Jahrgang 
1888
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25 felden, wo bei Liederklang unter mancherlei Reden und fröhlichen Scherzen das Sommer- Semester für den Verein seinen Abschluss fand.

Die zweiwöchentlichen Herbstferien dauerten vom 24. September bis zum 8. Oktober. Während derselben vollzog sich in aller Stille ein für unser Gymnasium höchst wichtiger Akt, indem am 1. Oktober das neben unserem Anstaltsgebäude stehende alte Schulhaus für den Preis von 18000 Mark in den Besitz des Staates überging. Dasselbe ist zum Abbruch, der Platz aber, auf welchem es steht, zu dem so sehr notwendigen Erweiterungsbau unserer Anstalt bestimmt. Die Pläne für letzteren liegen im Augenblick den Königl. Ministerien zu Berlin vor, und es steht zu hoffen, dass nach Verwilligung der Baugelder durch die betreffenden staatlichen Instanzen im nächsten Frühjahr mit dem Bau begonnen werden kann.

Am 10. Oktober fand die Eröffnung des Wintersemesters in herkömmlicher Weise durch eine gemeinsame Andacht und durch Verlesung und Erläuterung der vom Kgl. Prov.-Schulkollegium unter dem 9. August genehmigten neuen Schulordnung statt. Da sich seit diesem Tage gedruckte Exemplare derselben nicht nur in den Händen der Eltern, sondern auch der Pensionshalter befinden, so sind namentlich die letzteren nunmehr im Stande, das häusliche Leben der ihnen anvertrauten Schüler in angemessener, pflicht- mässiger Weise zu leiten, bezw. zu überwachen. Nach dieser Verlesung wurden 17 neu eintretende Schüler auf diese Schulordnung verpflichtet und in die Anstalt aufgenommen. Mit dem nämlichen Tage begann seine Thätigkeit der dem Gymnasium zur Ableistung des pädagogischen Probejahres zugewiesene Kandidat des höheren Schulamts Moritz Kraushaar-).

Sonntag den 30. Oktober gingen die evangelischen Lehrer und Schüler dem Her- kommen gemäss je nach ihrer Konfession in der reformierten oder lutherischen Kirche zum heiligen Abendmahl, nachdem die Schlussandacht am Sonnabend den 29. durch einen entsprechenden Gesang des Chors und eine Ansprache des Direktors erweitert worden war. Montag den 31. Oktober wurde der Unterricht um 10 Uhr morgens geschlossen. Sodann versammelten sich die evangelischen Lehrer und Schüler in der Aula, um in üblicher Weise durch Bibellektion, Gesang und eine Ansprache, welche diesmal der Oberlehrer Pfarrer Vogt über den Reichstag zu Worms hielt, eine Gedenkfeier der Reformation zu begehen. Die Nachmittagstunden fielen an diesem Tage aus.

In der Woche vom 14. bis zum 19. November schrieben die Oberprimaner sogen. Tentamenarbeiten unter Aufsicht ihrer Lehrer.

Donnerstag den 22. December wurde wie in den letzten drei Jahren in der mit zwei brennenden Christbäumen und verschiedenen Weihnachtstransparenten geschmückten

*) Moritz Kraushaar, geboren am 7. Juni 1865 zu Niederaula(Kr. Hersfeld), erhielt seine Schulbildung auf dem Gymnasium zu Hersfeld, welches er Ostern 1882 mit dem Zeugnis der Reife ver- liess. Er widmete sich auf den Universitäten zu Marburg und Leipzig dem Studium der klassischen Philologie und Geschichte und bestand am 6. Mai 1887 zu Marburg die Prüfung pro facultate docendi. Durch Verfügung des Kgl. Prov.-Schulkollegiums zu Cassel vom 16. August 1887 wurde er dem hiesigen Gymnasium zur Ableistung des pädagogischen Probejahrs überwiesen.