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die Dekane der Fakultäten und sonstige Mitglieder des akademischen Lehrkörpers sowie Ver- treter anderer höherer Schulen der Provinz. Eröffnet wurde der Kommers mit einem Liede, unterbrochen durch ausgezeichnete, dankbar aufgenommene Vorführungen des Schülerturnvereins, alles begleitet von dem vortrefflichen Spiel der Kapelle Pauli. Herr Justizrat Borck begrüßte in längerer, launiger Ansprache die Teilnehmer und besonders die Ehrengäste und sprach besonders den Wunsch aus, daß der jetzt ins Leben getretene Verein der ehemaligen Schüler die Gegenliebe aller Anwesenden finde; er riet, wie ein sorgsamer Gärtner mit der jungen zarten Pflanze zu verfahren und das fleißige Begießen nicht zu vergessen. Ausführlicher ge- dachte er der Lehrer seiner Jugend, dankbare Erinnerung an die Momente unfreiwilligen Humors mischend mit Aeußerungen ehrfurchtsvoller Pietät. Unmittelbar auf seine Rede folgte die Antwort des Direktors, der besonders die Wichtigkeit des Vereins der ehemaligen Schul- angehörigen hervorhob, um den Glauben an den Wert des humanistischen Gymnasiums im Volk zu erhalten; auch teilte er einige Proben aus den eingelaufenen Glückwünschen mit, insbesondere ein Schreiben von Herrn Geheimrat Dr. HIeldmann aus Rinteln und lateinische Hexameter des Gymnasiums in Dillenburg. Der Rektor der Universität, Geheimrat Dr. Busch, widmete dem jetzigen Direktor der Schule freundliche Worte; Herr Geheimrat Dr. Elster sprach über das besonders enge Verhältnis des Gymnasiums zur Universität und die Bindung, die dadurch hergestellt werde, daß der Direktor Vorsitzender des Wissenschaftlichen Prüfungs- amtes sei. Herr Geheimrat Prof. Dr. Hildebrandt fand rauschenden Beifall durch seine Schul- erinnerungen. Als er ein Semesterauszählen vornahm, tauchten besonders unter den älteren Herren— der älteste zählte 104 Semester— dankbar begrüßte Redner auf, unter denen ich Herrn Gymnasialdirektor Dr. Siebert aus Herford, Herrn Geheimrat Dr. Winnenberger aus Frankfurt a. M. und Herrn Pfarrer Weiß aus Hofgeismar besonders nenne. Für die Stimmung des Ganzen war charakteristisch, daß kaum einer etwas davon merkte, daß unterdessen ein schweres Gewitter mit gewaltigem Platzregen über der Stadt niederging.
Besondere Anerkennung fand die IHaltung unserer Schüler, die die Freuden des Festes genossen und doch nicht vergaßen, daß sie die Zufriedenheit der Alten nur durch bescheidenes und würdiges Betragen gewinnen könnten. Um 2 Uhr war das Fest allgemein beendet.
Das schwere Gewitter hatte leider, was man beim Nachhausegehen deutlich empfand, die ersehnte Abkühlung nicht gebracht. Das machte besorgt für den nächsten Tag, vielleicht den schönsten Teil des Festes. Es sollte das althergebrachte, aber durch den Krieg ein- geschlafene Frühlingsfest erneuert werden.
Die Schüler sollten um 2.45 auf dem Schulhof antreten; um 2 Uhr waren die Kleinen schon zur Stelle, ungestört durch den ab und zu einsetzenden Regen, der aber schnell vorüber- zog. Um 3 Uhr wurde abmarschiert, die Kapelle Pauli voran, durch Untergasse, Reitgasse, Barfüßerstraße, Sybelstraße, Lutherstraße zum Dammelsberg, ein wirklich wunderhübscher Zug: voran die Sextaner, dann aufsteigend die anderen Klassen, jede mit Klassenfahnen und Schärpenträgern, und geschlossen von dem langen Zug der alten Philippiner, denen die roten Primanermützen keck genug standen. Auf dem Festplatz gesellten sich zu uns Eltern und Geschwister unserer Schüler, Gönner und Freunde unseres Gymnasiums und die Damen der „Ehemaligen“. Ich glaube, daß auf dem Festplatz weit über 800 Personen vereint waren. Auf dem hübschen Platz verteilte sich alles in Gruppen, ein anmutiges heiteres Bild. Die älteren Schüler zeigten ihre Tüchtigkeit im Lauf, die kleineren errangen Preise durch Ge- schicklichkeit im Topfschlagen und Sacklaufen. Dazwischen eingelegt Tanz für die Größeren, denen die oberen Klassen der Elisabethschule eifrige Partnerinnen stellten. Große Freude weckte bei Alt und Jung die Vorführung der Schulkomödie„Henno“ von Reuchlin, auf die wir durch einen Bericht über eine Jubiläumsfeier aus Nürnberg im humanistischen Gymnasium aufmerksam geworden waren. Sie bot ein Bild vom Betrieb vor 400 Jahren. Der Direktor des„alten Gymnasiums“ in Nürnberg, Herr Dr. Stählin, hatte die Güte, uns 4 Exemplare der Verdeutschung des Stückes zur Verfügung zu stellen. Unsere Primaner, denen einige junge Damen von der Elisabethschule zur Seite standen, entwickelten erstaunliche schau- spielerische Talente.
Wie sehr das Stück auf die Kleinen gewirkt hatte, erlebten wir, als am Donnerstag der Unterricht einsetzte. Im„Henno“ gelingt es einem schlauen Kuecht, die Richter zu täuschen, indem er den Dummen spielt und auf jede Frage nur:„Blöh“ antwortet. Als der


