Jahrgang 
1901
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Am 1. Juni stimmte die zweite Kammer der Landstände der Regierungsvorlage auf Teilung des Gymnasiums in zwei Gymnasien zu und gewährte für die Zeit vom 1. Oktober 1900 bis 31. März 1901 einen Credit von 7730 Mark. Weitere Besuche der Herren Regierungsvertreter förderten die Sache. Am 17. Juli wohnte auf Ein- ladung des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Gassner Herr Ministerialrat Dr. Eisenhuth einer Sitzung im Stadt- hause bei, wobei ersterer verschiedene für den Neubau eines Gymnasiums geeignete Plätze bezeichnete. Indessen haben diese wie spätere Vorschläge sich mittlerweile als unausführbar erwiesen, da von anderen Hindernissen ab- gesehen die in Aussicht genommenen Plätze für dringendere Schulneubauten haben in Anspruch genommen werden müssen. Über die Trennungsfrage vergewisserte sich am 4. September Herr Geheimer Oberschulrat Nodnagel an Ort und Stelle und unterwarf altes und neues Gymnasium erneuter Besichtigung. Am 5. September wurde durch Dekret Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs der Unterzeichnete, bisher Direktor des Grossh. Gymnasiums und der Realschule zu Worms, zum Leiter des Herbstgymnasiums mit Wirkung vom 1. Oktober ernannt.

Nach allen diesen Vorbereitungen ruhte die Last des Teilungsgeschäftes hauptsächlich auf den Schultern des Herrn Geheimen Oberschulrats Weihrich. Seiner unermüdlichen Thätigkeit, die in Berichten, persönlichen Be- sprechungen mit den Vertretern der Regierung und der langen Reihe von Anordnungen, wie sie eine solche Trennung erfordert, sich äusserte, ist es zu verdanken, dass das Herbstgymnasium zu dem in Aussicht genommenen Zeitpunkte, am 10. September 1900, eröffnet werden konnte. Um 49 Uhr fand eine allgemeine Lehrerkonferenz statt, in welcher die Trennung besprochen und einige Personalveränderungen erwähnt wurden. Herr Oberlehrer Schollmayer, bisher am Realgymnasium Mainz, war durch Dekret vom 30. August zum Lehrer am Gymnasium ernannt worden, Herr Schulverwalter Muth, bisher an der höheren Bürgerschule zu Sprendlingen, zum Lehrer an der Vorschule des Herbstgymnasiums, Herr Domkaplan Grode übernahm die Religionsstunden in VI und der 1. und 2. Vorschulklasse. Die Namen der übrigen dem Herbstgymnasium zugewiesenen Lehrer giebt die oben mitgeteilte Übersicht über das Lehrerkollegiumn. Bis zum Eintritt des Direktors wurden dessen Stunden durch Kombination von OI und UI vertreten.

V. Zur Geschichte der Anstalt.

Am 1. Oktober 1900 fand die Einführung des Unterzeichneten statt, zu der Herr Geh. Oberschulrat Weihrich die Spitzen der Behörden und eine Anzahl Ehrengäste geladen hatte. Um 11 ½2 Uhr versammelten sich die Erschienenen, das Lehrerkollegium und die Schüler des Gymnasiums in der Turnhalle. Ein Gesang des Schülerchors, von Herrn Oberlehrer Klassert eingeübt und geleitet, eröffnete die Feier. Herr Geh. Ober- schulrat Nodnagel als Vertreter der Regierung wies den neuen Direktor in den Dienst ein, setzte die Not- wendigkeit der Trennung auseinander, schilderte die vielseitigen Amtspflichten des Direktors und sprach den Wunsch aus, dass es dem Eingeführten in seinem neuen Wirkungskreise gelingen möge, das Vertrauen der Schüler, der Eltern und der Kollegen zu erwerben. Nach ihm gab Herr Geh. Oberschulrat Weihrich eine geschichtliche Skizze der Entwicklung des Gymnasiums von 1773 an, sprach der Grossherzoglichen Regierung und beiden Stände- kammern den Dank für Genehmigung der Teilung aus, verabschiedete sich von Lehrern und Schülern und bewillkommnete den neuen Direktor. Ebenso herzlich wurde dieser von den Herren Geh. Schulrat Direktor Schön und Direktor Dr. Römh eld begrüsst.

Der Unterzeichnete dankte zunächst den Vorrednern für die freundlichen Worte der Einführung und des Willkomms, ermahnte die Schüler zu stetiger und fröhlicher Arbeit in der hochwichtigen Zeit ihrer Jugend, sprach dann über die Aufgabe des Gymnasiums mit Rücksicht auf die Bildungsbestrebungen der neuen Zeit und erbat sich freundliche Mitarbeit der Kollegen an dem gemeinsamen Werke des Unterrichts und der Erziehung. Ihm antwortete Herr Prof. Nover im Namen des Lehrerkollegiums mit Dank an den seitherigen Direktor des Gesamtgymnasiums und Begrüssung des neuen Direktors. Ein Choral, vom Schülerchor gesungen, beschloss die Feier.

Am 19. Oktober starb der frühere langjährige Lehrer am Gymnasium Herr Prof. Dr. Stigell. An seiner Beerdigung am 22. Oktober nahm das gesamte Lehrerkollegium teil. Herr Prof. Klein widmete dem Entschlafenen tiefempfundene Worte und legte einen Kranz im Namen des Kollegiums beider Gymnasien am Grabe nieder.

Da die Einweihung des Feldbergschulhauses sich bis zum 13. Oktober hinauszögerte, so verliessen uns die im Gymnasialgebäude untergebrachten 5 Volksschulklassen erst am 12. Oktober. Erst jetzt und nach der Weg-