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daran setzte der Director bei der Entlassung der Abiturienten die Aufgaben und Pflichten des patriotischen Deutschen auseinander mit Hinweis auf den Uhland'schen Spruch:
„An unserer Väter Thaten mit Liebe sich erbaun,
Fortpflanzen ihre Saaten, dem alten Grund vertraun,
In solchem Angedenken des Landes Heil erneun,
Um unsre Schmach sich kränken, sich unsrer Ehre freun,
Sein eignes Ieh vergessen in Aller Lust und Schmerz,
Das nenn ich, recht ermessen, für unser Volk ein Herz!“
Die Osterferien währten vom 22. März bis 12. April. Das Sommerhalbjahr begann am 13. April. Vom 1. April an bis 27. Mai wurde der Lehramtsaccessist Krauss zu militärischen Uebungen einberufen, nach deren Ablauf er zur Uebernahme einer Lehrerstelle an die höhere Lehranstalt in Dieburg versetzt wurde. Zu Beginn des Sommerhalbjahres wurden ferner der Lehramtsassessor Fuchs an das Gymnasium in Giessen und der Schul- verwalter Dexheimer an eine städtische Schule in Darmstadt berufen. An deren Stelle in der Vorschule traten ein der Lehramtsassessor Hoffmann(seither am Gymnasium in Worms) und der Schulverwalter Fuechs(bis dahin an der Volksschule in Hechtsheinn).
Durch Allerhöchstes Dekret wurde Prof. Dr. Schall auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen, treugeleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Mai an in den Ruhestand versetzt. Zugleich verlieh unser gnädiger Landesherr ihm das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen. In einer feierlichen Vereinigung gab das ganze Lehrerkollegium den Gefühlen der Hochachtung und Verehrung gegen den aus seiner Mitte Scheidenden den herzlichsten Ausdruck. In dankbarer Erinnerung an die durch 34 Jahre unserem Gymnasium geleisteten Dienste begleiten ihn unsere wärmsten Wünsche beim Eintritt in den Ruhestand.
Am 11. Mai wurde infolge Allerhöchster Entschliessung der seitherige Dirigent und erste Lehrer an der höheren Bürgerschule in Langen, Karl Schmitt zum Lehrer am hiesigen Gymnasium ernannt. Da sein Eintritt erst am 1. Juni erfolgen konnte, so versah in dankenswerter Weise der Accessist Reeb seinen Dienst.
Vom 26. Mai bis 3. Juni wurde ähnlich wie vor 2 Jahren ein von der Königl. Bayerischen und der Grossh. Hess. Staatsregierung angeordneter archäologischer Anschauungskurs unter der Leitung der Herren Geh. Ober- schulrath Soldan und Prof. Dr. Sittl abgehalten. Den Sehenswürdigkeiten von Mainz war der 2. und 3. Juni gewidmet, wobei im Museum von den Herren Prof. Dr. Gundermann aus Giessen, Prof. Dr. Körber und Oberbibliothekar Dr. Velke sowie im Dome von Herrn Prälat Dr. Schneider erläuternde Vorträge gehalten wurden. Gymnasiallehrer Dr. Reeb nahm an dem Kurse Teil; für ihn sowie für Prof. Dr. Körber musste am 1., 2. und 3. Juni Vertretung angeordnet werden.
Veranlasst durch die Erkrankung einiger Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule in Offenbach wurden die Accessisten Müller und Reeb, ersterer am 9. Juni, letzterer am 4. Juli aus ihrer hiesigen Wirksamkeit zur Aushülfe an die genannte Anstalt berufen.
Am 15. Juni abends ertrank beim Baden im Rhein nahe bei Laubenheim der hoffnungsvolle Schüler Wilhelm Schneider aus Laubenbeim, der seit Ostern d. J. unserer Ib O angehörte; nach allen Berichten muss wohl ein Ohnmachts- oder Schlaganfall die Ursache dieses erschütternden Unglücksfalles gewesen sein, der unsere Anstalt eines guten und braven Schülers beraubte, der verwittweten Mutter aber in dem einzigen Kind den Trost und die Hoffnung des Alters nahm. Erst am 23 Juni konnte die bei Kamp geländete Leiche in Laubenheim beerdigt werden. Den zahreichen Leidtragenden, die dem allzu früh Verblichenen die letzte Ehre erweisen wollten, schlossen sich seine Lehrer und seine Mitschüler an, die einen Kranz auf die Bahre legten.
Mit Wirkung vom 11. Juli an wurde zum Zweck einer Badekur der Lehrer an der Gymnasialvorschule Petrus beurlaubt und zu seiner Vertretung der Schulamtsaspirant Schwebel berufen. Vom 13. Juli ab erkrankte der katholische Religionslehrer, Gymnasiallehrer Heinrich, und musste für den Rest des Sommerhalbjahres behufs Wiederherstellung seiner Gesundheit beurlaubt werden.
Ansprache bei der Feier des Gedenktages der Errichtung des deutschen Reiches.
In dem reichen Ehrenkranze ruhmvoller Gedenktage, welche unser deutsches Volk bei der 25jährigen Jubelfeier seines Heldentums von 1870/71 festlich begangen, strahlt als hellster Demant der heutige Tag, geweiht der Erinnerung an die Wiedergeburt unseres deutschen Vaterlandes, an die Wiederaufrichtung des deutschen Reiches.
Von den Alpen, wo Lawinen donnern, bis zum Belte, wo zwei Meere branden, von dem Rheine, wo der Nibelungen Hort welscher Arglist wehrt, bis zur Memel, die der Slaven Hochflut bricht, in allen deutschen Gauen schlagen heute Tausende deutscher Herzen den rascheren Pulsschlag reiner, erhebender und begeisterter Festesfreude.


