Jahrgang 
1894
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Leider hatte auch der Oberlehrer Hohenthal schon vorher, am 19. September, von Bad Brunnthal aus auf Grund eines ärztlichen Gutachtens die Mitteilung machen müssen, dass er auch während des Winters nur einen Teil seiner Stunden übernehmen könne und noch mög- lichster Schonung bedürfe.

Sodann reichte der technische Lehrer Witt, gestützt auf ein Zeugnis seines Arztes, ein Gesuch ein, wonach er wegen eines hartnäckigen Halsleidens, zunächst für den Winter, von Er- teilung des Gesangunterrichts entbunden zu werden wünschte.

Endlich bat der Professor Dr. Wilhelmi, welcher Während des Sommers den zu Ostern 1893 freigewordenen englischen Unterricht mit dankenswerter Bereitwilligkeit übernommen hatte, den ihm dieserhalb gewordenen Auftrag zurückziehen zu wollen.

So mussten denn bei Beginn des Winters zahlreiche und zum teil recht einschneidende Verànderungen und Verschiebungen in der Unterrichtsverteilung stattfinden. Der Hilfslehrer Dr. Uckermann übernahm einen grossen Teil der Lehrstunden des pensionierten Oberlehrers Dr. Weingärtner, die Hilfslehrer Schedtler und Dr. Spindler aber, zum Teil mit Überstunden, eine grössere Zahl anderer freigewordener Stunden. Mit dem englischen Unterricht wurde unter dem 14. Oktober der hier lebende Schuldirektor a. D. Dr. Otto Kares*), mit der Versehung des Gesangunterrichts nach eingeholter Genehmigung der städtischen Schuldeputation der Lehrer an der städtischen Bürgerschule dahier Funk**) für die Dauer des Wintersemesters beauftragt. So konnte der Unterricht wenigstens ohne Störung seinen Anfang nehmen.

Durch Verf. vom 14. Oktober wurde der Hilfslehrer Schedtler zum etalsmässigen Hilfslehrer ernannt.

Mittwoch den 18. Oktober hielt das Gymnasium eine Gedächtnisfeier des auf diesen Tag fallenden Geburtstages des Hochseligen Kaisers Friedrichs III. mit Bibellektion, Gebet, Chor- gesängen und einer Ansprache des Direktors ab.

Montag den 30. Oktober wurde der Unterricht aller Klassen um 3 Uhr nachmittags geschlossen. Hierauf versammelten sich die evangelischen Lehrer und Schüler in der Aula, um in herkömmlicher Weise durch Bibellektion, Gebet und Gesang eine Gedenkfeier der Refor- mation zu begchen. Die Festrede hielt der Oberlehrer Dr. Euler über das Religionsgespräch zu Marburg. Am Sonntag den 5. November wurde die herkömmliche Feier des heil. Abend- mahles von den evangelischen Lehrern und Schülern je nach ihrer Konfession in der lutherischen und reformierten Kirche begangen.

*) Dr. Otto Kares, geb. zu Darmstadt am 26. April 1837, evangelischer Konfession, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und studierte in Giessen Theologie und Philologie. Im Frühjahr 1858 bestand er die erste theologische Prüfung an der Universität, und, nachdem er ein Jahr lang das theologisch- pädagogische Seminar in Priedberg besucht hatte, im Sommer 1859 die Prüfung für das Pfarramt in Darmstadt. Nach 11 jähriger Thätigkeit an einer Privatanstalt zu Darmstadt wurde er zum Konrektor an der höheren Bürger- schule zu Altena in Westfalen berufen und bestand zu Münster die Prüfung pro fac. docendi in Französisch, Englisch, Religion, Hebräisch, Deutsch und Latein. Von Herbst 1864 an wirkte er als 2. ordentl. Lehrer an dem städt. Gymnasium und Realgymnasium zu Barmen. Im Herbst 1866 wurde er zum Leiter der neu zu gründenden höheren Töchterschule zu Essen(Rheinpr.) mit dem Titel Direktor berufen und verblieb in dieser Stellung bis Ostern 1890, wo er auf sein Nachsuchen in den Ruhestand trat, um sich in Marburg schriftstellerischer Thätig- keit zu widmen.

**) August Funk, geb. zu Allendorf(Kr. Frankenberg) am 11. August 1849, ev. Konf, besuchte 1866 1869 das Lehrerseminar in Schlüchtern und bekleidete an verschiedenen Orten Lehrerstellen, bis er im J. 1880 von Rauschenberg als Lehrer an die Knaben-Bürgerschule zu Marburg berufen wurde.