Jahrgang 
1890
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Am 20. Mai wurde die von der Universität, der Stadt Marburg und dem Gymnasium gemeinsam unterhaltene Bade- und Schwimmanstalt eröffnet. Dem langjährigen Schwimmmeister Joh. Dietr. Weintraut wurde, da er nicht mehr wie früher seine ganze Zeit der Badeanstalt widmen konnte, auf seine Bitte der hiesige Einwohner Martin Arenz als Gehilfe bei- gegeben.

An der am 29. Mai zu Bockenheim abgehaltenen 14. Hauptversammlung der Lehrer höherer Unterrichtsanstalten in Hessen-Nassau nahmen 9 Lehrer unseres Gymnasiums teil.

Die diesjährigen Pfingstferien dauerten vom 8. bis zum 12. Juni.

Am 15. Juni beging die Schule die Gedächtnisfeier für Se. Majestät den Hoch- seligen Kaiser Friedrich III. durch eine liturgische Andacht.

In der zweiten Hälfte des Monats Juni hatten wir die Freude, das Herrigsche Luther- festspiel im hiesigen Saalbau wiederholt aufgeführt zu sehen. Ein grösserer Ausschuss der angesehensten evangelischen Einwohner Marburgs hatte im Verein mit einer Anzahl von Studiosen der evgl. Theologie die Leitung des in einer kleinen Stadt inmnerhin schwierigen Unternehmens übernommen. Für die Au-führung der Chöre hatte der Ausschuss von dem Direktor die Mitwirkung des Gymnasialchors erbeten, und so hatten wir denn die Freude und Ehre, durch unsere Sänger die Aufführung des Lutherfestspiels in Marburg ermöglicht zu sehen. Dem Gesanglehrer Müller, als dem Leiter des Chores, gebührt ebenso wie den Schülern desselben der lebhafteste Dank für die vortreffliche Einstudierung der Gesänge und für die bei den zahl- reichen Aufführungen bewiesene Mühewaltung.

Donnerstag den 27. Juni fand das herkömmliche Frühlingsfest in dem herrlichen Eichwald des Dammelsbergs statt, in welchem sich zu unserer Freude, wie in den vorhergehenden Jahren, die Eltern und Angehörigen der Schüler zahlreich eingefunden hatten. Zwischen den Aufführungen des Gymnasiasten-Musikvereins trieben die Schüler der unteren Klassen unter der Leitung ihrer Lehrer allerlei Bewegungsspiele, die mittleren Klassen führten eine hübsche Gruppe von Freiübungen vor, und die Schüler der oberen Klassen, welche dem Schüler-Turnverein an- gehören, zeigten recht anerkennenswerte Leistungen an den verschiedenen Turngeräten, welche zu diesem Zweck mit in den Wald genommen worden waren. Es verdient hier ausdrücklich hervorgehoben zu werden, dass die von dem Herrn Minister empfohlenen Spiele und körper- lichen Ubungen der Jugend bei unserem Waldfest als eine dauernde Einrichtung sich eingebürgert haben. Das in jeder Beziehung wohlgelungene Fest fand mit einem begeisterten Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und dem Gesang der Nationalhymne einen schönen Abschluss.

Mit dem 6. Juli begannen die vierwöchentlichen Sommerferien.

Vom Wiederbeginn der Schule an war der Gymnasiallehrer Dr. Euler abermals wie im Jahr 1888 ſast das ganze nächste Vierteljahr an Erteilung seiner Lektionen verhindert, indem derselbe vom 28. Juli an zu einer achtwöchentlichen Ubung als Reservelieutenant ein- berufen war. Der Unterricht des Dr. Euler wurde mit Genehmigung des Kgl. Provinzial-Schul- kollegiums während dieser Zeit durch die Hilfslehrer Schedtler und Klincksieck, sowie den Kandidaten Sieke erteilt.

Der Sedantag wurde Montag den 2. September in der seit den letzten Jahren an unserm Gymnasium üblichen Weise gefeiert, indem zunächst frühmorgens die Schülerkapelle nach dem Vortrag eines(horals vor dem Gymnasialgebäude unter Begleitung von Primanern mit der Gyinnasialfahne durch die Hauptstrassen der Stadt zog und eine Reveille aufführte, welche mit dem Spiel des»Heil Dir im Siegerkranz« vor dem Gymnasium schloss. Um halb 11 Uhr begingen dann Lehrer und Schüler durch Bibellektion, Gebet, Gesänge und Vorträge der Schüler