Jahrgang 
1900
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Mit dem Schluss des Sommerhalbjahrs beendete der Wiss. Hilfslehrer Franz Pellens seine Thätigkeit am Gymnasium.

Zu gleicher Zeit löste der unterz. Direktor die von ihm seit 14 ½ Jahren als Privat- anstalt geleitete Vorschule auf, nachdem die Stadt Marburg für die hiesigen beiden höheren Schulen, das Gymnasium und die Oberrealschule, eine städtische Vorschule gegründet hatte, und entliess Lehrer und Schüler derselben am 23. September in einer feierlichen Schlussandacht.

Die Herbstferien dauerten vom, 23. September bis zum 9. Oktober.

Montag den 9. Oktober fand die Aufnahmeprüfung, Dienstag den 10. Oktober die Er- öffnung des Wintersemesters in herkömmlicher Weise durch eine gemeinsame Andacht, durch Verlesung und Erläuterung der Schulordnung, sowie durch die Verpflichtung und Auf- nahme von 6 neu eintretenden Schülern statt.

Am gleichen Tage begann der neu ernannte Oberlehrer Gustav Rath:) seine Lehr- thätigkeit am hiesigen Gymnasium und wurde nach der Andacht den Lehrern und Schülern von dem Direktor vorgestellt.

Mit dem Anfang des Wintersemesters sah sich der unterzeichnete Direktor genötigt, mit Rücksicht auf seinen leidenden Gesundheitszustand, für das nächste Vierteljahr dem Unterricht zu entsagen. Mit Genehmigung des K. Prov.-Schulkollegiums übernahm der Prof. Loeber seine griechischen Stunden in Oberprima, unter gleichzeitiger Erleichternng dadurch, dass Oberlehrer Dr. Euler mit dessen Geschichtsstunden in Oberprima beauftragt wurde. Die Direktorialgeschäfte aber versah der Direktor noch weiter.

In derselben Andacht wurde auch der Kandidat des höheren Lehramts, Heinrich Hofmann**), welcher dem Gymnasium zur Ableistung seines pädagogischen Probejahres zu- gewiesen war, durch den Direktor in seine hiesige Thätigkeit eingeführt.

Nach der Andacht bei der Eröffnung der Schule fielen die Lehrstunden des betr. Tages sämtlich aus, um dem Lehrerkollegium Gelegenheit zu geben, auf Einladung der städtischen Behörden an der Einweihung des neuen prachtvollen Oberrealschulgebäudes und an den sich anschliessenden Festlichkeiten teilzunehmen.

*) Gustav Rath, geb. den 4. Mai 1858 zu Nordhausen, evangelischer Konfession, studierte, nachdem er das dortige Gymnasium absolviert, von Ostern 1881 ab auf den Universitäten Halle, Leipzig und Marburg Geschichte. Erdkunde und Theologie. Im Herbst 1888 bestand er zu Marburg die Prüfung pro facultate docendi und erwarb sich durch diese, sowie durch mehrere Erweiterungsprüfungen die erforderliche Lehrbefähigung in Religion, Hebräisch, Geographie und Geschichte. Seit dem 20. September 1888 leistete er sein Probejahr an der Realschule zu Wiesbaden ab, besuchte alsdann das Grossherzogl. Päd. Seminar zu Giessen, vertrat am dortigen Gymnasium eingezogene Lehrer und war darauf längere Zeit Leiter der Marienschule zu Garding in Schleswig. Nachdem er zu Cassel an einer Militärvorbildungsanstalt und an der Oberrealschule beschäftigt gewesen, wurde er von der Königl, Regierung zu Stade zum Rektor der Mittelschule zu Rotenburg(Prov. Hannover) ernannt, woselbst er gleichzeitig an der Landwirtschaftl. Kreis-Winterschule thätig war. Zuletzt wirkte er als wiss. Hilfslehrer an der Realschule zu Ems und wurde durch Verf. des K. Prov.-Schulkollegiums zu Cassel vom 7. Juli 1899 zum Oberlehrer am Kgl. Gymnasium dahier ernannt.

**) Heinrich Hofmann, geb. am 21. März 1872 zu Hattenbach(Kreis Hersfeld), evangel. Konfession, besuchte das Gymnasium zu Hersfeld und studierte nach Ablegung der Reifeprüfung in Marburg und Berlin Theo- logie. Nachdem er dann einige Zeit im praktischen Pfarrdienst, ferner ein Jahr lang als Lehrer an der Realschule zu Gnadenfrei i. Sch. zugebracht hatte, bestand er im Herbst 1898 zu Marburg das Oberlehrerexamen und wurde behufs Ablegung des Seminarjahres dem K. Wilhelmsgymnasium zu Cassel zugewiesen. Im Herbst 1899 überwies ihn das K. Prov.-Schulkollegium zu Cassel als Probanden dem Gymnasium zu Marburg.