IV. Zur Geschichte der Anstalt.
as neue Schuljahr begann Montag, den 19. April 1926, mit den Aufnahmeprüfungen. Unter
den aufzunehmenden Sextanern befanden sich dreizehn, die nach nur dreijährigem Besuch
der Grundschule durch das Kreis- oder Stadtschulamt zum Eintritt in die höhere Schule zugelassen wurden. Sie haben die vorgeschriebene Prüfung sämtlich mit„gut“ bestanden und sich auch im Fortgang des Sextaunterrichts gut bewährt.
Während der Osterferien waren im Lehrkörper unserer Anstalt folgende Veränderungen vorgegangen:
Herr Oberstudienrat Prof. Dr. Wissmann war auf sein Nachsuchen mit Wirkung vom 16. April 1926 in den Ruhestand versetzt worden.
Seit Ostern 1902 wirkte Herr Professor Dr. Wissmann, vom Progymnasium zu Alzey hierher versetzt, an dem Gymnasium zu Mainz. Vierzig Jahre lang, darunter die vierundzwanzig letzten Jahre seiner amtlichen Tätigkeit an unserer Anstalt erfolgreich tätig, widmete er sich mit vorbildlichem Eifer, hervorragender Gewissenhaftigkeit und peinlicher Treue seinem Berufe als Lehrer und Erzieher. Sein unermüdlicher Arbeitseifer und seine wissenschaftliche Tüch- tigkeit ließen ihn stets als ein wertvolles Mitglied unseres Lehrkörpers erscheinen. Er war ein echter deutscher Mann. Schwer trug er an dem äußeren, schwerer noch, mit so vielen ernsten Männern unserer Tage, an dem inneren Niedergang unseres Vaterlandes. Kus den er- hebenden Zeiten politischen und geistigen Lebens der deutschen Vergangenheit suchte er neue Kraft und neue Hoffnung zu schöpfen und sie auf die begeisterungsfähige und für sittliche Ideale empfängliche Jugend unserer Oberklassen überzuleiten, in denen er in den beiden letzten Jahrzehnten ausschließlich wirkte. Sein Unterricht in deutscher Literatur und deutscher Ge- schichte— er erteilte ihn in den letzten Jahren stets neben den klassischen Sprachen— war ihm eine heilige Herzensache. Er huldigte dabei einem gesunden Fortschritt und wollte sich auch im Unterricht der praktischen Erprobung erweiterter Ziele gerade auf dem Gebiete des deutschen und geschichtlichen Unterrichts nicht verschließen. Trotzdem er bereits zu Beginn des Berichtsjahres in den Ruhestand getreten war, erklärte er sich bereit, sich zum Vorsitzenden unserer Rommission für die Neugestaltung des Deutschunterrichts wählen zu lassen. Er ver- arbeitete die ausgedehnte Reformliteratur und die zahlreichen Neuerscheinungen an Unterrichts- mitteln zur Förderung des deutschen Unterrichts und stellte uns seine reiche Erfahrung in der Form eines ins einzelne durchgeführten Sondervorschlags für den Deutschunterricht zur Verfügung. Für seine uneigennützige Mühewaltung sei ihm auch an dieser Stelle aufrichtiger Dank gesagt.
Nur ungern sehen wir den lieben Kollegen mit seinem freundschaftlichen, hilfsbereiten und vornehmen Charakter durch das manchmal herbe Dienstaltersgesetz— zwingt es doch oft arbeitsfähige und arbeitsfreudige Männer, vor der Zeit in Ruhe zu gehen— aus unserem Lehrkörper ausscheiden. Aus unserer Gemeinschaft scheidet er ja dadurch nicht. Möge er sich noch für recht lange Zeit seiner gegenwärtigen unverminderten geistigen und körperlichen Frische erfreuen!—
Mit Beginn des Schuljahres war des weiteren auf Antrag der Stadtverwaltung Herr Ober- studienrat Prof. Dr. Schrohce, der sich neben seiner nicht geringen Belastung durch den Unterricht in den obersten Klassen des Gymnasiums seit Jahrzehnten in anerkannter Weise mit der Geschichte der Stadt Mainz beschäftigt, durch das Landesbildungsamt auf die Dauer eines Jahres zur Fortsetzung seiner Mainzer Studien beurlaubt worden. Eine Nebenfrucht dieser Studien, die Abhandlung über die„Heimatgeschichte in dem Lehrplan des Mainzer Gymnasium“ lassen wir als Beilage zu unserem Hiei ahrigen ſanfosberielit erscheinen; sie bietet zugleich eine sehr wertvolle Einführung in die Mainzer Geschichte überhaupt.
Als Vertreter für Herrn Professor Schrohe wurde uns Herr Studienassessor Dr. Hugo Holzapfel zugewiesen, während die Pflichten des Oberstudienrats für die Urlaubszeit Professor Schrohes auf Herrn Prof. Dr. Faust übergingen.
In den Lehrkörper trat nach Ostern neu ein Herr Studienrat Karl Fischer, seither am Realgymnasium zu Mainz, der mit der von Herrn Oberstudienrat Dr. Wißmann versehenen Lehrerstelle betraut wurde.
Herr Studicnasscssor Dr. Ludwig Wolf wurde vom Beginn des neuen Schuljahres ab an der Aufbauschule zu Alzey verwendet.
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