Jahrgang 
1896
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wie ich euch das aus meinem eignen Leben be- zeugen kann. Dann wird euch auch das Lernen keine Last, sondern eine Lust sein. Ich wünschte, ich könnte euch die Lust am Lernen verschaffen, wie ich solche durch Gottes Gnade von Jugend auf gehabt habe. Die unter euch, welche be- reits ins Jünglingsalter eingetreten sind, werden mich verstehen, wenn ich euch für eure Schulzeit schon einen idealen Sinn wünsche. Den jüngeren aber will ich sagen: Lernet doch, liebe Schüler, nicht mit Unwillen oder aus Zwang, denn dann kommt ihr nicht weit. war, da waren Bücher meine grösste Lust, und wo ich nur eins zum Lesen erlangen konnte, da griff ich zu und ruhete nicht, bis ich den Inhalt erfasst hatte. So muss es auch euch darum zu thun sein, euren Geist zu bilden. Das sind bedauernswerte Schüler, die nur maschinen- oder fabrikmässig das Stücklein lernen, was sie für den Augenblick gerade können müssen. Alles, was den Geist bildet und was für die Stufe, auf der ihr stehet, sich eignet, muss von euch, soes euch geboten wird, mit Lust angegriffen und zum geistigen Eigentum gemacht werden. Als ich mit 9 Jahren anfing Lateinisch zu lernen und bald nachher auch Griechisch, da waren es nicht nur die Sprachen selbst, die ich lieb gewann, da that ich einen Blick in das klassische Altertum, der sich nach und nach immer mehr erweiterte und mich in demselben leben liess, und der mir eine Liebe zu demselben erweckte, die mich durchs Leben begleitet hat. Daran könnt ihr so etwas von idealem Sinn merken und verstehen lernen. Hätten meine Verhält- nisse es gestattet, ich würde mich mit Begeister- ung an das klassische Altertum hingegeben haben; aber das war mir eben nicht verstattet. Dagegen wurde mir nachmals die deutsche Sprache und die deutsche Litteratur zum Ersatz geboten. Und mit diesem Studium war dem Geiste ein grosses und weites Feld geöffnet. Lässt sich doch die Sprache eines Volkes nicht von seiner Geschichte trennen, und beides ist für den, der mit ganzem Herzen daran sich hingibt, nicht denkbar, ohne den vaterländischen, den patriotischen Sinn zu entwickeln, der uns wirken und schaffen lässt für's Vaterland, einen jeden auf der Stelle, wohin Gott ihn beruft.

Doch ich muss schliessen. Ich fasse alles kurz in die wenigen Worten zusammen: Lernet Gottesfurcht und haltet sie fest in eurem ganzen Leben, bewahret euch einen idealen Sinn für eure Schulzeit nicht nur, sondern auch für

Als ich in eurem Altéer:

euren späteren Beruf, und endlich: beweist euch stets als echte Deutsche, als treue Patrioten.

Meine verehrten Kollegen aber wollen mir noch die Bitte gestatten, dass die Beweise der Freundschaft, die ich von Ihnen erfahren durfte und für die ich von Herzen dankbar bin, auch ferner mir bleiben mögen. An lhrem Wohl- ergehen, wie an Ihrem Wirken und Schaffen werde ich stets den innigsten Anteil nehmen. Bin ich doch mit der Schule fest verwachsen, eigentlich schon seit dem Jahre 1861, ja vorher schon einmal ein Jahr lang auftragsweise, und dann in ihrer jetzigen Verfassung von Anfang, von 1867 an. Wie sollte mir also das Wohl derselben nicht am Herzen liegen! Darum schliesse ich mit dem Wunsche, dass unsere Schule sich immer mehr entwickeln, wachsen und gedeihen und dass es Ihnen, verehrte Kollegen, allezeit wohl gehen möge.

So schloss denn das vergangene Sommer- semester mit der Abschiedsfeier der ersten Pensionierung eines Lehrers der Anstalt.

Mit Beginn des Wintersemesters trat Herr M. Pohl, Kandidat des höheren Schulamts, ins Lehrerkollegium ein und übernahm grössten- teils den Unterricht des Herrn Oberlehrers Leimbach.

Bei Eröffnung des Schulunterrichts wurde er von dem Direktor in sein Amt eingeführt.

Im Wintersemesterschied nun auch nach nicht so langer Amtsdauer und noch im mittleren Mannesalter stebend, Herr Lehrer Haase aus dem Lehrerkollegium und von der Anstalt. Schon im vorjährigen Programm wurde berichtet, dass er mit Februar 1894 wegen angegriffener Ge- sundheit nicht imstande war, seine amtlichen Obliegenheiten seinem Wunsche gemäss erfüllen zu können. Auf seine Bitte wurde ihm Urlaub erteilt, und Herr Lehrer Herrmann von der hies. Knaben-Bürgerschule versah seit dem Februar 1894 die Unterrichts- und Gesang- stunden des Elementarlehrers am Realprogym- nasium. Mit dem Beginn des letzten Winter- semesters übernahm Herr Haase einen Teil seiner Stunden in Gemeinschaft mit dem Herrn Herrmann. Krankheitsfälle beim Lehrer- personal der städt. Bürgerschule machten nach einigen Wochen die Aushülfe des Herrn Herr- mann bei dieser notwendig, so dass nunmehr Herr Haase seine Stelle allein versehen musste. Hierbei zeigte sich jedoch, dass sein Gesundheits- zustand noch nicht wieder genügend gekräftigt war. Nur wenige Wochen genügten, um dieses