Jahrgang 
1913
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Hermann Emil Oskar Elste wurde geboren am 28. Januar 1858 in Merseburg. Seine wissenschaftliche Vorbildung erhielt er auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt, das er Ostern 1878 mit dem Zeugnis der Reife verließ, um in Halle und Berlin klassische Philologie und Geschichte zu studieren. Im März 1882 wurde er von der philosophischen Fakultät der Universität Halle zum Doktor promoviert und bestand daselbst im Juni 1883 das Examen pro foc. doc. Vom 1. Oktober 1883 bis 1. Oktober 1884 genügte er seiner Dienst- pflicht im Garde-Schützenbataillon in Berlin. Nach Absolvierung des Probejahres am Gym- nasium zu Merseburg war er als freiwilliger Hilfslehrer daselbst, und dann als wissenschaft- licher Lehrer an höheren Knabenschulen in Melsungen und Zoppot tätig. Von dort wurde er Pfngsten 1888 als Hilfslehrer an das Kgl. Gymnasium in Saarbrücken berufen. Ostern 1890 wurde er, unter Beförderung zum ordentl. Lehrer, an das Kgl. Progymnasium in Trarbach versetzt und hat an dieser, 1895 zum Vollgymnasium ausgebauten Anstalt 22 ½ Jahre gewirkt. Am 1. Oktober 1912 erfolgte seine Versetzung an das Kgl. Gymnasium Philippinum in Marburg. Im Druck erschienen von ihm 1. Dedum' particulae usu Plautino; Dissertat. Halle 1882. 2. Die Glaubwürdigkeit Plutarchs im Leben Kimons; Beilage zum Osterprogr. Trarbach 1898. 1888 wurde er zum Leutnant d. R. des Rhein. Jägerbataillons Nr. 8 und 1896 zum Ober- leutnant der Landwehr-Jäger befördert. 1904 wurde ihm auf seinen Antrag der Abschied aus dem aktiven Militärverhältnis bewilligt.

Am 18. Oktober trat der Kandidat des höheren Lehramts Herr Dr. Theodor H eukrath hierselbst sein Probejahr an.

Am 31. Oktober wurde das Reformationsfest in gewohnter Weise gefeiert. Herr Ober- lehrer Dr. Klee hielt einen Vortrag über Renaissance und Reformation.

Am 11. Januar wurde der langjährige Leiter unserer Anstalt, Herr Gymnasialdirektor Professor Dr. Friedrich Aly, von einem Schlaganfall betroffen und entschlief nach kurzem Krankenlager, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu habon, am 16. d. M. im 61. fast vollendeten Lebensjahre. Das Lehrerkollegium ehrte seine Verdienste um das Gymnasium in folgendem Nachruf:

Heute früh verschied nach kurzem, schwerem Leiden der langjährige Direktor unserer Anstalt, Herr Professor Dr. Friedrich Aly. Das Gymnasium Philippinum betrauert in dem Entschlafenen einen hervorragenden Leiter von großer wissenschaftlicher Tüchtigkeit, das Lehrer- kollegium einen gerechten Vorgesetzten und sachverständigen Berater, die Schüler einen erfolg- reichen und wohlwollenden Lehrer, der ihnen durch seine Pffichttreue und Gewissenhaftigkeit alle- zeit ein leuchtendes Vorbild war. Sein Andenken wird von uns immer in Ehren gehalten werden.

Nachdem der Unterricht, so lange sich die sterbliche Hülle des Verstorbenen im Gymnasialgebäude befand, ausgesetzt worden war, fand bei dem in der Aula aufgebahrten Sarge am 18. Januar eine Totenfeier statt, die durch das Lied:Jesus, meine Zuversicht eingeleitet wurde. Darauf hielt Herr Pfarrer Eisenberg folgende Rede, in der er besonders die Gottesfurcht des Dahingeschiedenen und die Liebe zu seinen Schülern hervorhob.

Offenb. Joh. 14, 13. Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, von nun an. Ja, der Geist spricht, daß sie ruhen von ihrer Arbeit; denn ihre Werke folgen ihnen nach.

In dem Herrn geliebte Trauerversammlung!Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen. Wie lebendig ist uns allen die Wahrheit dieses Wortes durch das Sterben, das uns hier zusammengeführt hat, wieder vor die Seele getreten. Als es heute vor 8 Tagen hieß:Direktor Aly ist ein sterbender Mann, da ging es wie ein tiefes Erschrecken nicht nur durch dieses Haus, sondern durch die ganze Stadt. Man konnte es sich zuerst so gar nicht vorstellen, daß dieser kraftvolle Mann, der gewohnt war, das Leben so mit beiden Händen zu fassen und zu halten, nun plötzlich nicht mehr sein sollte. Aber nun zeigt uns sein Sarg, um den wir hier versammelt sind, daß es Wahrheit geworden, daß er nicht mehr unter uns ist. Man muß sich damit erst abfinden. Das gilt nicht nur von der, die als seine treue Lebensgefährtin durch dieses Sterben so viel verliert, daß sie sich noch gar nicht denken kann, wie es nun weiter gehen soll; das gilt von manchem Kreis, der gewohnt war, in dem Ver- storbenen seinen Mittelpunkt zu sehen.