Jahrgang 
1925
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Eine eigenartige musikalische Feier hielten wir für unsere Primaner am Nachmittag des 3. Juni ab.

In den beiden Unterprimen hatten die Lehrer des Deutschen Richard WagnersMeistersinger zum Gegenstand eingehender Behandlung gemacht. Die musikalische Ergänzung zu bieten, dazu hatten sich zu unserer Freude einige Herren der Mainzer Oper bereit erklärt. Die Mainzer Presse berichtete über dieses künstlerische Erlebnis und schrieb u. a. folgendes:In nicht genug anzuer- kennender Weise haben die Herren Hand, Larkens, Lorentz, Schäfer und Schacker von der hiesigen Oper ihre reife Kunst in den Dienst der guten Sache gestellt und Proben aus denMeistersingern geboten, die die dankbaren Zuhörer in flammende Begeisterung versetzten. Schon das von Herrn Kapellmeister Schacker auf dem Klavier pompös vorgetragene Vorspiel löste jubelnden Beifall aus. Herr Karl Heinz Schäfer, wohl einer der besten Davids auf deutschen Bühnen, sang darauf dieWeisen mit vollendeter Künstlerschaft. Der markigen Ansprache Veit Pogners lieh Herr Lorentz seinen sonoren Bass. Mit tiefem Ausdruck und feiner Nüancierung brachte Herr Larkens denFliedermonolog zu Gehör. Daran schlossen sich die Schusterlieder des Hans Sachs und dasBeckmesserständchen, jene Perlen Wagnerschen Humors, von den Herren Larkens und Hand in vortrefflicher Charakterisierung dargeboten. Mit strahlendem stimmlichen Glanze und heldentenorhafter Wucht sang Herr Schäfer das Preislied. Den würdigen Schluss der eindrucksvollen Feier bildete der Gesang Hans Sachsens Verachtet mir die Meister nicht, in dem Herr Larkens nochmals alle Vorzüge seines edlen, pastosen Organs und seiner hohen Gesangskultur wirkungsvoll zur Geltung brachte. Alle Gesänge wurden von Herrn Schacker musterhaft begleitet. Herr Oberstudiendirektor Heyder dankte zum Schlusse in herzlichen Worten den Mitwirkenden für den grossen künstlerischen Genuss, den sie in so uneigennütziger Weise ihren Zuhörern verschafft und wies mit Recht darauf hin, welch hohes Verdienst die Herren durch ihre Darbietungen sich um die ästhetische Erziehung unserer Jugend erworben haben. Nicht endenwollender Beifall der begeistertem Schüler bewies, wie sehr diese Dankesworte ihnen aus dem Herzen gesprochen waren.

Die für den 24. Juni in Aussicht genommene Feier des sogen. Jugendtages konnte mit Rücksicht auf besondere Verhältnisse in Mainz im Berichtsjahre nicht stattfinden.

Das Gedächtnis der 200. Wiederkehr des Geburtstags Klopstocks wurde für die oberen Klassen am 2. Juli begangen. Da wir immer noch nicht im Wiederbesitze unserer Aula sind sie musste im Februar 1922 an die Reichsfinanzverwaltung abgetreten werden und ist von der Finanzkasse Mainz I als Steuererhebungsraum eingerichtet und der Zeichensaal mit Schülern nicht über- lastet werden darf, können wir allgemeine Schulfeiern nicht abhalten. Die Gedenkworte wurden im vorliegenden Fall in den betreffenden Klassen von den Lehrern des Deutschen gesprochen.

Der 200. Wiederkehr des Geburtstags Kants wurde in den oberen Klassen am 8. Juli von den Lehrern der philosophischen Propädeutik gedacht und die Bedeutung Kants für das deutsch e Geistesleben eingehend entwickelt..

Der Verfassungsfeiertag wurde im Berichtsjahr in Mainz am Vormittag des 13. August in den Räumen der Schule begangen. Bei der grossen öffentlichen Verfassungsfeier im Stadtpark, die nachmittags um 5 Uhr vor sich ging, bei der Herr Reichsminister a. D. Dr. David die Hauptrede hielt und Herr Provinzialdirektor Geheimrat Dr. Usinger das Hoch auf den Volksstaat ausbrachte, war die Anstalt durch den Direktor und Herrn Oberstudienrat Prof. Dr. Schrohe vertreten.

Am Nachmittag des 9. September veranstalteten einige musikbegeisterte Mitglieder unseres Schülerorchesters(Moldenhauer, Gebhardt, Hämmerlein, Kehrein, Arendt und Stern) für die Primaner eine musikalische Vorführung mit erläuternder Ansprache(Kehrein O012) über Beethoven, bei der auch Herr Prof. Dr. Lambinet einige Lieder vortrug und durch sein ansprechendes Organ die Herzen aller Hörer entzückte..

Auf den Nachmittag des 26. September 1924 war auf dem geräumigen Sportplatz des.