwarz an sich hohe Anforderungen stellte, so war er auch den Schülern gegenüber ein Feind jeder verweichlichenden Pädagogik. Gründlichkeit, Genauigkeit, Gewissenhaftigkeit waren die hohen Ziele, zu denen er seine Schüler zu erziehen suchte. Seine Unterrichtserfolge waren stets sehr groß, zumal wenn sich die Schüler einmal an seine Art ganz gewöhnt hatten. Sie sind auch von allen, die seinen Unterricht genossen, immer mit größter Dankbarkeit anerkannt worden, oft gerade von solchen, die vielleicht unter seiner unnachgiebigen Strenge sehr zu leiden hatten.

Uber die Fragen seiner engeren Schultätigkeit hinaus zeigte Schwarz regstes Interesse für die Probleme der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Förderung des Philologenstandes überhaupt.

Führend beteiligte er sich zu Anfang des Jahrhunderts an den Bestrebungen, die aka- demischen Lehrer, die noch in Landes- und Provinzvereinen organisiert waren, zu einem über das ganze Reich ausgedehnten Verbande zusammenzufassen. Allerdings trat er hier bald in den Hintergrund, als die Organisation sich nicht ganz so gestaltete, wie es gerade nach den An- sichten und Absichten seines Kopfes hätte sein sollen.

Besonders lag Schwarz in den letzten Jahren die Erhaltung des bewährten Wesens des huma- nistischen Gymnasiums am Herzen. In mancher führenden Zeitung und Zeitschrift ist er für die Rettung der Figenart dieser Schulgattung eingetreten. Sah er doch mit uns allen in ihr ein unent- behrliches Gegengewicht gegen das UÜbermaß der technisch-realistischen oder nur naturalistischen Ausbildung unseres Zeitalters. Und so litt er auch mit uns allen unter der Schwere der Tragik, die darin liegt, in einer Zeit zu wirken und zu schaffen, die unseren Idealen und Zielen überhaupt nicht günstig ist.

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