Jahrgang 
1894
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Der Lehramtsassessor Dr. Schwarz wurde vom Dienste an der Vorschule abberufen und dem Gymnasium als provisorischer Lehrer zugewiesen; seinen früheren Dienst übernahm zunächst der Lehramtsassessor Steinmetz, der auch schon während der Erkrankung des Lehrers an der Vorschule Petrus im Winter ausgeholfen hatte. Im Laufe dieses Schuljahres hat die Vorschule in aussergewöhnlicher Weise vieles Ungemach erfahren. Abgesehen von Krankheitsfällen und dem bereits erwähnten Ableben des Lehrers W. Schmidt hat sie bei Beginn des Sommer- halbjahres gleichzeitig zwei Lehrer verloren, von denen der eine seit 10 und der zweite seit 3 ½ Jahren an der Vorschule wirkte. Der Lehrer Schader wurde an die höhere Mädchenschule und der Lehrer Andres an das Realgymnasium und die Realschule hier versetzt. An ihre Stelle traten die Schulverwalter Gleiser und Schmidt, ersterer seither an der Volksschule in Darmstadt, letzterer an der Realschule in Alsfeld..

Am 20. April wurde der Teil unserer Bibliothek, der durch öfteren Gebrauch hierzu geeignet schien, in das bisher leerstehende Zimmer des neuen Gymnasiums verbracht, während der grösste Teil, der ältere und im ganzen seltener gebrauchte Werke umfasst, im alten Gymnasium verbleiben musste. Bezüglich unserer Bibliothek dürften noch folgende Bemerkungen von Interesse sein. Unser Bibliothekar, der Grossh. Gymnasiallehrer Dr. Römheld, wurde Ostern 1890 mit der Neuordnung und Katalogisierung der Bibliothek beauftragt; am 15. September 1892 konnte er den aus drei Foliobänden mit je 300 Seiten bestehenden neuen Katalog vorlegen. An jenem Tage bestand die Bibliothek aus 10 857 Bänden(Mitte Juni 1894 aus 11 168 Bänden); ausserdem ist in der Verwaltung des Bibliothekars noch die etwa 750 Bände umfassende bibliotheca pauperum, sowie die Sammlung der Programmabhandlungen, die im Wege des Austausches uns zukam und aus etwa 5300 Stück von nichthessischen und 1200 von einheimischen Lehranstalten besteht. Mit der Katalogisierung dieser Programm- abhandlungen, sowie der bibliotheca pauperum hat während des Jahres 1892/93 der Lehramtsassessor Dr. Schrohe in verdienstlicher Weise sich befasst. Unabhängig von der Bibliothek, und von Klassenführern verwaltet, besteht noch die Schülerbibliothek, welche zur Benützung von 4 Altersstufen in 4 Abteilungen eingeteilt ist.

Am 10. Mai machten die Klassen des Gymnasiums und der Vorschule die zur Feier des Frankfurter Friedens bei uns üblichen Ausflüge.

Vom 15. bis 22. Mai wurde der von unserer Regierung im Verein mit der königl. bayrischen Staatsregierung unter der Leitung der Herren Geh. Oberschulrat Soldan und Prof. Sittl angeordnete archäologische Kursus abgehalten, an dem von unserer Anstalt der Gymnasiallehrer Dr. Kieser Teil nahm. Am 21. und 22. Mai widmeten sich die Teilnehmer unter der Führung der Herren Direktor Dr. Keller, Gymnasiallehrer Dr. Körber, Conservator Lindenschmit, Domkapitular Dr. Schneider und Oberbibliothekar Dr. Velke dem Studium der hiesigen Altertümer.

Am 26. Mai schloss sich das Lehrerkollegium dem zahlreichen Trauergefolge an, das dem in der Nacht zum 25. Mai plötzlich aus dem Leben geschiedenen langjährigen Rechner der Gymnasialkasse, dem Generalreceptor Schmidt, die letzte Ehre erwies. Infolge Verfügung vom 28. Mai wird die erledigte Rechnerstelle bis zur festen Besetzung durch den Oberrechnungs-Probator Fritzges aus Darmstadt verwaltet.

Am 14. Juni beteiligte sich das Gymnasium bei dem festlichen Empfang, den die Stadt Mainz Ihren Königl. Hoheiten dem Grossherzog und der Grossherzogin bereitet hat.

Infolge seiner Versetzung an das Gymnasium und die Realschule in Offenbach verliess uns am 16. Juni der Lehramtsassessor Steinmet:; zur Verwaltung der erledigten Lehrerstelle an der Vorschule trat am gleichen Tage ein der seither an dem Realgymnasium und der Realschule hier beschäftigte Lehramtsaccessist Hensing.

Infolge eines hartnäckigen Bronchialkatarrhes musste Professor Klein von Ende Juni an bis 9. Juli seinen Unterricht teilweise, vom 9. bis 14. Juli ganz und bis zum 21. Juli wieder teilweise aussetzen. Vom 6. bis einschl. 19. Juli waren die Grossh. Gymnasiallehrer Braun und Freund zu militärischen Uebungen eingezogen; ebenso Dr. Denig und Dr. Willenbücher vom 9. August an auf die Dauer von 6 Wochen. Da Gymnasiallehrer Braun sich gegen das Ende seiner Dienstzeit den Fuss verletzt hatte, so musste er seinen Unterricht auf weitere 6 Tage aussetzen.

Den Gymnasiallehrern Dr. Römheld, Dr. Körber, Frederking und Scholl wurde durch Allerhöchste Entschliessung vom 27. Juni der Charakter als Professor erteilt und infolge ministerieller Entschliessung am 28. Juli der Accessist Hensing zum Lebramtsassessor ernannt.