Jahrgang 
1913
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III. Chronik des Gymnasiums.

Das Sommerhalbjahr begann am 16. April 1911 mit der Einführung des Herrn Professor Dr. v. Spindler, der an die Stelle des zu Michaelis 1911 als Direktor an das Gymnasium zu Corbach versetzten Professors Armbröster tritt, und der Herren Kandidaten Richard Friedrich und Dr. Adolf Steinbrecher. Die Vertretung des auch ferner beur- laubten Herrn Professors Dr. Brackmann behielt Herr Dr. Gotthold Schmidt.

Professor Dr. Hermann v. Spindler, geboren am 29. Juni 1863 zu Hofgeismar, besuchte als Schüler das Kgl. Gymnasium zu Marburg. Er bezog Ostern 1882 die Universität daselbst und widmete sich in Marburg und Berlin dem Studium der klassischen Philologie und Geschichte. Nachdem er im Februar 1888 das Staatsexamen bestanden, leistete er sein Probejahr von Ostern 1888 auf 89 am Gymnasium zu Marburg ab. In demselben Jahre wurde er auf Grund einer Dissertation über Properz zum Dr. phil. promoviert. Er war dann als Privatlehrer in Allendorf a. W., als Hilfslehrer in Frankfurt a. M., Marburg und Schmalkalden tätig, bis die Anstellung als Oberlehrer am Gymnasium zu Corbach i. W. am 1. Oktober 1900 erfolgte. Von da wurde er, nachdem er 1907 den Professortitel erhalten, Ostern 1912 an das Kgl. Gymnasium Philippinum zu Marburg versetzt.

Herr Professor Stange war bis zum 3. Mai zu einer militärischen libung eingezogen. Seine Unterrichtsstunden wurden unter das Lehrerkollegium verteilt.

Zu Beginn der Osterferien erkrankte Herr Professor Dr. Wilhelmi. Er wurde bis zu den Sommerferien beurlaubt und seine Vertretung dem Probekandidaten Dr. Karl Heiler übertragen. Indeß sollte es Herrn Professor Wilhelmi nicht beschieden sein, in sein Amt zurückzukehren. In der Morgenfrühe des zweiten Pfingsttages nahm ihn in Wildungen, wo er Heilung von einem beschwerlichen, aber scheinbar nicht lebenbedrohenden Leiden gesucht hatte, ein sanfter Tod hinweg. Ein Leben, reich an Arbeit und darum reichgesegnet, lag hinter ihm, ein Leben, das ganz in den Dienst der Schule gestellt war. Jahre wohlverdienten Ausruhens, die er in nicht allzu ferner Zeit für sich erhofft hatte, waren ihm nicht mehr ver- gönnt. Sein ganzes Leben hat Professor Wilhelmi in Hessen-Nassau, seiner Heimatprovinz, an der er mit Liebe hing, verbracht, und abgesehen von kurzer Dienstleistung in Frankfurt hat seine Tätigkeit allein dem hiesigen Gymnasium gehört. Ostern 1875 kam er nach Marburg, uud hier hat er weit über ein Menschenalter, 37 Jahre, in erfolgreicher Hingabe an seinen Beruf gewirkt. Zahlreiche Geschlechter von Schülern sind durch seine Hände gegangen. Er war ihnen ein treuer und wohlmeinender Erzieher und Lehrer, ein Vorbild nie ermattender Pflichterfüllung. Das Andenken des zu früh geschiedenen Mannes, der seinen Mitarbeitern ein lieber Amtsgenosse war, wird in Ehren fortleben.

Am 21. Mai revidierte Herr Provinzialschulrat Kanzow die Anstalt.

Vom 4. bis 7. Juni war Herr Oberlehrer Dr. Ahrens zum archäologischen Ferien- kursus in Trier beurlaubt.

Am 18. Juni wurde der Gesangunterricht von Herrn Professor Thiel aus Charlotten- burg einer Revision unterzogen.

Wegen großer Hitze fiel der Unterricht an zwei Julitagen nach der 4. Unterrichts- stunde aus.

Am 2. September wurde das Sedanfest in der Aula durch eine patriotische Ansprache des Direktors und Gesang gefeiert. Weil an diesem Tage schlechtes Wetter war, wurde die sich sonst daran anschließende mit einem Schauturnen verbundene Feier auf Spiegelslust auf den 19. September verschoben.

Mit Schluß des Sommerhalbjahres schieden die Herren Dr. Heiler und Treut aus, jener um an das Realgymnasium zu Wiesbaden, dieser um an das Goethe-Gymnasium zu Frankfurt a. M. überzutreten. Beiden sei für ihre Arbeit herzlich gedankt.

Am 1. Oktober wurde der vom Kgl. Gymnasium zu Trarbach an unsere Anstalt an

die Stelle des Herrn Professor Wilhelmi berufene Professor Dr. Elste in seinen neuen Wirkungs- kreis eingeführt.