Jahrgang 
1928
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Lehrer am Donnerstag die Vokabeln abzufragen versuchte, tönte ihm von allen Seiten nur das blöde:Blöh entgegen, vom Lehrer mit demselben Humor aufgenommen, wie es von den Schülern gemeint war.

Um 8 Uhr war alles wieder auf dem Schulhofe versammelt. Entsprechend dem Wunsche des Herrn Verlagsbuchhändlers Braun, der Nachmittags das Fest mit einer Ansprache über das Frühlingsfest eingeleitet hatte, und auch auf dem Schulhof mit einer solchen schloß, gab der Direktor den Mittwoch frei. Die Kleinen zogen nach Haus; die größeren von OII ab sollten noch den Abschluß in Gestalt eines Tanzes in den Stadtsälen erleben, zu dem der Direktor der Elisabethschule, Herr Studiendirektor Schneider, den 3 oberen Klassen die Teil- nahme gestattet hatte.

Um 12 Uhr endete dieser Festabschnitt und damit das ganze Fest, bei allen Teil- nehmern das Bewußtsein hinterlassend, etwas wirklich Schönes und Harmonisches erlebt zu haben. 1

Freilich, ein trüber Ausklang fehlte nicht; als der Tanz beginnen sollte, brach im Landgrafenhaus der Universität ein schweres Feuer aus, das den Dachstuhl des Gebäudes vernichtete und eine Zeit lang zu einer die ganze Stadt gefährdenden Feuersbrunst zu werden drohte. Davor blieben wir Gott sei Dank! bewahrt, zur Hauptsache wohl, weil ein gewaltiger Gewitterregen mehr Hilfe leistete als die gegenüber dem Feuer mutig, aber ziemlich hilflos kämpfende Feuerwehr.

Zum Schluß des Festes brachte zur Freude aller Teilnehmer der Oberprimaner van Bürck Herrn Studienassessor Sangmeister den Dank der Schüler für das schöne Fest zum Ausdruck, weil er das Hauptverdienst für die Feier beanspruchen konnte, indem er die unermüdliche Arbeit der Organisation geleistet hatte.

Mit besonderer Genugtuung stellten wir nach Abschluß all der Feiern, die die Stadt in aufgeregte Bewegung versetzten, fest, daß Ausschreitungen vonseiten der Schüler nicht vorkamen..

Das Jubiläum gab einigen Freunden der Schule Anlaß, uns durch Geschenke zu er- freuen, die die Klassenräume schmücken sollen: Herr Justizrat Borck schenkte ein schönes Aquarell(Blick auf Marburg von Ockershausen aus), Herr Archivrat Dr. Knetsch einen Holz- schnitt Menzels vom alten Fritz, Herr Prof. Dr. Jakobsthal einen schönen Gipsabguß einer archaischen athenischen Grabstele. 4

Für das innere und äußere Gedeihen der Schule war von Bedeutung, daß mit dem 1. Oktober der Dezernent der Schule im Provinzialschulkollegium, Herr Vizepräsident Dr. Borbein, wegen Erreichung der Altersgrenze aus seinem Amt ausschied. 10 Jahre lang hat er die Schule in nie ermüdender Fürsorge betreut. Alle Bedürfnisse der Schule hat er aufs lebhafteste gefördert, den Unterricht fördernd überwacht und bei Schülern und Lehrern stets den Eindruck des wohlwollenden und gerechten Pflegers hinterlassen. Wir empfanden stets, daß er gerne zu uns kam, und werden des geistreichen Verständnis für alle Fragen des Unterrichts und der Erziehung stets dankbar gedenken.

Sein Nachfolger als Vizepräsident wurde Herr Dr. Sondag, der den Herrn Minister beim Jubiläum vertrat; als Dezernent für die Schule der Oberschulrat Honorarprofessor Dr. Zühlke, der schon am 7. November die Schule einer Revision unterzog. S

Eine für die Schule wichtige Neuerung brachte das kurz vor Weihnachten verab- schiedete neue Beamten-Besoldungsgesetz. a 1.

Durch dasselbe wurden aus der Gesamtzahl der höheren Schulen Preußens 82 Schulen dadurch hervorgehoben, daß sie als besonders bedeutungsvolle bezeichnet werden. Unter ihnen befand sich als einzige staatliche Schule der Provinz das Marburger Philippinum.

Das Ministerium hält mit den im Jahr 1926 ausgeführten Bauarbeiten sein Programm noch nicht für erschöpft: es hatte die Absicht, für eine gründliche Erneuernng der Turnhalle, eine Verlegung des Zeichensaals und Beschaffung von Reserveklassen sowie von Räumen für den naturwissenschaftlichen Unterricht zu sorgen; es ließ auch ein Projekt durch das Bauamt ausarbeiten, mußte dann aber die Pläne wegen der Finanzlage bis auf Weiteres zurückstellen. Doch erhielten wir die Mittel, um ein Badezimmer für die Hausmeisterwohnung und eine Verdunkelungseinrichtung für die Aula einzurichten. Hoffentlich wird es bald möglich sein, die noch ausstehenden Punkte des Bauprogramms auszuführen. Besonders sehnen wir uns