Jahrgang 
1928
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Aber mit Rücksicht auf die Feiern des nächsten Tages, des Montags, als des Haupt- festtages, schied man voneinander zur gemessenen Zeit.

Dieser Montag brachte den feierlichen Festakt.

Um 9.30 traten die Schüler auf dem Schulhof zusammen; zu ihnen gesellten sich in großer Anzahl die früheren Schüler, um dann im geschlossenen Zug zur Universität zu ziehen. Der wundervolle Raum war ganz gefüllt; er bot durch die Mischung von Jugend und Alter ein reizvolles Bild, anders als bei den Festakten der Universität, wo das festliche Bild des akademischen Lehrkörpers zusammen mit den Chargierten der Verbindungen ein imponierendes Gemälde darstellt, aber sicherlich nicht weniger anmutig. Der akademische Senat hatte für die Zeit der Feier freigestellt, die Vorlesungen ausfallen zu lassen. Dem war Folge gegeben. So hatte die Schule das Reich für sich, freilich nicht isoliert: zu ihr hatten sich als Festteil- nehmer gesellt eine Korona, wie sie wohl selten eine Schule aufweisen kann. Die Staats- behörden waren durch einen Vertreter des Ministers und des Provinzialschulkollegiums vertreten, ebenso die evangelische Kirche, die sich bewußt war, mit der Schule durch denselben schöpferischen Akt verbunden zu sein; die Universität, die zugleich Gastgeberin war, war repräsentiert durch seine Magnifizenz den Herrn Rektor und die Dekane der vier Fakultäten sowie durch zahlreiche Mitglieder des Lehrkörpers; die Stadt war vertreten, die Spitzen der Behörden, die Lehrer- kollegien der höheren und Volksschulen, mit denen immer ein harmonisches Verhältnis bestanden hat, waren erschienen; die Geistlichen der Stadt waren wohl ausnahmslos zugegen, um auch äußerlich zu betätigen, daß das Philippinum zur Geistlichkeit immer ein besonderes Verhältnis gehabt hat. Außerdem hatte sich noch eine reiche Zahl prominenter Gäste eingefunden, aus denen besonders hervorgehoben werden mögen viele hier im Ruhestande lebende Mitglieder der Militär- und Zivilverwaltung, unter denen der Führer der siebenten Armee im Weltkriege, Herr Generaloberst v. Schubert, für alle anderen genannt sein soll.

Die Feier begann in der üblichen Form des Schulaktus mit einem von der ganzen 7 8 8 Festgemeinde gesungenen Choral.

Dann konnten wir etwas Besonderes bieten durch ein Vorspiel, das der Studienassessor Herr Dr. Gramsch, der an der Schule seine pädagogische Ausbildung gefunden hatte und auch bei uns eine Zeit lang als Hilfslehrer tätig war, gedichtet hatte.

Dann folgte die Festrede des Direktors, die ein Bild von der Entwicklung der Schule gab mit besonderer Hervorhebung der epochalen Momente, der Gründung von 1527 und der Reform von 1833, mit besonderer Würdigung der Tat Philipps des Großmütigen und Dr. August Vilmars ¹).

Sodann kamen die Gratulanten zum Jubelfeste zu Worte: zuerst der Vertreter des Herrn Ministers, Herr Oberschulrat Dr. Sondag, der Provinzialreferent für Hessen-Nassau, dann der Dezernent für die Schule im Provinzialschulkollegium, Herr Vizepräsident Geheimrat Dr. Borbein, dann der Rektor der Universität, Seine Magnifizenz Herr Geheimrat Professor Dr. Busch. Eine ganz singuläre Weihe erhielt die Feier dadurch, daß das Jubiläum der Schule von der Hohen Theologischen Fakultät zum Anlaß benutzt wurde, dem Geheimen Studienrat Prof. Hüpeden in Kassel als dem langjährigen verdienstvollen Führer der Vereinigung der Religionslehrer an den höheren Schulen in der Provinz Hessen-Nassau, die Würde eines Doktors der Theologie zu verleihen. Der Dekan der Theologischen Fakultät Herr Professor Freiherr v. Soden gab dem feierlichen Akt eine auch für das Philippinum ehrende Gestalt. Herr Geheimrat D. Hüpeden dankte in einer Rede. Für die Kirchenbehörde sprach dann Herr Generalsuperintendent D. Dettmering. Dann kam der Oberbürgermeister der Stadt Marburg Herr Müller zu Wort, dann als Vertreter der Marburger Schulen der Direktor der Elisabethschule Herr Dr. Schneider, dann der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des Gymnasialvereins Prof. Dr. Wrede, sodann der Vorsitzende des Elternbeirats Herr Oberst v. Bartenwerffer, Herr Superintendent Landau als Vertreter der früheren Schüler und zugleich des geistlichen Ministeriums der Stadt sowie als Vertreter der jetzigen Schülerschaft der Vertrauensmann der Oberprima van Bürck.

Sodann dankte der Direktor für die der Schule bewiesenen Ehrungen und besonders für die verliehenen Gaben.

1) Die Festrede ist in der Reihe derMarburger Universitätsreden im Elwert'schen Verlag erschienen.