Jahrgang 
1888
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Aula durch den Direktor eine liturgische Weihnachtsandacht abgehalten, bei welcher der Sängerchor unter Leitung des Herrn Gesanglehrers Müller einige vortrefflich eingeübte Motetten und Choräle vortrug. Eine Teilnahme der Angehörigen unserer Schüler an dieser sinnigen und sich immer fester in unser Schulleben einwurzelnden Feier konnte zu unserm lebhaften Bedauern der beschränkten Raumverhältnisse unserer Aula wegen, so sehr wir es gewünscht hätten, nicht stattfinden. Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. December 1887 bis zum 7. Januar 1888.

In den Tagen vom 6. bis zum 10. Februar wurden von 18 Oberprimanern die schriftlichen Maturitätsarbeiten angefertigt. Ein 19. Aspirant erkrankte leider am Tage vor der Prüfung und ist auch bis zum heutigen Tage in seiner Genesung noch nicht soweit vorgeschritten, um sich den Prüfungsarbeiten unterziehen zu können.

Am 2. März brachte uns eine Verfügung des Kgl. Prov.-Schulkollegiums vom 28. Februar die erfreuliche Mitteilung, dass dem Gymnasiallehrer Dr. Wilhelmi von dem Herrn Minister der Oberlehrertitel verliehen worden sei.

Am 6. März gelangte durch die öffentlichen Blätter in unsere Stadt die erste Kunde, dass Se. Majestät unser vielgeliebter Kaiser Wilhelm von einer Erkältung ergriffen und gezwungen sei, für einige Tage das Bett zu hüten. Diese Nachricht, bei dem hohen Alter des erlauchten Monarchen wohl geeignet, die ernstesten Besorgnisse zu erwecken, erfüllte alle treuen deutschen Herzen mit um so grösserer Betrübnis, je tiefer die Gemüter Aller schon erregt waren durch die seit Monaten andauernde schwere Erkrankung Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen. Und leider sollten sich die bangen Befürchtungen nur zu schnell erfüllen: denn schon am frühen Morgen des 9. März endete ein sanfter Tod das ruhmreiche Leben unseres teuern Kaisers und Königs Wilhelm I. Diese erschütternde, so unendlich schmerzliche Trauerbotschaft beugte Millionen treuer Herzen aufs tiefste nieder: durchzuckte alle doch das nämliche Gefühl, dass nicht nur das Vater- land den mächtigsten und grössten Herrscher in Krieg und PFrieden verloren habe, sondern dass jedem Einzelnen ein treu waltender und liebender Vater geschieden sei. Auch die Angehörigen unserer Anstalt, welche sich ebenso wie ganz Preussen und Deutschland gerade rüstete, das 92. Geburtsfest des geliebten Königs in Treue und Ehrerbietung feierlich zu begehen, wurden aufs tiefste erschüttert. Nach dem Eintreffen der Todesnachricht begabeu sich daher Lehrer und Schüler alsbald in die Aula. Dort machte der Direktor Mitteilung von dem schweren Verluste, welchen das Kaiserliche Haus und das ganze deutsche Vater- land durch das Hinscheiden Sr. Majestät betroffen habe. Die Versammlung hatte sich von ihren Plätzen erhoben, und alle vernahmen aufs schmerzlichste ergriffen die traurige Kunde. Nachdem hierauf der Chor zwei Verse des Liedes: Jesus meine Zuversicht vorgetragen hatte, verlas der Direktor den 90. Psalm und sprach ein Gebet, nach welchem der gemein- same Gesang eines weiteren Verses aus obigem Liede die einfache Feier schloss.

Am 12. und 13. März fand unter dem Vorsitz des unterzeichneten Direktors, welcher durch Verfügung Kgl. Prov.-Schulkollegiums vom 23. Januar beauftragt worden war, die Geschäfte des Königlichen Kommissarius zu versehen, die mündliche Entlassuugs-