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Der städtische Lehrer Gorell, welcher nun schon seit längerer Zeit den Gesangunter- richt unserer Anstalt leitete, wurde gleich bei Beginn der Schule von schwerer Krankheit heim- gesucht, die ihn das ganze Vierteljahr vom Unterricht fernhielt. Seine Vertretung übernahm in freundlicher Weise der Lehrer der höheren Töchterschule Heinrich Dörbecker, welcher uns schon früher einmal in ähnlicher Verlegenheit ausgeholfen hatte.(S. über ihn das Anstalts- programm von 1897, S. 24!)
Des 18. Oktober, als des Geburtstages des Höchstseligen Kaisers Friedrichs III. wurde von den Ordinarien in allen Klassen gedacht.
Dienstag den 31. Oktober wurde der ÜUnterricht aller Klassen um 10 Uhr vormittags geschlossen. Hierauf versammelten sich die evangelischen Lehrer und Schüler in der Aula, um in der üblichen Weise durch Bibelwort, Gebet und Gesang eine Gedenkfeier der Reformation zu begehen. Die Andacht über die wichtigsten Grundsätze der Reformation hielt der Professor Pfarrer Vogt. Am Schluss der Feier verteilte der Direktor 10 auf Anordnung Sr. Majestät von dem Herrn Kultusminister zur Verteilung an würdige evangelische Schüler überschickte Exemplare der„Urkunde über die Einweihung der evangelischen Erlöserkirche zu Jerusalem“ an die von der Lehrerkonferenz ausgewählten Schüler. Es waren dies Andreas Albrecht(I 1), Karl Harth(I 2), Hans Kreckwitz(II 1), Walther Böckel(II 2), Ernst Schäfer(III 1), Otto Könnecke(III 2 a), Wilhelm Strippel(III 2 b), Adolf Heermann(IV), Her- mann Holle(V) und Heinrich Henkel(VI).
Am 9. November beging der unterz. Direktor die Wiederkehr des Tages, an welchem er vor 50 Jahren in das Lehramt eingetreten war. Der Jubilar hatte sich alle grossartigen und geräuschvollen Veranstaltungen(wie Festessen, auswärtige Deputationen u. dergl.) verbeten, aber gerade deshalb gestaltete sich die Feier um so schöner zu einem erhebenden Schul- und Familienfest. Nachdem schon in der Frühe des Tages ein Quartett der Primaner und ein von einem Ausschuss früherer Schüler veranstaltetes Musikständchen der Jägerkapelle den festlichen Tag eingeleitet hatten, begann um 9 ½ Uhr die nicht öffentliche Schulfeier, zu welcher der Direktor, abgeholt von den beiden ältesten Lehrern, sich in feierlichem Zuge mit seinen Geschwistern und Kindern zur festlich geschmückten Aula begab, dort empfangen durch einen Psalm des Sängerchors. Nach einem Bibelwort und Gebet des Religionslehrers der Anstalt ergriff der Departementsrat des K. Prov.-Schulkollegiums Herr Geh. Rat D. Dr. Lahmeyer aus Cassel das Wort, um die Glückwünsche der vorgesetzten Behörden und die von Sr. Majestät dem Jubilar verliehene Ernennung zum Geheimen Regierungsrat zu verkünden. Nachdem so- dann der älteste Lehrer Herr Prof. Dr. Weidenmüller der Teilnahme des Lehrerkollegiums warmen Ausdruck gegeben hatte, trat der Primus omnium Hans Niese hervor und überreichte dem Direktor im Namen der Schüler eine Urkunde, durch welche sie dem Jubilar einen von ihnen gesammelten Beitrag von 350 Mark zur Erweiterung eines an der Anstalt bestehenden Stipendiums zur Verfügung stellten. Nachdem hierauf der Gefeierte für alle diese Zeichen der Anerkennung und Verehrung in tief empfundenen Worten gedankt und einige Erinnerungen aus seinem langen Lehrerleben gegeben hatte, schloss die schöne Feier mit gemeinsamem Choralgesang und dem von dem Direktor ausgebrachten Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und König. Unzählige freund- liche Kundgebungen seitens der Behörden unserer Stadt, seitens der Lehrerkollegien sämtlicher höherer Schulen der Provinz, sowie zahlreicher früherer Schüler, Verwandten und Freunde voll- zogen sich nunmehr im Familienkreise in der Wohnung des Jubilars, der auch an dieser Stelle für all diese Liebe und Anhänglichkeit nochmals von ganzem Herzen dankt.


