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Mittwoch den 15. Juni beging das Gymnasium in der letzten Unterrichtsstunde die Gedächtnisfeier des Todes Sr. Majestät des Kaisers Friedrichs III.
An dem nämlichen Tage erkrankte leider der ordentl. Gymnasiallehrer Dr. Euler in ernster Weise und musste bis zu den Sommerferien von den Kollegen Schedtler, Dr. Spindler und Witt in seinem Unterrichte vertreten werden. Dr. Euler benutzte den ihm bewilligten Urlaub, sowie die Sommerferien zu einer Badekur in Wiesbaden, von welcher er zu unserer Freude völlig wiederhergestellt zurückkehrte.
Am 21. Juni war der unterz. Direktor vom K. Prov.-Schulkollegium beurlaubt und wohnte der reformierten Diöcesansynode zu Ziegenhain an.
Am folgenden Tage musste leider auch der ord. Gymnasiallehrer Dr. Weingärtner auf Grund eines ärztlichen Zeugnisses alsbald von seiner Lehrthätigkeit entbunden werden, um in einer Kaltwasseranstalt Heilung von einem schmerzhaften Nervenleiden zu suchen.
Die infolge dieser mannigfachen grossen Störungen des Unterrichts von allen dies Mal ganz besonders herbeigesehnten Sommerferien dauerten vom 3. bis zum 30. Juli.
Vom 16.— 20. August schrieben 2 Untersekundaner die Arbeiten der von dem Herrn Minister ausnahmsweise für diesen Herbst eingerichteten Abschlussprüfung.
Am 19. August unterzog der Departementsrat des K. Prov.-Schulkollegiums zu Cassel, Herr Geh. Rat Dr. Lahmeyer das pädagogische Seminar einer Revision, indem er zunächst dem Unterricht der 5 Seminarkandidaten und sodann einer mehrstündigen Seminarsitzung anwohnte, in welcher die Probelektionen der Seminaristen eingehend besprochen und ein Vortrag gehalten wurde. Zum Schlusse teilte der Herr Departementsrat die von ihm gemachten Wahrnehmungen mit und richtete Worte freundlicher Ermahnung an die nunmehr zum Antritt ihres Probejahres Marburg in Kürze verlassenden Seminaristen.
Am 24. August wohnte der Direktor als Mitvorstand der vereinigten Bade- und Schwimm- Anstalt dem Preis- und Wettschwimmen der diesjährigen Schwimmschüler an, bei welchem auch einige Gymnasiasten Preise davontrugen, welche ihnen und den andern preis- gekrönten Schwimmern einige Tage nachher von dem Herrn Oberbürgermeister Schüler auf dem Rathaus in Gegenwart des Direktors und einiger Stadtratsmitglieder feierlich überreicht wurden.
In den Tagen vom 27. August bis zum 1. September fertigten 4 Oberprimaner die schrift- lichen Arbeiten der Reifeprüfung an.
Der Sedantag wurde in der üblichen Weise gefeiert. Frühmorgens führte die Schüler- kapelle des Gymnasiums, begleitet von Primanern mit den Schulfahnen, unter Leitung des Herrn Musikmeister Noack einen Weckruf durch die Strassen der Stadt aus. Dann versammelten sich Lehrer und Schüler in der Aula zu einer Schulfeier mit Bibellektion, Gebet, Gesängen und Vor- trägen der Schüler. Der Oberprimaner Walther Rosenfeld sprach über das Leben und die Be- deutung Karl Friedr. Friesens. Hierauf begab sich die F estversammlung in geordnetem Zuge zu der nahe gelegenen Turnhalle. Nachdem dort Aufstellung genommen war, trug der Sängerchor Körners»Lützows wilde, verwegene Jagd« vor, worauf der Direktor das einige Zeit vorher dem Gymnasium geschenkte schöne Bild Friesens enthüllte und den edlen Jüngling der heutigen Jugend als ein Vorbild schöner Menschlichkeit und hingebender Vaterlandsliebe hinstellte. Nach einein Hoch auf den Kaiser als den erhabenen Förderer der Jugendbildung beschloss der Chor die einfache Feier mit dem Gesang des»Vater, ich rufe dich.«
Am 9. September wurden die beiden Untersekundaner Johannes Zörb und August Pfänder unter dem Vorsitz des Direktors mündlich geprüft und erhielten beide das Zeugnis der Versetzung nach Obersekunda und der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst.


