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Und so hat auch die Schule heute ihre Jugend versammelt, das ihr anvertraute Pfand, Deutschlands Zukunft und Hoffnung, um als liebende Mutter durch mahnenden Zuspruch den wunderkräftigen Trieb der Vater- landsliebe in ihren Herzen zur Entfaltung zu bringen, die Saat von Gott gesäet, am Tage der Garben zu reifen.
Wie aber könnten wir diese Weihestunde segensreicher begehen, als indem wir sie widmen der lehrreichen Betrachtung von Deutschlands leidvoller Vergangenheit und glücklicherer Gegenwart und unsere Herzen öffnen warmfühlender Dankbarkeit und heissen Gelübden, treuer Erinnerung und sehnsuchtsvoller Hoffnung? Das walte Gott!
Unter den schweren Erschütterungen der französischen Revolution war das alte Reich, das heilige römische deutscher Nation, ins Grab gesunken. Gegründet im Jahre 800, nachdem Roms Händen das Scepter der Welt- herrschaft entfallen war, übernahm es dessen Erbe. Wie aber das zäsaristische Prinzip der Verteidigung durch den Angriff die Wolfsbrut von jedem Sieg zu neuen Kämpfen und unter dem Scheine der Verteidigung zur Welt- eroberung gedrängt hatte, so wurde auch das germanische Heerkönigtum nach der Uebernahme der römischen Imperatorenwürde und ihrer Machtansprüche durch die Idee der Schutzherrschaft über die ganze Christenheit zu Erweiterungsbestrebungen verleitet, die gerade unter den thatkräftigsten mittelalterlichen Kaisern(Karl und Otto d Gr., Heinrich III. und den Hohenstaufen) zu den weit ausschauenden Plänen der Errichtung einer wirk- lichen Weltmonarchie ausarteten.
Zwar impfte das römisch-deutsche Kaisertum der deutschen Stammessprödigkeit die Anschauung staatlicher Zusammengehörigkeit ein, sicherte der politisch geeinten Nation lange Zeit die Hegemonie über Europa und ver- mittelte die höhere Bildung und Gesittung der antiken und christlichen Kultur, aber es wurde dadurch auch gezwungen, Mark und Blut der besten seiner Söhne in ausserdeutschen Unternehmungen zu vergeuden, der auf- strebenden Fürstenmacht die nationale Einheit zu opfern und den welterschütternden Kampf mit dem Papsttum zu bestehen, in dem es unterlag..
Ueber der Jagd nach dem Phantom der Weltherrschaft wurde ihm im eigenen Lande der Boden unter den Füssen entzogen, sein Thron von stolzer Höhe herabgestürzt, seine Herrlichkeit zu mitleiderregender Ohnmacht verdammt.
Am Ausgang des Mittelalters war so dem deutschen Volke das Palladium nationaler und politischer Einheit geraubt, während an seinen Grenzen im Westen ein nationaler Einheitsstaat zu gefahrdrohender Macht erstarkt war.
Was kommen musste, geschah. Nach aussen zur Ohnmacht verurteilt, im Inneren durch den pfichtvergessenen Egoismus der Stände zerrissen, wurde unser unglückliches deutsches Vaterland der Tummelplatz fremder Waffen, die wehrlose Beute des Auslandes.
Eine mehr als 300 jährige Prüfungszeit begann, in welcher die ehedem so stolze Walküre Germania den Leidenskelch der Erniedrigung und Drangsale bis zur Neige leeren musste, in welcher sie an Leib und Seele ge- brochen der knechtischen Dienstbarkeit und rücksichtslosen Vormundschaft Frankreichs anheimfiel.
Aber diese Prüfungszeit war notwendig, um in ihr wieder das Bewusstsein ihres eignen Wertes zu wecken, das Gefühl ihrer geistigen und physischen Kräfte zu beleben und das lautere Gold ihrer nationalen Tugenden ans Tageslicht zu fördern..
Gerade in dem Augenblicke, als die länderraubende und völkermordende Politik Frankreichs ihren höchsten Triumph feierte, als ganz Deutschland geknechtet und geknebelt zu den Füssen des korsischen Eroberers lag, gerade in diesem Augenblicke namenloser Leiden und Heimsuchungen erwachte die gefesselte Walküre Germania wie aus einem bösen Zauberschlafe, reckte und dehnte die starken Glieder, von langer Haft der Freiheit ungewohnt, und sprengte die Fesseln, in die der rechtsverachtende französische Despotismus sie geschlagen. Germania feierte ihre geistige, sittliche und nationale Wiedergeburt, der kategorische Imperativ der Pflichterfüllung seitens der Herrscher wie der Beherrschten, der selbstlosen Hingabe des Einzelnen an die Interessen der Gesamtheit überwand den bösen Geist der Pflichtvergessenheit und des Egoismus.
Aber selbst die heldenmütige Erhebung des Jahres 1813/14 brachte keinen vollen Sieg; der unheilvolle Dualismus von Preussen und österreich, die ränkevolle Arglist und geriebene Schlauheit der welschen Diplomatie legte Deutschland abermals, wenn auch in milderer Haft, an die Kette. Das berechtigte Verlangen der edelsten Männer nach der Rückgabe der geraubten Reichsländer Elsass-Lothringen, das heisse Sehnen der Patrioten nach nationaler und politischer Einheit wurde durchkreuzt.—
Durch die Wiener Bundesakte wird Deutschland, an seinen Grenzen verstümmelt, nach aussen ohne Sicher- heit und Kraft, nach innen ohne Einheit und Freiheit, wieder zum Spielball eigener Zwietracht und fremder Eroberungssucht.
Die schwere Verantwortung aber, welche die deutschen Diplomaten damals auf sich luden, hat der alte Blücher in der herzbewegenden Mahnung:„Was die Schwerter uns erwerben, lasst die Federn nicht verderben“


