anderen zu der damals notleidenden Post beurlaubt wurden. Auch zahlreiche Auswärtige waren durch die fehlende Bahnverbindung längere Zeit am Besuch der Schule verhindert. Die vorüber- gehende Beurlaubung beider Primen kam sehr zustatten dadurch, dass die freigewordenen Lehr- kräfte die Lücken des Unterrichts in den anderen Klassen vorläufig stopfen konnten. Als aber dann die Verfügung Grossh. Ministeriums vom 27. 8. 14, betr. Notprüfungen in den höheren Schulen, daran erinnerte, dass die Notprüfung nur Geltung haben könne für diejenigen, die wirklich beim Heer eingetreten seien oder sich für die Dauer des Kriegs als Krankenpfleger dem Roten Kreuz verpflichtet hätten, wurden unsere Primen nach Benehmen mit der Leitung des Roten Kreuzes am 9. September wieder eröffnet. Nur an einzelnen Tagen, die mit Arbeit überhäuft waren, wurden sie zur Dienstleistung beim Roten Kreuz freigegeben.
Zwölf Primaner haben am 23. 2. 15 die Reifeprüfung bestanden, 9 wurden von der münd- lichen Prüfung befreit. Den Vorsitz bei dieser und den Notprüfungen hatte der Unterzeichnete.
Von den Kriegsfreiwilligen war der Oberprimaner Mucha der erste, der ins Feld kam. Am 6. August war er geprüft worden, am 8. schrieb er schon eine Karte aus der Ppfalz„auf dem Wege nach Frankreich mit dem Scheinwerferzug“. Aber er kehrte auch, nachdem er die Kämpfe an der Marne mitgemacht hatte, als der erste infolge eines Sturzes mit dem Rade aus dem Felde zurück und wurde nach mehreren Wochen aus dem militärischen Dienst entlassen. Auch Lucas wurde nach einigen Wochen der Ausbildung wegen schlechter Augen wieder ent- lassen. Der grösste Teil der übrigen steht jetzt im Felde. Schon seit dem 31. Oktober wird leider vermisst der Fahnenjunker beim Inf.-Rgt. 88 Günther von Schimmelfennig. Bei einem Sturm in Flandern in der Näbe von Ypern wurde er zuletzt in den vordersten Reihen tapfer kämpfend gesehen; dann blieb er mit seiner Gruppe verschwunden. Doch geben wir die Hoffnung nicht auf, den begabten und hochgemuten Jüngling eines Tages wiederausehen.
Trauernd aber gedenken wir unseres lieben und treuen Oberprimaners
Herbert Marschall von Bieberstein.
Als Fahnenjunker war er bei den Gardepionieren eingetreten und kämpfte nach beendigter Aus- bildung in Flandern, machte die Erstürmung von Ailly mit und sah begeisterten Herzens und voll Siegeszuversicht in die Zukunft. Aber am 2. Weihnachtsfeiertage traf ihn das feindliche Geschoss, das seinem jungem Leben ein Ende setzte. Er ist in der Familiengruft in Berlin beigesetzt worden.
Und ebenso gedenken wir voller Trauer unseres lieben Kollegen
Oberlehrer Dr. Otto Ellenberger
der ihm im Tode vorausgegangen war. Schwerverwundet am 6. November starb er zwei Tage darauf im Feldlazarett. Durch die Güte des Vaters, der uns den Stoff aus zahlreichen Briefen und Karten zusammengetragen hat, sind wir in der Lage, hier einen kurzen Abriss seines Lebens und Wirkens und seiner letzten Schicksale zu geben.
Er war geboren am 13. Mai 1880 zu Ortenberg in Oberhessen, Sohn des jetzt in Darmstadt lebenden Pfarrers und Dekans i. P., Kirchenrat Ellenberger. Er besuchte nach erhaltenem Privat- unterricht das Gymnasium zu Büdingen von 1894— 98 und das zu Friedberg von 1898—1900. Dort diente er auch als Einjähriger von Ostern 1900/01 und studierte dann klassische Philologie in Giessen, im Winter 1902/03 in Berlin und dann wieder in Giessen, wo er am 1. 8. 06 die Fakultätsprüfung mit der Note„ausgezeichnet“ bestand. Darauf besuchte er das pädagogische Seminar am Neuen Gymnasium zu Darmstadt von Herbst 1906—07, trat dann zum 2. Vor- bereitungsjahr und zur Vertretung einer Lehrerstelle an unserem Gymnasium ein im Herbst 1907. Juni 1908 promovierte er in Giessen mit der Dissertation„Quaestiones Hermesianacteae“. Herbst 1908 wurde er zum Lehramtsassessor und am 20. 5. 11 zum Oberlehrer ernannt.
Schon September 1906 war er zum Leutnant befördert worden. Im März 1909 verheiratete er sich mit Marie Stumpf, Tochter des † Gymnasiallehrers Wilhelm Stumpf in Darmstadt. Ein


