Jahrgang 
1891
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Freitag den 31. Oktober wurde der Unterricht aller Klassen um 10 Uhr vormittags geschlossen, worauf sich die evangelischen Lehrer und Schüler in der Aula versammelten, um in herkömmlicher Weise durch Bibellektion, Gebet und Gesang eine Gedenkfeier der Refor- mation zu begehen. In seiner Festrede schilderte der Oberlehrer Dr. Wilhelmi das Leben Luthers bis zum Reichstag zu Worms und die Bedeutung der Reformation für das deutsche Volk. Sonntag den 9. November begingen die evangelischen Lehrer und Schüler der Anstalt je nach ihrer Konfession in der reformierten oder lutherischen Pfarrkirche die Feier des heiligen Abendmahles.

Im Laufe des November schrieben die Oberprimaner unter Aufsicht ihrer Lehrer sog. Tentamenarbeiten.

Am 23. November, als dem letzten Sonntag des Kirchenjahres, führte der Sängerchor unseres Gymnasiums unter Leitung des Gesanglehrers Witt auf Ersuchen des Herrn Pfarrers Scheffer die Gesänge bei einer in der reformierten Kirche abgehaltenen liturgischen Abend- andacht aus und trug durch diese seine Mitwirkung nicht wenig zur Erbauung der zahlreich versammelten Gemeinde bei.

Sonnabend den 29. November beging das Gymnasium die Feier des Totenfestes und gedachte in Gebet und Gesang der im letzten Jahre heimgegangenen früheren Lehrer und Schüler der Anstalt.

Gemäss einer Allerhöchsten Bestimmung Sr. Majestät des Kaisers und Königs war am 1. December aus Anlass der 250 jährigen Wiederkehr des Tages des Regierungsantrittes weiland des Grossen Kurfürsten das Gymnasium, wie alle öffentlichen Gebäude der Stadt, beflaggt. An demselben Tage fiel infolge einer Anordnung des Hrn. Ministers der Unterricht wegen der allgemeinen Volkszählung aus.

Dienstag den 16. December veranstaltete der unter den Schülern bestehende Musik- verein in der Aula eine musikalische Abendunterhaltung, welche von den zahlreich erschienenen Zuhörern mit freundlichem Wohlwollen aufgenommen wurde.

Am Abend des 22. December wurde, wie in den vorhergegangenen Jahren, in der mit Weihnachtstransparenten und zwei brennenden Christbäumen geschmückten Aula durch den Direktor eine liturgische Weihnachtsandacht abgehalten. Leider konnten auch dies Mal wegen des beschränkten Raumes nur die Lehrer mit ihren Angehörigen, sowie die Schüler des Gymnasiums und der Vorschule an der schönen Feier teilnehmen. Die vierzehntägigen Weihnachtsferien dauerten vom 23. December 1890 mittags bis zum 6. Januar 1891.

Dienstag den 27. Januar beging das Gymnasium in der festlich geschmückten Aula den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs durch einen Redeakt, durch Gesangvorträge des Schülerchors und durch Deklamationen der Schüler. Die Bibellektion und das Gebet sprach der Direktor, in der Festrede sprach der Oberlehrer Pfr. Vogt über den Erziehungs- und Bildungs- gang Kaiser Wilhelms II.

In den Tagen vom 9. bis zum 13. Februar fertigten die diesjährigen Abiturienten die schriftlichen Arbeiten der Reifeprüfung an.

Sonnabend den 7. März fand am Schluss der dritten Vormittagsstunde eine Vorfeier des auf den 9. März fallenden Todestages des Hochseligen Kaisers Wilhehms I. durch Bibel- lektion, Gesang des Chores, Gebet und eine Ansprache des Direktors statt.

In früher Abendstunde des nämlichen Tages traf unser Gymnasium ein unerwarteter, schmerzlicher Verlust, indem nach kaum zweitägigem Kranksein der Untersekundaner Hermann-