Jahrgang 
1899
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25 dem Oberl. Dr. Schäfer II bis auf Weiteres übertragen hatte, die Uberlieferung der Kasse an den neuen provisorischen Rendanten statt.

Sonntag den 18. September begingen die evangelischen Lehrer gemeinsam mit den konfirmierten Schülern dem Herkommen gemäss je nach ihrer Konfession in der reformierten und lutherischen Kirche die Feier des heiligen Abendmahls.

Um den Schülern den Anblick eines Manövers der in unserer Nähe übenden 21. Division zu ermöglichen, wurde ihnen am 20. September freigegeben.

Wegen allzu grosser Hitze wurde während des Sommerhalt Bjahres an 10 Tagen und zwar am 4. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 22. 23. August, sowie am 9. September in den Nachmittag- stunden, und wo nötig auch von 11 12 Uhr vormittags der Unterricht ausgesetzt.

Mit dem Schluss des Sommersemesters beendigten die 3 Probekandidaten Hermann Kunisch, Dr. Wilhelm Vilmar und Dr. Heinrich Weber ihr pädagogisches Probe- jahr und wurden in der Schlussandacht des 24. September mit den besten Wünschen für ihre fernere Laufbahn aus dem Verbande der Anstalt entlassen.

Die Herbstferien dauerten vom 25. September bis zum 9. Oktober.

Montag den 10. Oktober fand die Aufnahmeprüfung, Dienstag den 11. Oktober die Er- öffnung des Wintersemesters in herkömmlicher Weise durch eine gemeinsame Andacht, durch Verlesung und Erläuterung der Schulordnung, sowie durch die Verpflichtung und Aufnahme von 5 neu eintretenden Schülern statt.

Da mit dem gleichen Tage erfreulicher Weise der Professor Hohenthal seine volle Lehrthätigkeit wieder aufnehmen konnte, so durften wir uns wohl der Hoffnung hingeben, dass, abgesehen von der notwendigen Vertretung für den beurlaubten Zeichenlehrer Witt, nunmehr der regelmässige Unterrichtsbetrieb an der Anstalt endlich wieder beginnen könnte. Allein die Zeit schwerer Bedrängnis sollte noch nicht zu Ende sein. Denn gleich von Beginn des Wintersemesters an musste der Oberlehrer Dr. Schäfer l zunächst für 3 Tage, und nachdem er sodann vom 13. bis 23. Oktober mit grosser Anstrengung zu unterrichten versucht hatte, vom 24. Oktober an dauernd seine Lehrthätigkeit einstellen. Da aber gleichzeitig auch Oberlehrer Stange vom 13. bis zum 22. Oktober wegen Erkrankung seinen Unterricht aussetzen musste und endlich vom 31. Oktober an auch der Oberlehrer Reinhard, von einer hartnäckigen Influenza ergriffen, für längere Zeit an das Bett gefesselt war, so stieg die Not auf das höchste, und der Unterricht konnte bei aller anerkennenswerten Opferwilligkeit der übrigen Kollegen nicht mehr in auch nur einigermassen vollständiger Weise erteilt werden.

Am 27. Oktober, als am Tage der Urwahlen zum Landtag der Monarchie, wurde infolge Ermächtigung der vorgesetzten Behörde der Unterricht von 9 Uhr vormittags an ausgesetat.

Montag den 31. Oktober wurde der Unterricht aller Klassen um 10 Uhr vormittags geschlossen. Hierauf versammelten sich die evangelischen Lehrer und Schüler in der Aula, um in der üblichen Weise durch Bibelwort, Gebet und Gesang eine Gedenkfeier der Reformation zu begehen. Die Festrede über die Frage:»Wie wurde Martin Luther zum Reformator?« hielt der Professor Loeber.

Der oben geschilderte durch die Abwesenheit zweier Lehrer herbeigeführte Zustand konnte ohne den grössten Nachteil für die Schüler nicht für eine längere Zeitdauer ertragen werden. Sobald sich daher herausstellte, dass der Oberlehrer Dr. Schäfer l für längere Zeit dienstun- fähig sein würde und dies durch ein ärztliches Zeugnis festgestellt war, wurde der Dr. Schäfer vom Kgl. Provinzial-Schulkollegium bis zum 23. Decbr. beurlaubt und zunächst für ihn eine Ver-