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IV. Zur Geschichte der Anstalt.
Das wichtigste Ereignis des Berichtsjahres ist die Zusammenlegung der beiden Mainzer Gym- nasien, des Alten und des Neuen Gymnasiums, zu einer einzigen Anstalt, dem
Gymnasium Mainz.
Gewiss ist die Vereinigung dieser beiden höheren Schulen, die so viele Jahre segensreich neben- einander gewirkt haben, beklagenswert, sie wurde aber schliesslich erzwungen durch die Notwendig- keit der bekannten Sparmassnahmen in personeller und sachlicher Hinsicht, die den Regierungen in Reich und Ländern für den Wiederaufbau unseres Wirtschaftslebens unerlässlich schienen.
Die Besuchsziffer des Neuen Gymnasiums war in den letzten Jahren in ständigem Rückgang begriffen. Die Gründe liegen teils in allgemeinen Zeitverhältnissen, die den Ideen und Zielen des Gymnasiums überhaupt nicht günstig sind und aufs tiefste bedauert werden müssen, teils finden sie in den misslichen äusseren Umständen ihre Erklärung, wie sie gerade in der Stadt Mainz herrschen. Hatte doch das Neue Gymnasium seinen herrlichen Schulbau auf der Kaiserstrasse schon im September 1914 als Festungslazarett zur Verfügung stellen und in den Reserveräumen des Realgymnasiums Unterkunft suchen müssen; es hatte ihn trotz aller Bemühungen des Direktors, des Herrn Geh. Schulrats Dr. Helm, nach Beendigung des Krieges nicht wiedererhalten können, er ist heute noch von der französischen Besatzungsbehörde mit Beschlag belegt. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die behelfsmässige Unterbringung des Neuen Gymnasiums in fremden Gebäuden (zuletzt in der höheren Mädchenschule) der Frequenz der Anstalt geschadet hat.
Die Zahl der Schüler des Neuen-Gymnasiums war schliesslich so gering geworden, dass es möglich schien, sie mit den Klassen des Alten Gymnasiums zu vereinen und alle Gymnasiasten in dem Gebäude Gymnasiumsstrasse 9 unterzubringen.
Gewiss waren dem Landesbildungsamt die Nachteile nicht unbekannt, die die Unterbringung eines Doppelgymnasiums in dem„Alten Gymnasium“ naturgemäss mit sich bringt. Ist doch dieses Gebäude ein alter Herrschaftshof aus der kurfürstlichen Zeit(Kronberger Hof), der nun gerade auf ein Alter von dreihundert Jahren zurückblicken kann und nach wechselvoller Geschichte erst zu Anfang des vorigen Jahrhunderts, so gut es eben gehen mochte, zu Schulzwecken eingerichtet worden ist.
Allein alle Bedenken hygienischer und schultechnischer Art mussten fürs erste zurücktreten hinter der erwähnten Notwendigkeit, in persönlicher und sachlicher Hinsicht für Staat und Ge- meinde diejenigen Sparmassnahmen zu treffen, die sich nur irgendwie ermöglichen liessen.
So wurde denn die Vereinigung beider Anstalten von dem Landesamt für das Bildungs- wesen mit Wirkung vom 1. April 1924 ab verfügt.
Mit ihr traten folgende Personalveränderungen ein:
Der Leiter des Neuen Gymnasiums Herr Oberstudiendirektor Geh. Schulrat Dr. Franz Helm wurde durch Entschliessung des Landesamts für das Bildungswesen vom 23. April 1924 auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner dem Staate geleisteten langjährigen und vorzüglichen Dienste mit Wirkung vom 1. Mai 1924 an in den Ruhestand versetzt. 3
Neunzehn Jahre lang hat Herr Geh. Schulrat Dr. Helm, mit Beginn des Schuljahres 1905 von der Leitung der Realschule und des Progymnasiums zu Bingen als Nachfolger des Herrn Geh. Oberschulrates Weirich an das damalige Oster-(später Neue) Gymnasium zu Mainz als Direktor berufen, seine wissenschaftlichen, erzieherischen und organisatorischen Kräfte in den Dienst der ihm anvertrauten Schule gestellt. In den stürmischen Jahren des Krieges und in der für seine Anstalt noch stürmischeren Nachkriegszeit hat er, unterstützt von einem verehrten Kollegium, seine Schule in der gleich sicheren Weise wie in den ruhigen Zeiten des Friedens zu den hehren Zielen geführt, die uns in Unterricht und Erzichung der Jugend gesteckt sind.—


