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tretung in der Weise beschafft, dass der Kandidat des höheren Schulamts Eduard Hauck:), welcher seit Michaelis 1898 als Wiss. Hilfslehrer an der Oberrealschule i. E. dahier beschäftigt war, den französischen Unterricht des Dr. Schäfer in 5 Klassen übernahm, während der am Gymnasium noch mit einigen Stunden beschäftigte Wiss. Hilfslehrer Karl Lorch mit dem griechischen Unterricht in Obertertia beauftragt wurde. Diese Einrichtung trat mit dem 7. November ins Leben.
Da die Krankheit des Oberlehrers Reinhard in nicht zu ferner Zeit eine Besserung hoffen liess, so wurde, um die Schüler nicht zu sehr leiden zu lassen, von Ende November an dessen mathematischer Unterricht wenigstens zum Teil den beiden andern Mathematiklehrern übertragen, dagegen mussten die physikalischen und naturwissenschaftlichen Stunden desselben vorerst ausfallen. Dasselbe geschah mit einigen Stunden des Prof. Vogt, der vom 24. Nov. an infolge einer Operation für längere Zeit aussetzen musste, ebenso mit mehreren Stunden des Oberl. Dr. Euler, der zu Anfang December krank wurde. So befand sich die Anstalt abermals in der grössten Bedrängnis..
In der Schlussandacht des 19. November gedachte der Direktor unter Hinweis auf das bevorstehende kirchliche Totenfest der in dem verflossenen Kirchenjahr heimgegangenen früheren Schüler des Gymnasiums.
Am ersten December gelangte zur Kenntnis ein Allerhöchster Erlass Sr. Majestät des Kaisers und Königs, durch welchen dem Prof. Hohenthal der Rang der Räte 4. Klasse verliehen wird.
Montag den 12. December veranstaltete der unter den Schülern bestehende und von Herrn Musikmeister a. D. Noack geleitete Musikverein in der Aula eine musikalische Abend- unterhaltung, welche bei den zahlreich erschienenen Zuhörern sich grossen Beifalls erfreute.
Am Abend des 22. December wurde, wie alljährlich, in der mit zwei brennenden Christ- bäumen geschmückten Aula durch den Religionslehrer Professor Pfr. Vogt eine liturgische Weihnachtsandacht abgehalten.— Die vierzehntägigen Weihnachtsferien dauerten vom 23. December 1898 mittags bis zum 6. Januar 1899.
Mit dem Schluss des Jahres schied der Zeichenlehrer August Witt, nachdem ihm das K. Prov. Schulkollegium die von ihm seines leidenden Gesundheitszustandes wegen erbetene Versetzung in den Ruhestand unter besonderer Anerkennung der von ihm in den nahezu 9 Jahren seiner hiesigen Amtsthätigkeit geleisteten treuen Dienste schon unter dem 24. August für den 1. Januar 1899 gewährt hatte, aus dem Verbande unserer Anstalt. Auch der unterz. Direktor kann es sich nicht versagen, dem so frühe schon aus dem Amte scheidenden Mitarbeiter für die in seinen beiden Amtern als Lehrer und als Rendant der Kasse während dieser ganzen Zeit, in den letzten Jahren oft unter dem Drucke körperlichen Leidens bewiesene Pflichttreue auch seinerseits von Herzen zu danken. Unsere besten Wünsche für sein ferneres Wohlergehen, namentlich für eine baldige völlige Wiederherstellung seiner Gesundheit, begleiten den Scheidenden in den selbstgewählten Ruhestand.
Mit dem Beginn des neuen Vierteljahres am 7. Januar 1899 trat der Zeichenlehrer
*) Eduard Hauck, geboren den 9. Nov. 1870 zu Josbach(Kreis Kirchhain), evangelischer Konfession, widmete sich, nachdem er zu Ostern 1880 vom Realgymnasium zu Cassel mit dem Zeugnis der Reife entlassen war, in Marburg dem Studium der neueren Sprachen und bestand am 6. Nov. 1896 die Prüfung pro fac. doc. Das Seminarjahr leistete er von Michaelis 1896 bis dahin 1897 am Königlichen Gymnasium zu Weilburg ab. Die erste Hälfte des Probejahres in der Zeit von September 1897 bis Ostern 1898 brachte er in England und Frankreich, die 2. Hälfte in der Zeit von Ostern 1898 bis Michaelis 1898 an der Oberrealschule i. E. zu Marburg a. L. zu. Seit Michaelis 1898 ist er an gen. Anstalt als Wissenschaftlicher Hilfslehrer beschäftigt.


