Herrn Bibliothekar Dr. Kius zu Cassel sei für ihr bei dieser Gelegenheit bewiesenes freund- liches Entgegenkommen der gebührende Dank abgestattet.
Montag den 27. Juni beging unser Gymnasium das seit nunmehr 33 Jahren her- kömmliche Frühlingsfest. Gegen 3 Uhr nachmitttags versammelten sich Lehrer und Schüler auf dem Turnplatz und nahmen daselbst in zwei langen Reihen Aufstellung. Hierauf übergab der Direktor den einzelnen Klassen die neuangeschafften Klassenfahnen mit einer kurzen Ansprache, in welcher er darauf hinwies, die Schüler möchten sich durch die Farben der Fahnen— es sind deutsche, preussische und hessische—, wenn sie mit denselben aus- zögen, stets erinnern lassen an die Pflichten, welche auch sie schon jetzt als Knaben und Jünglinge, in höherem Sinne aber dermaleinst als Männer gegen ihre Heimat und gegen das engere und weitere Vaterland zu erfüllen hätten. Nach einem Hoch auf das deutsche Vaterland und dem Gesang des Liedes»Deutschland, Deutschland über alles in der Welt« setzte sich der stattliche Zug, welchen die Musikkapelle der Schüler eröffnete, mit fliegenden Fahnen in Bewegung und begab sich durch einige Strassen der Stadt über den Renthof nach der stolzen Kuppe des Dammelsbergs, unter dessen schattigen Eichbäumen für die Musik, für die einzelnen Klassen und für die Angehörigen der Schüler, welche sich in grosser Zahl eingefunden hatten, Sitzplätze hergerichtet waren. Es entwickelte sich nun alsbald das fröhlichste Treiben, indem die Schülerkapelle einige ihrer Stücke, der Sänger- chor unter Leitung des Herrn Müller mehrere sehr gut eingeübte Chorgesänge vortrug, während der unter den Schülern bestehende Turnverein durch seine vortrefflich ausgeführten Frei- und Gerätübungen sich den Beifall aller Zuschauer erwarb. Den Schülern der untern und mittlern Klassen, welche sich unter Anleitung ihrer Ordinarien an mannigfaltigen Spielen vergnügten, wurde noch eine besondere UÜberraschung durch das bisher in unserer Gegend noch nicht geübte, aber in den östlichen Provinzen sehr bekannte Spiel des Tauben- werfens, für welches der Direktor die nötigen Apparate aus Stettin hatte kommen lassen, und welches nun unter Leitung des Herrn Hohenthal, dem dasselbe aus seiner Heimat bekannt war, sehr viel zur Unterhaltung der Jugend beitrug. Bei Beginn der Dunkelheit trat Alt und Jung den Rückmarsch an, nachdem der Direktor noch ein Hoch auf Se. Maj. den Kaiser ausgebracht hatte und das»Heil Dir im Siegerkranz« gesungen war. Vor dem Gymnasialgebäude nahm der Zug, welchem sich viele Eltern und Angehörige der Schüler angeschlossen hatten. noch einmal Aufstellung und löste sich sodann, nachdem die Musik das»Gebet« gespielt hatte, auf.
Mit dem 2. Junkcbegannen die vierwöchentlichen Sommerferien.— Eine Reife- prüfung fand in diesem Herbst nicht statt.— Am 18. August nachmittags 3 Uhr hielt der Oberlehrer Dr. Weidenmüller einen sehr lehrreichen Vortrag über die am 19. in der Frühe bevorstehende totale Sonnenfinsternis, von welcher dann aber leider durch die Un- gunst der Witterung fast nichts zu beobachten war.— Im August wurde an zwei Nach- mittagen der Unterricht wegen grosser Hitze ausgesetzt.
Am 30. August unternahmen die Schüler der vier oberen Klassen eine schon lang geplante eintägige Turnfahrt auf den Niederwald unter Führung des Direktors, ihrer


