Jahrgang 
1915
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übergab sie ihm der Unterzeichnete in einer der üblichen Andachten und teilte dabei den Schülern die Begründung der Stiftung mit. Zu unserer Freude konnte Herr Stud. Hensel, der damals aus dem Feldzug heimgekehrt war, an der Andacht teilnehmen. Allen Spendern sei auch hier herzlich gedankt. Die zahlreichen früheren Schüler der Anstalt haben durch die Stiftung Gelegenheit, ihre Dankbarkeit zu betätigen. Der Unterzeichnete ist zur Annahme von Spenden gern bereit.

Noch eines dritten Beweises treuer Dankbarkeit ist hier zu gedenken: Herr Geh. Justizrat Dr. K. Dickel in Charlottenburg, Universitäts- und Forstakademieprofessor der Rechte Abiturient Ostern 1874 hat das 3. Heft seines WerkesRechtsfälle(Berlin 1915) demAndenken seines Lehrers der alten Sprachen, des Gymnasiallehrers zu Marburg a. L., späteren Schulrats, Geheimen Regierungsrats Dr. Julius Rothfuchs gewidmet. Es heißt im Vorwort:NMit besonderer Freude widme ich diese Schrift dem Andenken meines geliebten Lehrers Dr. Rothfuchs. Seine ungewöhnliche Lehrbegabung gereichte mir zum dauernden Segen. Seine geradezu künstlerische Vereinigung von Liebe und Mannszucht in unermüSdlicher Fürsorge waren mir immer ein leuchtendes Vorbild. Die von Rothfuchs geleiteten Stunden im Griechischen gehören zu den schönsten Stunden meiner von Liebe und Glück getragenen herrlichen Jugendzeit!

Die Ruhe der Sommerferien, die am 17. Juli begonnen hatten, wurde jäh gestört durch den gewaltigen Krieg., der uns ruchlos von unsern Feinden aufgezwungen wurde. Die meisten Lehrer und Schüler eilten noch vor Beginn der Mobilmachung nach Hause zurück. Auch unter unseren Schülern herrschte eine Begeisterung, die unvergeblich bleiben wird. Die Primaner, die ins Heer einzutreten wünschten, konnten den Erlaß, der die Notreifeprüfung anordnete, kaum erwarten und fürchteten zu spät zu kommen. Nach Eingang des Erlasses er- gaben sich mannigfache Schwierigkeiten, da einige nach Osten und Norden verreiste Lehrer noch nicht zurückgekehrt waren und nach eingetretener Mobilmachung nur unter Uberwindung großer Schwierigkeiten nach Marburg gelangen konnten und einige auswärtige Schüler nur mit Mühe zu erreichen waren. Es haben 4 Prüfungenstattgefunden, alle unter dem Vorsitz des Direktors. Die erste, nur mündliche Prüfung der Schüler, die der Prima mindestens im 4. Halbjahr angehörten, fand am 7. August statt; alle 4 Prüflinge konnten das Zeugnis erhalten. Darauf wurden vom 10. 13. August 20 Primaner mündlich und schriftlich geprüft; sie erhielten ebenfalls das Zeugnis. Eine dritte Prüfung fand am 28., 29. und 31. August statt; von den zwei Prüflingen mußte einem das Zeugnis versagt werden. Schließlich wurde noch ein früherer Schüler, der Oberjäger J. Matthaei, der verwundet aus dem Felde heimgekehrt war, zur Prüfung über- wiesen; zu unserer Freude konnte ihm das Zeugnis erteilt werden.

Alle Abiturienten sind, soweit hier bekannt, außer einem in den Heeresdienst auf- genommen worden, drei von ihnen, Karl Steubing, Martin Lotz und Leopold Kraus, haben ihre Treue zu Kaiser und Reich mit ihrem Tode besiegelt. Aus der Unterprima sind Alfred Holle, Hans Jenner, Albrecht Schmidt, Albert Walter und Werner Wenzel, aus der Obersekunda Hans Koch und Ernst Meyer, aus der Untersekunda Willy Ottens und Lothar Schneider, alle mit dem Zeugnis der nächsthöheren Klasse, ins Heer eingetreten. Von ihnen ist A. Walter in Flandern den Heldentod gestorben.

Wie viele frühere Schüler im Felde stehen, wird sich erst nach dem Ende des Krieges feststellen lassen. Der Unterzeichnete bittet auch hier um Mitteilungen, um später eingehend berichten zu können. Zu den früheren Schülern gehört auch Seine Excellenz der General der Infanterie Frhr. Reinhard von Scheffer-Boyadel, der in den Kämpfen im Osten den Orden pour le mérite erhalten hat. Viele andere haben das Eiserne Kreuz erworben, aber auch viele den Tod für Kaiser und Reich erlitten. Wir haben der gefallenen Helden jedesmal nach dem Bekanntwerden des Todes in der Morgenandacht ehrenvoll gedacht und sie den jetzigen Schülern als leuchtendes Vorbild hingestellt.

Solange die Ferien dauerten, leisteten unsere Schüler mancherlei nützliche Dienste in der Stadt wie auf dem Lande, und auch nach Wiederbeginn der Schule haben sie nach Kräften für das Vaterland zu wirken gesucht. So haben an denHilfsverein Deutscher Frauen zum Besten der Kinder im Felde stehender Männer bisher durch Verkauf des Schriftchens Weltkrieg! Kriegs- und Ruhmesblätter an Schüler und deren Bekannte etwa 400 Mark ab- geliefert werden können. Die Ende Februar begonnene Goldsammlung, bei der sich grade die