Jahrgang 
1928
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Der Herr Minister hatte im Vorjahr mit Rücksicht auf das Jubiläum durchgesetzt, dab trotz der schweren finanziellen Bedrängnis des Staates 40 000 RM. für den Einbau einer Sammelheizung und zeitgemäße Einrichtung der Abortanlagen zur Verfügung gestellt wurden; dazu kam noch ein ausreichender Betrag für die künstlerische Ausgestaltung der Aula, des Treppenhauses, der Korridore und zum Teil der Klassen. Als besondere Jubiläumsgabe waren noch bewilligt: 3000 RM. für die naturwissenschaftliche Lehrmittelsammlung, 2000 RM. für die Vervollständigung der Lehrerbibliothek, 300 RM. für Bücherprämien, die am Jubiläumstag an die besten Schüler aller Klassen verliehen wurden, und 600 RM. zur Verfügung des Direktors. Die Stadt Marburg verlieh uns 3000 RM. zur Begründung eines Stipendiums, aus dessen Zinsen Marburger Kinder, die die Schule besuchen, unterstützt werden sollen; außerdem noch 400 RM. Beitrag zu den Unkosten der Festveranstaltungen.

Der Elternbeirat hatte eine Sammlung veranstaltet, die fast 2300 RM. der Schule zur Vertügung stellte.

Der Verein der ehemaligen Schüler hatte aus seinen Mitteln 2000 RM. aufgebracht, über die die Schule nach ihrer Einsicht verfügen sollte.

Die Behring-Werke haben sich bereit erklärt, das der Inflation zum Opfer gefallene von Seiner Exzellenz Herrn Prof. Dr. von Behring beim Deutschen Museum in München begründete Reisestipendium aufzuwerten und dadurch neu zu begründen.

Der ehemalige Schüler Verlagsbuchhändler Braun, in Firma Elwert, hat der Schule zunächst für 10 Jahre alljährlich zu Ostern einen Gutschein zur Verfügung gestellt, der einem von der Schule bezeichneten würdigen Schüler den Bezug von Schulbüchern im Wert von 50 RM. gewährt.

Außerdem hatte Herr Braun mit Hinblick auf das Jubiläum der Schule schon eine Reihe vertvoller Werke, die für die Schul- und Universitätsgeschichte wichtig und hier erschienen waren, geschenkt. Auch verzichtete er, um die Zahl der vom Minister zu verleihenden Prämien zu erhöhen, auf seinen Verdienst.

Im Hinblick auf das Jubiläum hatten uns schon im Etatsjahr 1926, d. h. vor Ostern mit einem großen Geschenk beglückt die Optischen Werke-Wetzlar, indem sie uns einen sehr willkommenen, auch für Unterrichtszwecke reich ausgestatteten Projektionsapparat überwiesen; besonders hilfreich war dabei der Honorarprofessor Herr Dr. Berek.

Eine sehr wertvolle Gabe spendete Herr Pfarrer Happich aus Treysa: das Original- manuskript eines Teiles der Vilmarschen Schulreden.

Außerdem erwiderte der Direktor auf die Begrüßungsreden: Das fiel besonders leicht, da die Redner nicht nur ein amtliches Verhältnis zur Schule hatten, sondern auch ein persönliches: der Vertreter des Herrn Ministers war dem Direktor seit fast 20 Jahren persönlich verbunden, derjenige des Provinzialschulkollegiums mit der Schule als ihr Dezernent seit 10 Jahren eng verwachsen, die Vertreter der kirchlichen Behörden waren meist Schüler des Philippinum gewesen, der Marburger Oberbürgermeister, der Vorsitzende des Elternbeirats, der Vertreter der Marburger Schulen: sie alle waren mit der Schule innerlich verbunden, weil sie Kinder auf der Schule hatten. Dasselbe galt von Seiner Magnifizenz dem Herrn Rektor und Seiner Spektabilität dem Herrn Dekan der Theologischen Fakultät. Aber dies persönliche Verhältnis trat ganz in den Hintergrund gegenüber der historischen Geistesgemeinschaft. In der Universität ist ebensowenig wie in der evangelischen Kirche die Erinnerung verblaßt, daß die Universität und besonders die Theologische Fakultät mit dem Philippinum mehr als mit allen anderen Schulen des Bezirks durch die gemeinsame Entstehung aus dem Geist der Reformation heraus trotz späterer, durch Verwaltungsnotwendigkeiten gebotener Trennung geistig, geistlich, innerlich und organisch verbunden sind.

Alle Begrüßungen, die der Schule dargebracht wurden, waren nicht nur ein Bekenntnis zur alten Schule, sondern auch zum humanistischen Gymnasium. Um so wirkungsvoller war es, daß der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des Gymnasialvereins, der Germanist an der Marburger Universität, Herr Prof. Dr. Wrede das noch besonders zum Ausdruck brachte mit starker Hervorhebung der Verdienste von Direktor Dr. Aly.

Wer die Feier mit erlebt hat, ist von ihr fortgegangen mit dem Eindruck, daß die Idee des humanistischen Gymnasiums, das hier sein 400 jähriges Jubiläum feiert, auch heute noch seine Kraft besitzt, hier ist der Wille noch stark, die Tradition lebendig zu erhalten.