Sohn wurde ihm geschenkt am 28. 1. 12. So lange er bei uns wirkte, war er Klassenführer der Sexta und Quinta, einmal in Quarta.
Beim Ausbruch des Krieges rückte er zunächst bei dem Inf.-Rgt. 132 in Strassburg ein. Es war höchst angestrengte Arbeit, die er in der Umgebung von Strassburg vom frühesten Morgen bis zum späten Abend bei Truppenübungen und Befestigungsarbeiten zu leisten hatte. Körperlich fühlte er sich sehr wohl, aber befriedigt war er nicht. Karten und Briefe jener Zeit durchzieht das peinigende Gefühl, hinter der Front, nicht vorne in der ersten Linie zu stehen. Nur die Rücksicht auf die Seinigen, den besorgten Vater, die geliebte Gattin, und deren dringende Vorstellungen bielten ihn ab, sich sofort zur Front zu melden. Ein paar Xusserungen von vielen mögen dies Gefühl verdeutlichen:„Es ist beschämend, hinten zu stehen, wenn alle gegen den Feind ziehen“;„das beschämende Gefühl, die Kanonen donnern zu hören und nicht mitmachen zu können“;„ich ginge lieber heute in die Front als morgen. Das tatenlose Aushalten ist mir drückend“;„je grösser unsere Erfolge sind, um so schmerzlicher ist das Ausharren hinter der Linie“,— so geht es den ganzen August hindurch. Da erfüllte der September sein Sehnen. Er hatte eine Kompagnie ausgebildeter Infanterie nach Minden zu geleiten. Auf der Rückkehr über Darmstadt durfte er noch einmal einen ganzen Tag lang sich im Kreise der Seinigen erfreuen — das letzte Wiedersehen! Dann meldete er sich bei dem 172. Inf.-Rgt. als Leutnant und Kompagnieführer, zuerst der 8., dann der 5. Kompagnie zugeteilt, und sofort ging es in die Front auf die Hochebene von Craonne unmittelbar an den Feind heran. Am 15. 9. erhielt er bei Corbèny die Feuertaufe. Dann liegt er wochenlang in ununterbrochenem Gefecht, er bekommt ein Beutepferd und schildert humorvoll seine anfängliche Ungeschicklichkeit im Reiten. Dort war es auch, wo er Anfang Oktober im heftigsten Feuer seine stark gelichtete Kompagnie fest zusammenhielt und vorführte. Am 16. 10. schreibt er in rührender Bescheidenheit:„Heute wurde mir das Eiserne Kreuz verliehen. Mancher Mann hätte es eher verdient als ich.“ Bald wechselte das Regiment den Kampfplatz und kam in die Gegend von St. Quentin und Cambrai. Ende Oktober liegt er wieder im Schützengraben. Es gab schwere und verlustreiche Kämpfe gegen die Engländer. Aber „dafür haben wir die Freude des Sieges, die Anerkennung des Kaisers und mancherlei Beute“. „Es war eine Freude, binter den Fliehenden herzustürmen, wenn auch manchen dabei ein Schuss aus dem Hinterhalt niederstreckte. Nur durch einen Zufall entging ich der Gefangenschaft.“ Und dann zuletzt liegt er vor Ypern. Die Stimmung hat sich geändert. Die Hoffnung, dass der Krieg rasch zu Ende kommen werde, ist verschwunden, aber die sichere Zuversicht, dass es vorwärts gehen wird, ist geblieben. Und dort geht jetzt etwas wie Todesahnung durch sein Gemüt, wenn er die Seinigen zu Mut und Ergebung mahnt, falls„Schlimmeres eintreten sollte“. Die letzte Karte vom 6. November kam am 14. in Darmstadt an, am 17. abends ein Brief aus Belgien von fremder Hand, der seinen Tod meldete. An demselben 6. November hatte ihn beim Sturm auf den Ort Kl.-Zellebeke, als er dem Spielmann die Trommelstöcke entnahm, selbst die Trommel schlug und dann unter lautem Hurra seinen Leuten voranstürmend in Flankenfeuer geriet, ein Schuss in den linken Oberarm getroffen, der diesen durchschlug und in die linke Hüfte eindrang. Sein Bursche mit drei anderen Kameraden brachten ihn in das nächste Lazarett. Von da kam er am nächsten Tage in das Feldlazarett des Dorfes Wervicq, südlich von Lille an der französisch-belgischen Grenze. Dort schlief er nach einer Ein- spritzung längere Zeit und fühlte sich wohler; aber am 8. November wurde er nach und nach schwächer und hauchte gegen 6 Uhr abends seinen Geist aus.
Sein Tod war völlig sanft und schmerzlos. Auf dem Friedhof von Wervicq ist er zur ewigen Ruhe gebettet; ein schlichtes Kreuz mit seinem Namen, das ihm der treue Bursche gesetzt hat, bezeichnet die Stelle.
Es ist hier nicht der Ort, auf den reichen Inhalt seines Briefwechsels einzugehen, der so recht den klaren Geist, das goldene Gemüt, die sonnige Heiterkeit dieses treuen und tapferen


