Jahrgang 
1891
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III. Chronik des Gymnasiums.

Montag den 14. April wurde von 8 Uhr morgens die Prüfung der neuangemeldeten Schüler vorgenommen und sodann an demselben Tage nachmittags um 4 Uhr das neue Schul- jahr mit einer gemeinsamen Andacht eröffnet. Nach derselben begrüsste der Direktor den bis- herigen Hilfslehrer an der Königl. Turnlehrerbildungsanstalt in Berlin August Witts), welcher an Stelle des von uns geschiedenen Kollegen Müller von Königlichem Prov.-Schulkollegium bis auf Weiteres mit den Funktionen eines technischen und Elementarlehrers am hiesigen Gymnasium beauftragt worden war, und stellte denselben den Lehrern und Schülern vor. Hierauf verlas und erläuterte der Direktor die Schulordnung des Gymnasiums und verpflichtete 51 neueintretende Schüler durch Handschlag auf dieselbe.

Die Lektionen des Morgenunterrichts wurden auch im Sommer 1890 in den Stunden von 7 11, bezw. von 7 12 abgehalten.

Am 20. Mai wurde die von der Universität, der Stadt Marburg und dem Gymnasium gemeinsam unterhaltene Bade- und Schwimmanstalt eröffnet. Dem Schwimmeister Joh. Dietr. Weintraut war in diesem Jahre der Bleicher Georg Allendorf als Gehilfe beigegeben.

Der am 14. Mai in Hofgeismar abgehaltenen 15. Hauptversammlung der Lehrer höherer Unterrichtsanstalten der Provinz Hessen-Nassau wohnten zwei Lehrer unseres Gymna- siums bei.

Die diesjährigen Pfingstferien dauerten vom 24. bis zum 28. Mai.

Nachdem Se. Majestät der Kaiser und König zu bestimmen geruht hatte, dass 80 Exem- plare der im J. 1851 auf die Enthüllung des Denkmals Friedrichs des Grossen in Berlin geprägten grossen Medaille in Bronze und 60 Exemplare der aus gleichem Anlass geprägten kleinen Medaille in Bronze als Prämien für solche Gymnasial-Abiturienten verwendet werden, welche sich durch ihre Kenntnis der vaterländischen Geschichte besonders hervorgethan haben, wurde auch dem hiesigen Gymnasium ein Exemplar der kleineren Medaille zur Aushändigung an den Abiturienten Karl Eisenberg überwiesen. Der Direktor übergab in Gegenwart des Geschichtslehrers der Oberprima vor versammelter Klasse diese Medaille dem Befehle Sr. Majestät gemäss am 31. Mai,

*) August Witt, geb. zu Trier am 12. August 1860, evangelischer Konfession, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und trat im J. 1878 in das Lehrerseminar zu Neuwied ein. Nachdem er im Herbst 1881 die erste und einige Jahre später die zweite Lehrerprüfung abgelegt und an verschiedenen Orten Lehrerstellen bekleidet hatte, trat er im J. 1887 als Eleve in die Königl. Turnlehrerbildungsanstalt zu Berlin ein und erwarb sich im Frühjahr 1888 die Qualifikation als Turn- und Fechtlehrer, sowie als selbständiger Leiter von Schwimm- anstalten. Hierauf setzte er seine bereits im Winter 1887/8 begonnenen Studien in den Fächern des Zeichnens und des Malens, sowie der lateinischen und französischen Sprache fort und bildete sich auf der Königl. Kunst-

schule und in verschiedenen Ateliers tüchtiger Meister aus. Das Befähigungszeugnis für den Zeichenunterricht

erlangte er im Sommer 1889. Gleich darauf wurde er von dem Hrn. Unterrichtsminister als Hilfslehrer an die Königl. Turnlehrerbildungsanstalt berufen und führte daselbst neben seiner amtlichen Thätigkeit während des Kursus 1889/90 auch zwei ihm amtlich übertragene grössere Privatkurse zur Vorbereitung von Lehrern und Studierenden auf die Turnlehrerprüfung durch. Nebenbei unterrichtete er seit Juni 1888 im Planzeichnen an der Militär-Anstalt zu Potsdam. Nach Beendigung des Turnkursus für 1889/90 wurde er durch Verf. des Kgl. Prov.- Schulkollegiums zu Cassel vom 15. März 1890 mit Versehung der Stelle des technischen und Elementarlehrers am hiesigen Gymnasium beauftragt. Auch war demselben durch Verfügung vom 17. März 1890 zugleich die nebenamtliche Verwaltung der Rendantur und der Rechnungsführung des Gymnasiums übertragen worden.