„Turnhalle“ und andere mißliche Verhältnisse, über die wir seit Jahren klagen und in früheren Jahresberichten uns ausgesprochen haben, gehindert und gehemmt. Wir sind bemüht, zu tun, was uns unter den gegebenen Verhältnissen in unseren Rräften steht. Eine durchgreifende nderung wird aber erst möglich sein, wenn unser großes neues Gymnasialgebäude auf der Haiserstraße mit seiner geräumigen Turnhalle von der Beschlagnahmung freigegeben wird.
Der Verfassungsgedenktag wurde, da der 11. Mugust noch in unsere Sommerferien fiel, nach Vereinbarung mit dem Stadtschulamt für sämtliche Mainzer Schulen am Samstag, dem 21. KAugust 1926 in den Räumen der Schule begangen.
In der Zeit vom 11.—14. September hielt der Deutsche Bühnenvolksbund unter Teil- nahme hoher und höchster Behörden und der Spielscharen des ganzen deutschen Sprach- gebietes seine Reichstagung in Mainz ab. Bei der feierlichen Eröffnung der Tagung am Vormittag des 12. September in der Städtischen. Kunsthalle am Liebfrauenplatz vertrat der Direktor die Anstalt, bei der Abendfeier in der Stadthalle Herr Prof. Dr. Köhm.
Einen Gedenktag eigner Art konnte am 17. September 1926 das Haus begehen, das dem Mainzer Gymnasium(„Cronberger Hof“) seit über einem Jahrhundert als Heimstädte dient, den dreihundertsten Todestag seines Erbauers, des Kurfürst-Erzbischofs Johann Schweick- hardt von Cronberg, der im Jahre 1604 zum 60. Erzbischof und 44. Kurfürsten von Mainz in- stalliert worden war. Er„ware aller gelehrten Patron, hatt das kostbahrliche Schloß zu Aschaffen- burg so mitt wunder ahnzusehen bawen laßen, Mathiam und Ferdinandum Ertzhertzoge zu Römischen Reichs Monarchen erwehlet. Dieser liebreiche Fürst ist dem Ertzbischthumb auf das löblichst mitt grosser sanfftmuth undt mildigkeit vorgestanden, verplänte Amptern wiederumb erkaufft, und nach vielen gethanen reisen für seine Kirch und das Römische Reich ist er endtlich gestorben den 17ten Septembris Anno 1626 Seines alters siebenzig funff Jahren“.
Die israelitische Religionsgemeinde zu Mainz hatte im Laufe des Sommers alte israelitische Grabdenkmäler in das älteste jüdische Friedhofsgebäude an der Gonsenheimerstraße in Mainz zurückgeführt. Das Gebäude selbst wurde zu einem Denkmal-Fricedhof ausgestaltet und am Vormittag des 3. Oktober 1926 in feierlicher Weise der Offentlichkeit zugänglich gemacht. Nach der Feier wurde von dem Verein zur Pflege jüdischer Altertümer zu Mainz eine reiche, für die Kenntnis der Religions- und KRulturgeschichte am Rheine sehr ergiebige Ausstellung israc- litischer Altertfümer in einem Nebensaal der neuen Synagoge eröffnet. Bei beiden feierlichen Gelegenheiten vertrat der unterzeichnete Direktor die Anstalt.
uf den gleichen Tag ſiel das Fest des fünfzigjährigen Jubiläums des Städtischen Orchesters. Für die akademische Feier im Stadttheater waren Einladungen an die Behörden ausgegeben. Herr Prof. Dr. Faust nahm an ihr als Vertreter des Gymnasiums teil.
Am 12. Oktober 1926, abends 8 Uhr, sprach in der überfüllten Stadthalle zu Mainz Sven Hedin über seine Forschungsreisen in Zentralasien(Lobnor-Problem). Der Vortrag war ein Ereignis für Mainz und die nähere Umgebung. Die Stadtverwaltung hatte hierzu besondere Einladungen ergehen lassen; die Anstalt war durch den Direktor vertreten.
Die jährliche Gedächtnisfcier für dic Gefallenen des Weltkricgs mußte wegen der räumlichen Verhältnisse in unserem Hause auf einen kleinen Kreis von Schülern beschränkt werden. Sie wurde am 20. November gehalten. Die Ansprache hatte Herr Prof. Stempel über- nommen.
In der Mainzer Volkshochschule ließ am 10. Dezember 1926 Herr Studienrat Prof. Dr. Köhm als Abschluß seiner Vortragsreihe„Aus den Schatzkammern des klassischen Altertums“ Senecas „Octavia“ in einer von ihm selbst verfaßten dichterischen Ubersetzung durch Schüler des Gymnasiums vortragen. Die Rollen waren verteilt unter die Primaner Seyferth, Kohl, Hainebach, Friedrich und Wallau; sie wurden von ihnen mit anerkennenswertem Geschick zu größter Zu- friedenheit durchgeführt; der allgemeine Beifall am Schluß der Veranstaltung bezeugte ihnen den Dank der durch die Darbietung gefesselten Zuhörer.
Uber den wohlgelungenen Verlauf eines Sophokles-Abends, den der Bund der Freunde des humanistischen Gymnasiums veranstaltete und zu dessen Gelingen auch unser Schüler- orchester und unser Schülerchor beitrugen, berichtete die Mainzer Tagespresse wie folgt:
„Der Bund der Freunde des humanistischen Gymnasiums hielt am Montag, den 15. No- vember 1926, abends 8 Uhr, im vollbesetzten großen Saal des Frankfurter Hofes seine erste
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