Jahrgang 
1928
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Wir feierten unser Fest an einer äußerlich und innerlich hervorragenden Stätte, in der durch Peter Jansens Künstlerhand wundervoll geschmückten Universitätsaula. Die hat schon viele glänzende Akte wissenschaftlicher Präsentation erlebt. Das legte Pflichten auf. Dem Nachfolger so vieler Vorgänger macht es Freude festzustellen, daß nach dem Urteil der Festteilnehmer die hohen Ehrungen, die der Schule widerfuhren, mit dem Verlauf des Festes harmonierten.

Unsern kleinsten Teilnehmern mag es ja Mühe gekostet haben, sich ruhig zu ver- halten, aber der wuchtende Geist der Vergangenheit übte denn doch auch hier seine seelen- führende Kraft. Und es ist zu hoffen, daß das Miterleben dieses Festes noch für lange Jahre seine Wirkung ausübt.

Die Feier dauerte im Ganzen 2%¾ Stunden und wurde abgeschlossen mit einem Ge- sang des Schülerchors mit Orchesterbegleitung. Während die Aula sich langsam leerte, ver- teilte Herr Präsident Dr. Borbein an die strahlenden Schüler die ihnen vom Herrn Minister geschenkten Bücher.

Mit dem Festaktus war der wenn man so sagen darf offizielle Teil des Jubiläums vorbei; was nachfolgte, waren Veranstaltungen des Vereins der ehemaligen Gymnasiasten.

Von 3.30 ab fand eine Besichtigung der Schule statt, die für Alt und Jung viel Neues bot. Ueberall war an die Stelle des früheren Einerlei-Grau jetzt farbenfreudige Ausmalung der Flure, Treppen und Klassen getreten. Gegenüber dem Haupteingang war auf hohem Postament die Büste Philipps des Großmütigen aufgestellt. Im ersten Stock birgt das Treppen- haus die Gedenktafel von 1870/71, und von Otto Ubbelohde, dem zu früh von uns geschiedenen ehemaligen Abiturienten, entworfen die Gedenktafel der Opfer des Weltkrieges. Herr Studien- rat Professor Engelhardt gab auf Wunsch die oftbegehrte Erklärung. Außerdem konnte mit Stolz die prächtig ausgemalte und ausgestattete Aula gezeigt werden. Besonders lebhafte Teilnahme fand die Ausstellung der Schülerzeichnungen, die unser Zeichenlehrer, Herr Ober- schullehrer Willgerodt, im Zeichensaal veranstaltet hatte und die bei den älteren Jahrgängen, die vom inneren Wandel der Theorie und Praxis des Zeichenunterrichts nichts ahnten, er- staunte Bewunderung hervorrief. Rührend war, wie sich die Anbänglichkeit an die Schule und Jugendzeit bei manchem Graukopf äußerte: der Eine schlich sich still in sein altes Klassen- zimmer hinein und saß nachdenklich auf dem Platz, den er zuletzt auf der Schule innegehabt hatte; besondere Anziehung übte die alte Aula aus, in der sich jetzt die Räume für den naturwissenschaftlichen Unterricht befinden, dessen reichere Ausstattung gebührende Anerkennung fand, ebenso wie die Schüler- und Unterstützungs- sowie Hilfsbibliothek; viel vermißt wurde der Karzer, den es nicht mehr gibt. Ja, manchen zog es auch ins alte Amtszimmer des Direktors in Erinnerung an den Augenblick, wo er ad audiendum verbum hineinzitiert war. Ein großer Teil unserer Gäste hatte den Wunsch, auf dem Kirchhof den Gräbern der alten Lehrer einen Besuch abzustatten. Herr Studienrat Strippel, selbst alter Schüler, hatte sich keine Mühe verdrießen lassen, alle aufzusuchen. Sie waren mit Kränzen geschmückt, und unsere Sekundaner wußten die Gäste schnell an die von ihnen gesuchte Grabstätte zu führen..

Von 8.15 ab vereinigte der Kommers die Festteilnehmer in den Stadtsälen; die Galerie war von zahlreichen Damen besetzt, von den Wänden herab winkten die Fahnen, an den Säulen hatte Herr Willgerodt Gemälde aufgehängt. Rechts und links der Bühne standen auf Staffeleien zwei Gemälde, die der Schule zum Eigentum überwiesen wurden: ein Bild von Philipp dem Großmütigen, von Herrn Willgerodt nach einem Stich von Lucas Cranach her- gestellt, und ein ausgezeichnetes Porträt Pestalozzis von Herrn Prof. Brunner, ehemals Professor an der Kunstakademie in Kassel, jetzt von der Tochter, Frau Willgerodt, der Schule durch den Verein der ehemaligen Gymnasiasten als Geschenk überwiesen. Von den Schulen waren die 3 Oberklassen zugegen; am Empfangsabend hatten sich die zusammengehörenden Jahr- gänge zusammengefunden. Es war ein hübsches heiteres Bild, wie alles, zum größten Teil mit den alten Klassenmützen geschmückt, sich an den langen Tafeln aneinanderreihte. Unter der Bühne war ein Tisch für die Ehrengäste und die Lehrer reserviert; am anderen Ende des Saals thronte der Kommersleiter, Herr Justizrat Borck. An der Ehrentafel saß der Direktor zwischen dem Vertreter des Herrn Ministers, Herrn Dr. Sondag, und seiner Magnifizenz dem Herrn Rektor. Dazu kamen als offizieller Vertreter des Magistrats, Herr Magistratsrat Dr. Voß,