Jahrgang 
1896
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zu erweisen, und Herr Haase schied mit tiefem Schmerze am 7. Dezember v. J. nach einer Morgenstunde aus einer der Klassen, und hier- mit von dem Lehramte, in dem er mit grosser Freudigkeit 30 Jahre davon 16 Jahre am Realprogymnasium mit gutem Erfolge, ins- besondere im Gesangunterricht, wofür ihm die Anstalt zu vielem Dank verpflichtet ist, gewirkt hatte. Mit dem 1. April d. J. wird er seiner Bitte ge- mäss in den Ruhestand treten. Eine Verab- schiedung aus dem Schulamt und von dem Lehrer- kollegium, wird mit dem Eintritt der Pensionierung am Schlusse des Schuljahres stattfinden, gleich- zeitig mit der des Herrn Professor Dute.

Der Gesundheitszustand der anderen Lehrer der Anstalt war ein guter zu nennen, indem nur einige Lehrer auf wenige Tage an der Erteilung ihres Unterrichts verhindert waren. Ein Ausfall der Stunden wurde durch Vicarieren vermieden, woran sich die Lehrer nach Mass- gabe ihrer freien Stunden in der Unterrichtszeit beteiligten.

Der Gesundheitszustand der Schüler war mit Ausnahme des Monats Februar ein selten guter, indem selbst in einer sehr grossen Klasse eine Versäumnis des Unterrichts im ganzen wenig vorkam. Es ist wohl begründet, wenn man annimmt, dass hieran die Centralheizung einen nicht unbedeutenden Anteil hat, indem infolge derselben eine gleichmässige Temperatur und regelmässige Erneuerung der Luft in den Klassen herrschen, und erstere von der Individualität des Lehrers unabhängig ist.

Dennoch hat die Anstalt den Todesfall eines Schülers zu beklagen, welcher jedoch nicht durch Krankheit, sondern durch Spielen mit einer Schusswaffe, deren Einrichtung ihm nicht hinreichend bekannt war, am 19. August herbeigeführt wurde. Lehrer und Schüler be- zeugten ihre innige Teilnahme an dem die Eltern betroffenen schweren Verlust eines hoffnungs- vollen Sohnes durch Kranzspenden und dem ihm erteilten Geleit zu der so früh gefundenen Ruhe- stätte. Bemerkt muss noch werden, dass infolge der S. 7 gen. Verfüg. Kgl. Ministeriums der Unterzeichnete vor dem Gebrauch von Schusswaffen bei Eröffnung des 2. Quartals am 6. August nachdrücklichst gewarnt und die beiden Unglücksfälle mitgeteilt hatte.

Die Temperatur in der 2. Hälfte des August und mehr noch im Anfang des September war eine seit vielen Jahren nicht beobachtete hohe, so dass an vielen Tagen der Nachmittags- unterricht ausgesetzt werden musste. In gleicher

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Weise war auch der Winter so ungewöhnlich warm, dass die Jugend nur wenig das gesunde Vergnügen des Schlittschuhlaufens geniessen konnte.

Die Geburts- und Todestage der beiden hochseligen Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. wurden im verflossenen Schuljahre in der jetzt meist üblichen Weise gefeiert, dass der Lehrer, welcher in der ersten Morgenstunde an den genannten Gedenktagen Unterricht zu erteilen hat, einen Teil der Stunde verwendet, um der grossen Verdienste dieser edlen Fürsten um das deutsche Land und Volk in dankbarer Weise zu gedenken und ihr Andenken zu ehren.

Die 25 jährige Wiederkehr des glorreichen Sieges von Sedan am 2. Septbr. 1870 gab Veranlassung dieses Mal wieder eine öffentliche Feier in der Anstalt abzuhalten, während in den letzten Jahren die Schulfeier am Sedantage mehr eine interne war. Die Festrede hielt Herr Oberlehrer Dr. Schäfer, in welcher er in beredter und wohl begründeter Weise die Frage beantwortete: Warum feiern wir den Sieg von Sedan?

Am 31. Oktober wurde von den evangelischen Lehrern und Schülern in der letzten Stunde des Morgenunterrichts das Reformationsfest ge- feiert. An demselben teilte der Direktor eine Anzahl Tischreden Luthers mit, unter denen sich auch einige auf Landgraf Ph ilipp den Grossmütigen bezogen und von besonderem Interesse waren.

Mit dem Schlusse des Unterrichts im dritten

Quartal, am 23. December, wurde eine litur-

gische Vorfeier des Weihnachtsfestes verbunden.

Nach Verfügung Kgl. Prov.-Schulkollegiums vom 7. Januar d. J. wurde auf die Bedeutung des 18. Januar des Jahres 1871, als dem Tage der Wiedergeburt des einigen deutschen Reiches, seit welchem unser Volk nunmehr 25 Jahre in vollem Frieden durch seine gewonnene einflussreiche Stellung unter den Grossmächten Europas verleben konnte, von den Ordinarien an diesem Tage in ihren Klassen in patriotischer Weise hingewiesen. Hieran schloss sich ein Schulaktus in der Aula, für alle Lehrer und Schüler, welcher in seinem Verlauf mit dem einer nationalen Schulfeier übereinstimmte. Durch die Gnade Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm II. waren der Anstalt, bezw. den Schülern, drei Exemplare von Professor Lindners»Der deutsch- französische Krieg und die Einigung Deutschlands« auf behördlichem Wege zuteil