Jahrgang 
1891
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herkömmlichen Turnspaziergang, welcher in fröhlichster Stimmung verlief. Am 26. September beteiligte sich der Direktor und eine Abordnung der Lehrer an dem in der Aula der städtischen Schulen gefeierten 50 jährigen Dienstjubiläum des ord. Lehrers Leimbach vom hiesigem Real- progymnasium und drückte dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche des Gymnasiums aus. Mit dem Schluss des Sommersemesters schieden die beiden Probekandidaten Dr. Krämer und Dr. Hagen nach Ableistung des pädagogischen Probejahres aus dem Verbande unserer Anstalt, der erstere, um in München seiner Militärpflicht zu genügen, der letztere, um in seine Vaterstadt Lübeck zurückzukehren. Die zweiwöchentlichen Herbstferien dauerten vom 27. September bis zum 11. Oktober.

Montag den 13. Oktober fand die Eröffnung des Wintersemesters dem Herkommen gemäss durch eine gemeinsame Andacht, durch Vorlesung und Erläuterung der Schulordnung, sowie durch die Verpflichtung und Aufnahme von 12 neu eintretenden Schülern statt. Leider begann das neue Semester in gleicher Weise, wie das vorhergehende geschlossen hatte, nämlich mit einer abermals durch Einziehung eines Lehrers zu militärischen Übungen herbeigeführten Unterbrechung des regelmässigen Unterrichts. Ganz unerwartet wurde nämlich Dr. Euler am 24. September zu einer gerade am Tage des Schulanfangs zu beginnenden dreiwöchentlichen Dienstleistung bei seinem Regiment in Hannover einberufen. Glücklicherweise konnte der Hilfs- lehrer Marxhausen, dessen Thätigkeit am hiesigen Gymnasium am 27. September zum Ab- schluss gekommen und welcher noch ohne Stelle war, durch Verfügung des Kgl. Prov.-Schul- kollegiums vom 3. Oktober mit Vertretung des Dr. Euler beauftragt werden. Infolge dessen entschloss sich der Hilfsl. Marxhausen vom 2. November an mit Genehmigung der vorgesetzten Behörde als Hilfslehrer auch ferner noch einige Stunden am Gymnasium zu erteilen.

Sonnabend den 18. Oktober, als am Geburtstage weiland Sr. Majestät des Kaisers Friedrichs III. versammelten sich in der letzten Vormittagsstunde Lehrer und Schüler in der Aula und begingen mit Bibellektion, Gebet, Chorgesängen und einer Ansprache des Direktors eine Gedächtnisfeier für den Hochseligen Kaiser.

Sonntag den 19. Oktober wohnte der Direktor nebst 2 Lehrern der in der Aula der städtischen Schulen festlich begangenen Feier des 50 jährigen Dienstjubiläums des Elementarlehrers Heinrich Schick bei und beglückwünschte denselben im Namen des Lehrerkollegiums zu seinem Ehrentage.

Am 20. Oktober erhielt der Direktor eine Verfügung des Königl. Prov.-Schulkollegiums vom 18. d. Mts., laut welcher dasselbe beschlossen hatte, von jetzt an bis auf weiteres mit unserm Gymnasium eine Seminar-Einrichtung zu verbinden, dem unterzeichneten Direktor die Leitung derselben zu übertragen und ausser ihm für die Zeit vom 1. Oktober 1890/91 die Oberlehrer Dr. Paulus und Loeber zu Lehrern an diesem Seminar zu bestimmen. LZugleich wurden dem letzteren 5 Kandidaten des höheren Schulamts zugewiesen. Nachdem jedoch einer derselben durch schwere Erkrankung an seiner Teilnahme verhindert worden war, trat das päda- gogische Seminar mit den 4 Kandidaten Dr. Emil Aust, Theodor Becker, Otto Rasch und Adam Schaaf und zwar alsbald am 23. Oktober in Wirksamkeit.

Da der General-Feldmarschall Graf von Moltke am Sonntag den 26. Oktober sein 90. Lebensjahr vollendete, so fiel auf Befehl Sr. Majestät des Kaisers und Königs Tags zuvor der regelmässige Schulunterricht aus, und auch in unserm Gymnasium fand von 10 Uhr vor- mittags an eine entsprechende Schulfeier statt, bei welcher der Oberlehrer Loeber ein Charakter- bild des greisen Schlachtendenkers entwarf.