Jahrgang 
1896
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bei seinem 50 jährigen Jubiläum vor 5 Jahren den roten Adlerorden vierter Klasse verliehen be- kommen in herzlichen Worten, dass der heute scheidende Herr Jubilar sich noch recht lange der hohen Auszeichnung erfreuen möge.

Gleichen Wunsch sprach auch namens des Lehrerkollegiums der älteste Oberlehrer des- selben, Herr Professor Dute, aus, indem er zugleich für die langjährige treue Kollegilität herzlich dankte. Nun trat der Primus omnium zu dem scheidenden, beliebten Lehrer, sprach ihm den schuldigen Dank im Namen aller Schüler für die vielen Mühen und die ihnen gewidmete Zeit aus, zugleich bat er der gegen- wärtigen, seiner letzten Schüler in Liebe zu ge- denken, so wie diese ihres verehren Lehrers nie vergessen würden. Sämftliche Klassen überreichten dem scheidenden Lehrer die wohl- gelungenen Photographien zum Andenken. Da- rauf betrat Herr Oberlehrer Leimbach den Katheder und sprach folgende Abschiedsworte:

In dieser für mich so feierlichen Stunde ist mein Herz so voll, meine Seele so bewegt, dass ich schwer Worte finden werde, das zu sagen, was ich gern sagen möchte. Es ist die letzte Stunde, der letzte Augenblick, mit welchem ich eine 55 jährige Lehrerwirksamkeit beschliesse. Da möchte ich namentlich meinen lieben Schülern so gern noch einmal ins Herz hinein reden, weil es mir künftig nicht mehr verstattet ist. Aber ich fühle es, wie schwer mir das heute wird und muss darum von vornherein, um Nachsicht bitten. Das Wenige aber, was ich zu sagen mich gedrungen fühle, möchte ich anknüpfen an Ps. 50, 23:»Wer Dank opfert, der preiset mich, und das ist der Weg,T dass ich ihm zeige. das Heil Gottes.« Ja, Ihm zu- nächst die Ehre, dem treuen Gott und Vater in dem Himmel, der mir meinen Beruf, den ich anfänglich nicht gesucht, so lieb gemacht und mich so lange Zeit in demselben erhalten hat, und'nicht bloss das, sondern der auch die volle Hingabe an denselben. die Berufsfreudigkeit, nicht hat erkalten lassen, vielmehr dieselbe mir bis zur Stunde gewährt hat. Und das gerade macht den Abschied schwerer. Auch zwingt mich nicht etwa Krankheit, das Amt nieder- zulegen, so dass von der Seite mein Schritt auch keine Erleichterung erfährt. Und doch habe ich mir gesagt, es ist Zeit, dass du diesen Schritt thust; deine Lebenstage sind gezählt, und dein Alter sagt es dir, du musst jetzt auf das Amt verzichten, wenn du den Aufgaben, die du noch zu erfüllen hast, gerecht werden

willst. Hauptsächlich mit Rücksicht hierauf, aber auch mit Rücksicht auf gewisse Beschwer- lichkeiten welche Berufspflichten in diesem Alter mit sich bringen, ist mein Entschluss gefasst worden. Betrübend ist dabei für mich noch besonders der Gedanke, dass ich trotz der langen Amtsthätigkeit das Ziel, welches ich mir gesteckt, nicht erreicht habe. Hat auch mein Wirken Anerkennung gefunden, und ist so eben noch von meinem Herrn Direktor solche ausgesprochen worden, so sage ich dennoch: Ich habe mein ldeal nicht erreicht. lch würde es aber auch wohl nicht erreichen, wenn ich noch länger amtierte; dazu ist es zu hoch gesteckt. Viele Jahre meines Lebens, ja die meisten hindurch, traten mir auch äussere Hindernisse stark in den Weg; da musste ausser dem Beruf so viel geschafft und gewirkt werden, um nur eine anständige Existenz für die Familie zu gewinnen, und erst in sehr später Zeit wurde es darin anders. So bin ich also hinter dem Ideal. was mir als Lehrer vorschwebte, weit zurückgeblieben. Dessen ungeachtet aber will ich meinem Gott den Dank nicht vorenthalten für das, was Er mir zu leisten vergönnt hat. Wäre Er nicht mit mir gewesen, ich hätte auch das nicht ver- mocht. Doch das muss ich zu Seiner Ehre sagen, Er hat mich von Jugend an und in meinem ganzen Berufsleben an Seiner Hand ge- habt und ist in allen Lagen meines Lebens, auch in den Trübsalsstunden, mein Schild und mein Beistand gewesen.»Mit Ihm und für Ihn!« das War mein Wahlspruch von früher Jugend an, das ist das Erbteil einer frommen Mutter. Darum habe ich auch von Kindesbeinen an das Wort Gottes geliebt und es stets in meinem Herzen getragen, wenn ich auch sonst noch so sehr über meine Unvollkommenheit zu klagen hatte und vor Gottes Augen keine Gerechtigkeit habe, als die, welche der Heiland mir erworben hat. Und hieran möchte ich in dieser Scheide- stunde an euch, liebe Schüler, die Ermahnung knüpfen: Haltet fest an Gott und Gottes Wort euer ganzes Leben lang; es sei eure Lust, das- selbe zu lernen; Geschichte und Lehre des Reiches Gottes, Bibel, Katechismus, Spruch und Lied, alles muss euch lieb und teuer sein. Habt ihr so Gott lieb, und gebt ihr Ihm die Ehre, so wird Er euch alle wieder lieben, euch segnen auf allen euren Wegen, euch beistehen im Lernen, dass ihr ans Ziel kommt, euch segnen auf eurem späteren Lebenswege. Ihr werdet dann in stetem Umgange mit Ihm sein, Ihm alles sagen und klagen können und Seine Nähe spüren,