Jahrgang 
1891
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Poppelbaum an einer Lähmung des Herzens verschied. In ihm verloren die tiefgebeugten Eltern den einzigen Sohn, der ihnen durch Gehorsam und Kindesliebe stets nur Freude bereitet hatte. Unser Gymnasium aber betrauert in dem so frühe Heimgegangenen einen Schüler, welcher durch rastlosen Fleiss und treue Pflichterfüllung soeben das gewünschte Ziel zu erreichen und in den selbstgewählten Beruf überzugehen im Begriff stand. In den Nachmittagsstunden des 10. März geleiteten die Lehrer und die Schüler der fünf oberen Klassen den braven Jüngling zu seiner letzten Ruhestätte. Der Direktor widmete demselben in der Morgenandacht des nächsten Schultages einige Worte freundlicher Erinnerung und herzlicher Trauer. Das Andenken an Hermann Poppelbaum werden Lehrer und Schüler in Treue bewahren.

Unter dem tiefernsten Eindrucke dieses Todesfalles und unterbrochen durch die Teil- nahme an der Beerdigungsfeierlichkeit fand am 9., 10. und 11. März die mündliche Ent- lassungsprüfung statt. Den Vorsitz führte der unterzeichnete Direktor, welcher durch Verfügung des Königl. Prov.-Schulkollegiums vom 2. Februar mit Versehung der Geschäfte des Königlichen Kommissarius beauftragt worden war. Am Schluss der Prüfung wurde sämtlichen 23 Oberprimanern das Zeugnis der Reife zuerkannt. Sechs derselben konnten auf Grund ihrer schriftlichen Prüfungsarbeiten und ihrer sittlichen Führung während ihrer Lehrzeit in der Prima von der mündlichen Prüfung befreit werden.

Am Sonnabend den 14. März vollzog der Direktor in der letzten Vormittagsstunde in feierlicher Weise die Entlassung dieser 23 Abiturienten. Nachdem der Primus omnium Karl Eisenberg dem Lehrerkollegium gedankt und der Schule und deren Angehörigen ein Lebewohl zugerufen hatte, entliess der Direktor die Scheidenden unter Anknüpfung an das in dem deutschen Unterricht mit ihnen gemeinsam gelesene Dichterwort aus Schillers Braut von Messina: Nicht an die Güter hänge Dein Herz, die das Leben vergänglich zieren!

Nachdem durch Verfügung des Königl. Prov.-Schulkollegiums vom 9. März wegen der Kürze des 4. Schulquartals für dies Jahr der Ausfall der öffentlichen Schlussprüfungen in den wissenschaftlichen Lehrgegenständen genehmigt worden war, fand am 20. März nachmittags von 3 Uhr an eine Prüfung der Klassen Sexta und Obertertia im Turnen(Freiübungen, Barren, Doppelbock) und der Untersekunda in Turnspielen(Schleuderball und Kreisfussball) statt. An dieselbe schloss sich wie alljährlich das Schauturnen des Schülerturnvereins an, welcher unter dem Kommando des Unterprimaners Fett Stabübungen ausführte und sodann in 5 Riegen an den Geräten turnte. Der Direktor schloss diese Turn-Vorstellung mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und König als den hohen Förderer der körperlichen Ausbildung der Jugend. Sodann hatte er die Freude 4 Bücher patriotischen Inhalts, welche teils von einem nicht genannten Freunde des Gymnasiums, teils von dem früheren langjährigen Turnlehrer der Anstalt, dem Herrn Direktor Emil Müller in Boppard a. Rh., zu diesem Zwecke gestiftet worden waren, den 4 nach dem Urteil der beiden Fachlehrer tüchtigsten Turnern Fett in I2, L. Sunt- heim in II 1, Schmidt in II2 und Loeber in VI übergeben zu können. Mit einem kräftigen Gut Heil! für die freundlichen Geber endete die einfache Feier.

Vom 19. März an waren ausserdem die unter der Leitung des Technischen Lehrers Witt von den Schülern aller Klassen angefertigten Zeichnungen in einem Schulzimmer zur Besichtigung ausgestellt. Dieselben fanden allseitige Anerkennung auch in den Besprechungen der hiesigen Tagesblätter und lieferten jedenfalls den Beweis, dass dem Zeichenunterricht an unserm Gymnasium im Sinne der Verfügung des Hrn. Ministers vom 6. Juni vorigen Jahres die gebührende Sorgfalt gewidmet wird. Besonders erfreulich aber war für die Schule der zahlreiche